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Staatsanwalt: „Was 
nichts kostet, taugt nichts“

Aus dem Schöffengericht Staatsanwalt: „Was 
nichts kostet, taugt nichts“

Mehrere Monate lang versorgte ein junger Drogendealer aus dem Hinterland einen erst 17-Jährigen mit Marihuana. Den Handel mit dem Minderjährigen ahndete das Marburger Schöffengericht besonders streng.

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Eine milde Strafe mit spürbarem Denkzettel erhielt ein Drogenhändler vor Gericht.

Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Marburg. Bei der Abgabe von Betäubungsmitteln an unter 18-Jährige versteht auch der Gesetzgeber keinen Spaß – dies musste der junge Dealer am Donnerstag feststellen. Er steht für die nächsten drei Jahre unter Bewährung.

Zwischen September und Dezember vergangenen Jahres hatte der 24-Jährige mindestens ein Mal pro Woche den minderjährigen Konsumenten mit je einigen Gramm Marihuana versorgt, insgesamt 14 Handlungen warf die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden zudem drei Gramm Cannabis gefunden.

Vor Gericht machte der Beschuldigte keine weiteren Angaben zu den Vorwürfen, ließ seinen Verteidiger für sich sprechen: Die Taten gebe sein Mandant zu, auch das Alter des Kunden war ihm bekannt. „Das trifft so zu, er hat gewusst, dass er unter 18 Jahre alt war“, erklärte Rechtsanwalt Peter Thiel.

Anwalt: Seine Drogenkarriere ist zu Ende

Allerdings sei der Angeklagte nicht der einzige Lieferant des jungen Kiffers gewesen, der zudem deutlich reifer und erwachsener als 17 Jahre erschien – „die Hemmschwelle war nicht so hoch“, sagte der Verteidiger.

Nachdem die ganze Sache aufflog, habe der Angeklagte den Drogen abgeschworen, stellte seinen eigenen Konsum wie auch den Handel angeblich ein. „An diesem Tag ist seine Drogenkarriere zu Ende gegangen“, versicherte der Anwalt.

Heute bemühe sich der junge Erwerbslose um einen Arbeitsplatz, fand eine neue Freundin, die den Drogenkonsum klar ablehne, und befände sich auf ­einem guten Weg. „Es gibt eine 
große Stabilität“, beschrieb 
Thiel den Werdegang des Ex-Dealers. „Ich habe komplett aufgehört“, beteuerte der Angeklagte.

Der stand indes nicht zum ersten Mal vor Gericht, weist bereits fünf Vorstrafen auf, unter anderem wegen Diebstahls, Betrugs und Körperverletzung. Bislang erhielt er nach jedem Prozess eine Geldstrafe, um eine Freiheitsstrafe kam er bisher herum. Bis jetzt.

Mit einem geringeren Strafmaß sei dieser Fall nicht mehr zu ahnden, stellte Staatsanwalt Dr. Kurt Sippel fest. Auch wenn der geringwertige Handel des Angeklagten an sich „kein so schlimmer Kriminalfall“ sei – die Abgabe von Drogen durch einen über 21-Jährigen an Minderjährige gilt als Verbrechenstatbestand und wird vom Gesetzgeber „besonders ernst genommen“. Das Gesetz sieht in einem solchen Fall eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr vor.

Anklage sieht minderschweren Fall

Zugunsten des Dealers wertete der Staatsanwalt das Alter des Empfängers, der zur Tatzeit fast 18 Jahre alt war. Auch war dieser bereits vorher Konsument, nicht erst der Beschuldigte habe ihn dazu gemacht.

Das Ganze betrachtete Sippel als minderschweren Fall eines jungen Mannes, der zudem auf dem guten Weg sei, „sein Leben zu festigen“. Er sprach sich für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung aus. Nichtsdestotrotz: „Was nichts kostet, das taugt nichts“, zitierte er ein bekanntes Sprichwort und hängte als spürbaren Denkzettel weitere 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit an.

Dem Antrag schlossen sich sowohl Verteidigung wie auch Schöffengericht voll an. Der 24-Jährige wurde wegen unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige in 13 Fällen verurteilt plus einem Fall unerlaubten Handeltreibens.

Die sich scheinbar zum Guten entwickelte Lebensgeschichte des jungen Mannes habe „Hand und Fuß – er ist auf einem guten Weg“, fasste der Vorsitzende Richter Dominik Best zusammen. „Jetzt liegt es bei Ihnen“, ermahnte er den jungen Mann.

von Ina Tannert

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