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Stadt hat bei Platz-Vergabe das letzte Wort

Kirschenmarkt Stadt hat bei Platz-Vergabe das letzte Wort

Preisfrage: Wie viele Pizza-Stände gibt es zwischen Rummelplatz und Festzelt? Drei: „Pizza Toni“, die „Pizza-Hütte“ und den „Pizza-Blitz“. Hätten Sie‘s gewusst?

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In der Gladenbacher „Fressgasse“ ist noch niemand verhungert. Auch in diesem Jahr ist das Angebot wieder vielfältig.Foto: Berge

Gladenbach. Der Diedenshäuser Herbert Kreuser ist mit seinem Imbissstand „Pizza-Hütte“ auf dem Gladenbacher Kirschenmarkt vertreten. Und gegen die einstweiligen Anordnung des Verwaltungsgerichts in Gießen, die ihm die Teilnahme am Volksfest ermöglicht, wird die Stadt nicht vorgehen. Das beschloss der Magistrat am Montagabend (die OP berichtete). Herbert Kreusers Schaustellerbetrieb ist seit einigen Jahren mit Geschäften auf dem Kirschenmarkt vertreten, unter anderem mit seiner „Pizza-Hütte“.

Er hatte dem Generalpächter Konrad Ruppert in dem Verwaltungsstreitverfahren unter anderem vorgeworfen, der habe diesmal nicht auf seine Bewerbung reagiert, weder Zusage noch Absage erteilt und auch weder auf Schreiben der Kur- und Freizeitgesellschaft noch des Bevollmächtigten (Anwaltskanzlei) des Klägers reagiert.

Nach Auffassung der 8. Kammer des Verwaltungsgerichts ist der Kirschenmarkt eine öffentliche Einrichtung der Stadt, sie hat das „Letztentscheidungsrecht“ und kann dies nicht etwa einem Generalpächter - womöglich noch nicht einmal der KFG überlassen.

Weil er mit dem Streit großen Schaden auf die Stadt und den Kirschenmarkt zukommen sieht, gab am Montagabend ein namhafter Gladenbacher Geschäftsmann in der OP-Redaktion einen Leserbrief ab, zog ihn aber „angesichts des einmütigen Magistratsbeschlusses“ gestern Morgen wieder zurück. Das tue er aber nur vorläufig, in der Erwartung, dass die Sache, nach dem hoffentlich friedlichen Volksfest, weiter aufgeklärt werde, betonte er, wollte namentlich nicht genannt werden, ließ sich im Gespräch mit der OP aber auf ein paar grundsätzliche Aussagen ein.

Es sei nicht zu beanstanden, dass der besagte Diedenshäuser Schausteller beziehungsweise dessen Sohn dem Gladenbacher CDU-Stadtverband angehörten beziehungsweise angehören. Es sei auch menschlich, dass sich Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim (CDU) für seinen guten Bekannten - vielleicht sogar Freund - einsetze und dem Generalpächter empfehle, dessen Geschäfte bei der Zusammenstellung des Rummelplatzes oder der Fressgasse zu berücksichtigen.

Schreiben tragenden Briefkopf der KFG

„Es ist aber verwerflich, wenn Klaus-Dieter Knierim auf dem Briefpapier der Kur- und Freizeitgesellschaft Gladenbach auffordernde Schreiben an den Generalpächter richtet, sie als Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender unterzeichnet und so den Eindruck erweckt, dass er im Namen des Aufsichtsrates handelt, was aber nicht der Fall war“, sagt der Geschäftsmann und bezieht sich dabei vor allem auf drei Schreiben, die in Kopie auch der OP vorliegen.

