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Späte Einsicht einer Langfinger-Bande

Langericht verhängt Haftstrafen für Diebes-Trio Späte Einsicht einer Langfinger-Bande

Empfindliche Haftstrafen haben die drei Angeklagten im Prozess um eine Serie von Einbrüchen und Diebstählen erhalten. Das Gericht sah eine erhebliche kriminelle Energie gegeben.

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„Geld einstecken und schnell weg“. Nach diesem Motto handelte eine Diebesbande, die nun vor Gericht stand.

Quelle: Archiv

Marburg. Das Urteil ist gesprochen: Ein Angeklagter aus Schrecksbach erhält dreieinhalb Jahre und ein 50-Jähriger aus dem Ebsdorfergrund drei Jahre und zwei Monate Haft. Die Lebensgefährtin des 50-Jährigen wurde zu zwei Jahre und sechs Monaten verurteilt, die sie jedoch nicht im Gefängnis absitzen muss. Sie trägt weiterhin eine Fußfessel.

„Ich weiß, dass ich viel Scheiße gemacht habe. Ich will endlich damit abschließen und ein neues Leben beginnen“, sagte die 37-jährige Angeklagte vor dem Marburger Landgericht. Sie wolle ihren mitangeklagten Lebensgefährten heiraten und das gemeinsame Kind großziehen. Das Pärchen und ein 61-jähriger Mittäter hatten bei der Verhandlung am Freitag zugegeben, mehrere Diebstähle und Einbrüche begangen zu haben. Konkret ging es um elf Anklagepunkte, von denen einer während der Verhandlung fallen gelassen wurde.

Das Trio fuhr mit zwei Autos rum

Die Taten erfolgten im Ostkreis, dem Hinterland und in Teilen des Schwalm-Eder-Kreises. Stets fuhr das Trio mit zwei Autos umher, bis sie ein geeignetes Ziel lokalisierten. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf drangen die zwei Männer beispielsweise in einen Schnellimbiss bei Neustadt ein. In Kirchhain-Schönbach hebelten sie einen Zigarettenautomaten von der Wand. Am Tag ihrer Verhaftung versuchten sie noch erfolglos, in einen Imbiss in Wetter und eine Metzgerei in Sterzhausen einzudringen, ehe sie in Biedenkopf gestellt wurden.

Die Frau agierte bei den Taten zumeist als Fahrerin und stand „Schmiere“. Positiv wertete das Gericht ihren Willen zur Aufklärung der Straftaten. Auch ihr Verteidiger betonte, dass die meisten Fälle gar nicht öffentlich geworden wären, wenn sich die fünffache Mutter nicht so kooperativ gezeigt hätte. „Sie hat sogar Aussagen gegenüber der Polizei getätigt, obwohl ihr juristisch davon abgeraten wurde“, sagte ihr Verteidiger.

Während der Verhandlung hatte der Lebensgefährte der Frau angegeben, bei allen Taten betrunken gewesen zu sein. So sei es auch in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai gewesen, als das Trio gegen 3.30 Uhr in Biedenkopf verhaftet wurde. Dort war die Bande in eine Gaststätte eingedrungen und hatte einen Spielautomaten und ein Sparkästchen gestohlen. „Da hatte ich vorher schon eine halbe Flasche Whiskey, eine halbe Flasche Wodka und zwei Six-Packs Bier getrunken“, sagte der Angeklagte.

Sachverständiger erkennt kein "krankhaftes Spielen"

Nach Aussage eines Polizisten, der als Zeuge vernommen wurde, machte der 50-Jährige bei seiner Festnahme jedoch nicht den Eindruck, übermäßig betrunken zu sein. Der aus Wittelsberg stammende Mann habe weder gelallt, noch den Anschein hinterlassen, nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein. „Er hat höchstens ein wenig nach Alkohol gerochen“, gab der Polizist an. Die angeordnete Blutentnahme am nächsten Morgen gegen 9.30 Uhr hatte schließlich einen Blutalkoholwert von 0,0 Promille ergeben. Ein Sachverständiger, der ebenfalls gehört wurde, rechnete den Anwesenden vor, dass der Mann zum Zeitpunkt seiner Festnahme höchstens 1,2 Promille gehabt haben könne. Von einer verminderten Schuldfähigkeit könne man auch in diesem Fall nicht sprechen. Ebenso verhalte es sich mit der Spielsucht des dritten Täters, einem 61-Jährigen aus Schrecksbach. Dieser hatte angegeben, das Geld aus den Einbrüchen für seine Sucht aufzuwenden. Der Sachverständige erkannte bei ihm zwar ein fortgeschrittenes Stadium, aber noch kein „krankhaftes Spielen“. Eine „strafrechtliche Beeinträchtigung“ sei somit nicht gegeben. Die begonnene Therapie des Mannes wertete er jedoch positiv.

Mit dem Urteil der Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Dr. Carsten Paul folgte das Landgericht Marburg den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Diese seien noch äußerst „moderat“ gewesen, sagte Paul. Das Pärchen sei erheblich vorbestraft, der Umfang der Straftaten enorm. Der nicht vorbestrafte 61-Jährige habe hingegen wenig zur Aufklärung der Straftaten beigetragen.

Richter Paul bemerkte, dass zusätzliche Strafen für das Trio zu erwarten seien. Hinweise der Angeklagten zu weiteren verübten Taten würden derzeit von den Strafverfolgungsbehörden bearbeitet. Dem Trio wurde bereits im Juli dieses Jahres vor dem Amtsgericht Schwalmstadt der Prozess gemacht. Dieses Urteil wurde in das neuerliche Urteil miteinbezogen.

von Dennis Siepmann

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