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Schwarzfahrer muss hinter Gitter

Amtsgericht Biedenkopf Schwarzfahrer muss hinter Gitter

Für das Schwarzfahren mit der Bahn wurde ein 44-Jähriger vor dem Amtsgericht Biedenkopf zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten verurteilt.

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Ralf Klippel, Fahrausweisprüfer bei der Düsseldorfer Rheinbahn, kontrolliert 2011 in einer Straßenbahn die Fahrkarte einer Kundin.

Quelle: Roland Weihrauch

Biedenkopf. Am vergangenen Donnerstag hatte sich ein 44-Jähriger aus Afrika stammender ehemaliger Soldat (Offizier) vor dem Amtsgericht in Biedenkopf zu verantworten. Seitens der Staatsanwaltschaft Marburg, vertreten durch Laura Stiller, wurden dem Angeklagten vier Schwarzfahrten mit der Bahn vorgeworfen, die aus Fahrten von Marburg oder Gießen aus nach Frankfurt oder auch zurück resultierten. Die Schwarzfahrten erfolgten laut Anklageschrift am 29. Dezember 2011 sowie am 29. März, 12. Juli und 29. Juli dieses Jahres. Dabei handelt es sich um Fahrpreise von jeweils 13,50 und im ersteren Fall um 5,90 Euro.

Der Verteidiger des Angeklagten bestätigte die Angeklagepunkte mit den Worten: „Das ist korrekt, er war das.“ Sein Mandant besuche Landsleute in Frankfurt, sei Hartz IV-Empfänger und das Geld sei knapp.

Psychosoziale Hoffnungslosigkeit anerkannt

„Wie hilft man ihm?“, fragte der Anwalt und schlug eine eventuelle Betreuung vor. Zudem sei die Sozialprognose sehr schlecht, da der Angeklagte HIV -positiv sei und eine Beschäftigung nicht gefunden werden könne. Zumindest seien die seitherigen Vermittlungsversuche an diesem Punkt gescheitert. Soziale Kontakte pflege der 44-Jährige mit seinen Landsleuten, das sei quasi das einzige, was er von seinem Leben habe. Der Effekt einer Inhaftierung laufe ins Leere, sagte der Verteidiger.

Richter Mirko Schulte erkannte die psychosoziale Hoffnungslosigkeit des Angeklagten. Dennoch agiere dieser nicht ferngesteuert und könne sich wohl für oder gegen etwas entscheiden, ob er nun in den Zug einsteige oder es sein lasse. Eine Betreuung sei aus Sicht des Gerichts nicht erforderlich. Das Unrechtsbewusstsein sei vorhanden.

"Es wäre besser, Sie würden in Frankfurt wohnen"

„Wann soll das mit dem Schwarzfahren mal aufhören“, fragte der Richter den Angeklagten. Dieser sprach von einem Neuanfang, aber auch davon, dass er gerne arbeiten wolle und eine Tätigkeit aufgrund seiner Erkrankung nicht ausführen könne.

„Sie trinken viel Alkohol und dann ist das Geld weg. Es wäre besser, Sie würden in Frankfurt wohnen“, führte Schulte weiter aus. Worauf der Angeklagte beteuerte, dass er kein Alkoholiker sei. Aus dem Vorstrafenregister war zu entnehmen, dass der Angeklagte seit 2000 mehr als 16 Eintragungen hat.

Der Verteidiger schlug ebenfalls einen Wohnsitzwechsel für seinen Mandanten vor und wollte sich bei der Ausländerbehörde dafür einsetzen. Zudem sei eine Arbeitssuche zielführend. Auch solle sein Mandant, der kein Telefon besitze, ein Handy erhalten. Die Einsamkeit und die Hoffnungslosigkeit hätten ihn krank gemacht, sodass er unter Depressionen leide.

Staatsanwältin hält Schwarzfahrer für unbelehrbar

Die Staatsanwältin sah die vorgeworfenen Taten als erwiesen an, wonach der einschlägig vorbestrafte Mann schwarz fahre und unbelehrbar sei. Sie forderte aus den vier Anklagepunkten eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Monaten ohne Bewährung zu bilden. Der Verteidiger sah dieses Strafmaß als zu hart an, zumal sein Mandant Gefahr laufe, dadurch seine Wohnung zu verlieren und plädierte für eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Monaten.

Richter Schulte verurteilte den Angeklagten wegen des Erschleichens von Leistungen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Monaten. Dies sei ein schwieriger Fall und das Gericht erkenne sehr wohl die psychosoziale Lage des Angeklagten, dessen Perspektivlosigkeit und Isolation. Auch sei der Flüchtlingskontext ungelöst. Der Angeklagte sei sogar an einem Tag dreimal wegen Schwarzfahrens aufgefallen und habe einen Dickkopf darin bewiesen, dass er dieses Verhalten nicht eingestellt habe.

Richter Schulte will das Gesamtpaket der Urteile an die Ausländerbehörde zur Prüfung übergeben, damit eine Möglichkeit gesucht wird, einen Weg aus der Sackgasse zu finden.

von Helga Peter

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