Bei Konrad Ruppert gingen zwei der vom Anwalt angeführten Schreiben der KFG ein, eins mit Datum vom 2. Mai, ein weiteres mit Datum vom 28. Mai, beide unterzeichnet von Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim, der kraft Amtes auch Vorsitzender des KFG-Aufsichtsrates ist. Im zweiten Schreiben heißt es unter anderem: „Wir fordern Sie daher hiermit letztmalig auf, Herrn Kreuser mit seinem Pizza-Stand zuzulassen.“

Kritik gab es nach Informationen der OP in den Gremien, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagen, unter anderem an der vom Bürgermeister in seinen Briefen verwendeten „Wir-Form“. Denn weder der Aufsichtsrat der KFG noch der Magistrat, dessen Mitglieder auch Gesellschafter der KFG sind, hatten diesbezügliche Beschlüsse befasst. Der Bürger erfahre von diesen Dingen offiziell nichts, weil sich die Mitglieder von Aufsichtsrat und Magistrat fraktionsübergreifend darin einig seien, dass dies dem Ruf Gladenbachs und seinem großen Volksfest schaden würde. Die zum Wohl der Stadt an sich lobenswerte Einigkeit unter den in den Aufsichtsrat beziehungsweise Magistrat gewählten Stadträten beziehungsweise Stadtverordneten werde wohl auch verhindern, dass in der Sache auf Parlamentsebene ein Akteneinsichtsausschuss tätig werde, vermutet der Gladenbacher Geschäftsmann und Leserbriefschreiber. Das sei an sich dringend erforderlich, meint er. Denn die besagten vom Aufsichtsrat weder initiierten noch autorisierten Schreiben müssten eigentlich öffentlich gerügt werden. Darüber hinaus gebe es eine Reihe offener Fragen, mit die wichtigste: „Wer informierte den Anwalt des Klägers über den Inhalt der Schreiben des Bürgermeisters, die das Gericht womöglich als Meinung und Willen der Stadt wertete?“

Dritter Pizza-Stand am Rande der „Fressgasse“

Darüber hinaus könne man nur mutmaßen, wer den Diedenshäuser Pizza-Buden-Besitzer zur Klage ermuntert habe und ihm wichtige Argumente vor Gericht dazu lieferte, sagt der Geschäftsmann.

Bürgermeister Knierim betonte am Montagabend nach der Magistratssitzung gegenüber der OP, dass allen Beteiligten daran gelegen sei, einen Imageschaden zu vermeiden und nun einen friedlichen Kirschenmarkt zu feiern. Was die künftige Vergabepraxis für Rummelplatz und Fressgasse betreffe, müsse man nach dem Fest schauen. „Wir haben ja durchaus Erfahrung“, sagte das Stadtoberhaupt und wies auf Marktmeister Bruno Hercher hin, der die Zusammenstellung der Budenstadt am Kirschenmarktfreitag und des Brunnenmarktes organisiere. Wer auch immer künftig die Anbieter für die „Fressgasse“ auswählen wird: Diesmal gibt es dort zwei Verkaufswagen, in denen Pizza angeboten wird. Denn neben der „Pizza-Hütte“, die sich nun einklagte, hatte Generalpächter Ruppert bereits „Pizza Toni“ eine Zusage erteilt. Der hatte seit dem Bestehen der „Fressgasse“ 26. Mal seinen Verkaufsstand aufgebaut. 2008 erhielt er einen schlechteren Standort am unteren Ende der Gasse, und bewarb sich in den Folgejahren nicht mehr - bis in diesem Jahr.

Um weiteren Ärger zu vermeiden, legte der Magistrat in seiner Sitzung am Montag auch die Standorte für die beiden Pizza-Anbieter fest, die mussten aber aus Sicherheitsgründen wieder verändert werden. Die „PizzaHütte“ erhält ihren alten Standort mitten in der „Fressgasse“, „Pizza-Toni“ steht in der Nähe des Ringstraßen-Kreisels.

Zudem hat am Rande der „Fressgasse“ der Gladenbacher „Pizza-Blitz“ eigens fürs Volksfest ein Grundstück gepachtet und baut dort ebenfalls einen Stand auf. So wird die „Fressgasse“ zur kleinen „Pizza-Meile“.

von Hartmut Berge

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