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Spektakel erfasst das ganze Dorf

Silvesterbrauch: Bealmänner Spektakel erfasst das ganze Dorf

Laut und lustig geht es zu, wenn die Bealmänner durch Buchenau ziehen. Jahr für Jahr lassen die Burschenschaften Damm und Muth den alten Brauch aufleben.

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Bei Käthe Immel lassen sich die Muth-Burschen frischgebackene Kreppel schmecken.

Quelle: Björn-Uwe Klein

Buchenau. Für die Mitglieder der Burschenschaft Muth beginnt der Tag in der gleichnamigen Gaststätte. Dort werden die Vorbereitungen für die Tour durch den Ort getroffen. Zur Einstimmung gibt’s ein erstes Glas Bier.

Die Burschen verkleiden und bemalen sich und verteilen Körbe, in denen die Gaben gesammelt werden. Im Gepäck haben sie auch große Mengen Schuhcreme. Damit „markieren“ sie diejenigen Dorfbewohner, bei denen sie schon waren.

Schließlich ist der Moment des Aufbruchs gekommen. Trockenes Wetter wie im Vorjahr, noch dazu etwas wärmer - da macht die Tour gleich doppelt Spaß. Vor der Gaststätte noch ein Gruppenfoto, dann geht’s los. Mit Böllerschlägen kündigen die „Scheus“, wie sich die Mitglieder der Burschenschaft nennen, ihr lebhaftes Treiben an. Auch von der anderen Seite des Ortes, wo die Burschenschaft Damm von ihrer Vereinskneipe „Zum Alten Rathaus“ aus zeitgleich loszieht, sind Böllerschläge zu vernehmen.

Die Burschenschaften waren am Silvestertag wieder einmal als Bettelmänner in Buchenaus Straßen unterwegs.

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Einige Bewohner haben schon auf die Bealmänner (Bettelmänner) gewartet und vorsorglich Wurst, Eier oder Getränke bereitgestellt. Andere zücken Bargeld. Käthe Immel reicht den Burschen frisch gebackene Kreppel.

Weitere Pausen legen die Scheus bei ihrem Altburschen, dem stellvertretenden Bürgeroberst Mark Noll, sowie bei Männeroberst Holger Schmidt und in den Buchenauer Gaststätten ein. Diese sind auch Ziele der Burschenschaft Damm, genannt „Heurersch“. Ebenso der Buchenauer Getränkehandel von Karl-Willi Weigand, der wieder zu einem Frühschoppen einlädt.

Kein Entkommen vor den Bealmännern

Wer den Bealmännern entkommen will, hat schlechte Karten. Kaum einer kreuzt ihren Weg, ohne dass anschließend Schuhcreme von der Begegnung zeugt. Gisela Pracht glaubt dennoch an das schier Unmögliche, wähnt sich hinter geschlossenem Fenster lachend in Sicherheit. Aber die Bealmänner, in diesem Fall die Heurersch, finden immer einen Weg - auch von außen, auch ins erste Stockwerk.

Schon wird eine Leiter an die Hauswand gestellt. Ein Bursche steigt hinauf, zeigt die Schuhcreme und droht der Hausbewohnerin mit einem letzten Fensterputz im alten Jahr. Da erkennt Gisela Pracht, dass jeglicher Widerstand zwecklos ist. Sie öffnet das Fenster, bekommt ihre Bemalung und lacht mit.

Beide Buchenauer Burschenschaften verzeichnen auch an diesem Silvestertag hohe Spendenbereitschaft im Ort. Lars Herdegen, Vorsitzender der Burschenschaft Muth, stellt fest, dass zwar weniger Naturalien gespendet würden als früher, dafür aber mehr Bargeld. Ein Trend, den auch die Damm-Burschen ausmachen.

Wer was gibt, sei auch eine Altersfrage, sagt Kai Porschitz von der Burschenschaft Damm. Insbesondere viele ältere Buchenauer, die den Brauch seit langem kennen, spendeten nach wie vor häufig Eier und Wurst - und zwar immer noch so viel, dass aus einem Eierbacktermin letztendlich drei würden. Mit dem Eierbacken beschließen die Bealmänner traditionell den Tag und das Jahr. Dazu kommen sie in ihren Kneipen zusammen, wo sie Wurst und Eier zubereiten.

von Björn-Uwe Klein

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