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Schwere Geburt des Geburtenwaldes

Bauausschuss Lohra Schwere Geburt des Geburtenwaldes

Baumpflanzungen sollen Familien mehr an Lohra binden, doch schon im Bauausschuss wurde um einen „begrüßenswerten Antrag“ heiß diskutiert.

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Etwas skeptisch schaut das Kind zu Stadtallendorf Bürgermeister Christian Somogyi, dabei steht es mit dem Eichen-Setzling im ­Mittelpunkt der Pflanzaktion im Stadtallendorfer Geburtenwald.

Quelle: Karin Waldhüter

Lohra. Eine so große Diskussion habe er nicht erwartet, sagte Werner Waßmuth am Dienstagabend zu den Reaktionen auf den CDU-Antrag.

Zwar begrüßten die anderen Fraktionssprecher die Idee und betonten, sie nicht zerreden zu wollen, dennoch gab es bei der mehrheitlichen Empfehlung für die Gemeindevertretung eine Gegenstimme im Bau- und Planungsausschuss.

Nach der Vorstellung der CDU soll die Gemeinde Lohra einen sogenannten Geburtenwald entstehen lassen. Bei einem Geburtenwald handelt es sich nicht um einen Forst, den Frauen zur Niederkunft aufsuchen können, sondern um einen jungen Baumbestand, den Eltern anlässlich der Geburt eines Kindes erweitern können.

Willershausen: Der Antrag hat Charme, aber!

Im Geburtenwald sollen die Eltern im Namen ihres neugeborenen Kindes einen Baum pflanzen und mit einer Plakette versehen können, sodass ­erkennbar bleibt, für wen der Baum gepflanzt wurde.

Das soll bei jungen Eltern zu einer stärkeren Verbundenheit­ mit der Gemeinde führen, ­begründete CDU-Fraktionschef­ Waßmuth den Antrag. „Wir möchten, dass sich die Menschen mit der Region und der Gemeinde verbinden. Dabei kann ein Baum, der anlässlich der Geburt gepflanzt wurde, ein wichtiger Bezugspunkt sein.“

Die Anlage des Geländes soll unter der Anleitung des Försters erfolgen. Zwar soll der Gemeindevorstand bis zum Mai des nächsten Jahres eine Fläche vorschlagen, doch nennt die CDU in ihrem Antrag auch schon den Schulwald als möglichen Standort. Dort oder woanders sollen die Bäume einmal pro Jahr zur Pflanzzeit unter fachkundlicher Anweisung gesetzt werden.

„Der Antrag hat Charme“, sagte Bernd Willershausen (BfB), es fehle jedoch die finanzielle­ Auswirkung. Die Kostenfrage sei umso wichtiger, da es sich nicht um einen Prüfantrag handelt, sondern um etwas, was ­beschlossen werden soll.

Waßmuth: Werden schon Geldgeber finden

Die meisten Lohraer Familien wohnen in Eigenheimen, ergänzte Kathrin Neuser (BfB): „Wenn, dann pflanzen die einen Baum im eigenen Garten. Ich habe niemanden gefunden, der daran Interesse hätte“, sagte Neuser zum Geburtenwald.

Willershausen fügte zudem an, dass zum Beispiel Stadtallendorf, wo es schon einen Geburtenwald gibt, eine städtische Fläche zur Verfügung stellt und sieben Sponsoren habe, andere Gemeinden für 50 Euro Gebühren unter anderem die Anzuchtpflege, woraus er folgert: „Das kostet richtig Geld.“ Man wolle­ den Antrag nicht schlecht ­reden, müsse sich aber grundsätzliche Gedanken machen.

„Und wenn es ein paar Euro kostet, in anderen Dingen sind wir auch nicht so kleinlich“, wand Waßmuth ein und sagte­ noch: „Wenn‘s die Gemeinde nicht kann, werden wir schon Geldgeber finden.“ Außerdem habe der Revierförster den Schulwald vorgeschlagen, weil dieser aufgeforstet werden müsse.

Er sei verwundert, welche Richtung ein so begrüßenswerter Antrag einschlage, ­sagte SPD-Fraktionschef Kurt Schwald. Stadtallendorf habe einen Geburtenwald, und eine ähnliche Einrichtung in Lohra werde den Haushalt nicht so belasten, dass die Gemeinde keine Genehmigung erhalte.

Somogyi: Es soll ja kein Park sein, sondern ein Wald

Eine Aufforstung dürfte nicht viel kosten, wand der parteilose Bürgermeister Georg Gaul ein und schlug eine Prüfung vor. Anschließend empfahl der Ausschuss mit acht Ja- bei einer Neinstimme der Gemeindevertretung dem Antrag zuzustimmen.

Wenn Lohra eine Struktur wie Stadtallendorf wähle, koste ein Geburtenwald der Gemeinde so gut wie nichts, erklärt Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) auf Anfrage der OP. Die Stadt benötigt einen Organisator, der zum Beispiel die Eltern anschreibt, und stellt das Gelände, das für die Aufforstung vorgesehen war, zur Verfügung. Hessen Forst liefere die Eichen-Setzlinge, die bis zu 15 Euro kosten. Dazu gebe es kleine Holztafeln, die mit einem Brenneisen zu gravieren sind.

Die Kosten der Bäume übernehmen sieben heimische Firmen, der Eigenanteil der Eltern beträgt 5 Euro. Die Eltern müssen die Bäume pflanzen, was oft unter der Beteiligung und Freude der ganzen Familie geschehe, erzählt Somogyi.

So sei es gelungen, den Wald für die Stadtallendorfer zu öffnen. An den jährlichen Pflanzungen beteiligen sich bis zu 70 Eltern. In vier Jahren sei ein ­Bestand von 280 Bäumen entstanden, den die Gemeinde nicht pflege. „Es soll ja kein Park sein, sondern ein Wald“, sagt Somogyi.

von Gianfranco Fain

 
 
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