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Schneller ans Ziel kommen

IHK-Studie zum Ausbau der B 62 Schneller ans Ziel kommen

Die IHK Lahn-Dill gab eine Verkehrsuntersuchung zur Verkehrssituation an der B 62 in Auftrag. Deren ­Ergebnisse will die IHK nutzen, um den Ausbau voranzutreiben.

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Kürzere Fahrzeiten, mehr Sicherheit und Lebensqualität: Die IHK Lahn-Dill will den Ausbau der Bundesstraße 62 vorantreiben.

Quelle: Peter Feldnick / pixelio.de

Biedenkopf. Die schlechte Anbindung des Hinterlandes an das höherrangige Straßennetz kann nach Ansicht zweier Verkehrsexperten verbessert werden, indem an der B 62 Ortsumgehungen, vorrangig die von Biedenkopf und Buchenau, gebaut werden und die Strecke, wo es möglich ist, so wie im Abschnitt von Cölbe nach Kirchhain auf drei Fahrstreifen mit sicheren Überholmöglichkeiten ausbaut wird.

So lautete die Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft der Professoren Jürgen Steinbrecher und Roland Weber ( die OP berichtete). In der Verkehrsuntersuchung, mit der sie die IHK Lahn-Dill beauftragte, werteten sie vorhandene Daten aus, erhoben selbst neue und werteten sie zu einer Prognose sowie einer Handlungsempfehlung aus.

Die Ausgangslage

Die vergleichsweise schlechte Anbindung des Hinterlands und somit auch die des gesamten Landkreises beruht auf dessen Lage in einer großen Autobahnmasche (siehe Grafik oben). Diese wird auch auf absehbare Zeit so bestehen bleiben, da ein Lückenschluss der A 4 von Kreuztal in Nordrhein-Westfalen bis zum Kirchheimer Dreieck bei Bad Hersfeld, der den Landkreis direkt an eine Ost-West-Autobahn anbinden würde, nicht einmal mehr im Bundesverkehrswegeplan enthalten ist.

Die kürzeste Verbindung von Biedenkopf aus nach Westen ist die zur A 45 bei Dillenburg, während der Anschluss ans Autobahnnetz nach Norden und Osten mit 80 Kilometern wesentlich länger ausfällt und über Bundes- und Landesstraßen führt. Einziger Lichtblick: Der Weiterbau der A 49 bis zur A5 bei Gemünden/Felda.

Der fehlenden Anbindung zum Trotz belegt der Landkreis Marburg-Biedenkopf mit seiner Wirtschaftsleistung gemessen am Bruttoinlandsprodukt je Einwohner den siebten Platz hinter Kreisen und Städten wie Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt und Kassel. Die schlechte Anbindung stellt aber für die heimische Wirtschaft einen Wettbewerbsnachteil dar.

So ist der Weg aus dem heimischen Kreis zum nächsten Autobahnanschluss 20 bis 30 Minuten lang. Das bedeutet innerhalb Hessen ein Platz unter den drei am schlechtesten angebundenen Kreisen und kreisfreien Städten, im hessenweiten Vergleich aller 430 Gemeinden bedeutet dies einen Rang unter den letzten 15 Prozent und deutschlandweit zum Beispiel für Biedenkopf und Dautphetal, dass 90 Prozent der Gemeinden eine kürzere Fahrzeit zur nächsten Autobahn vorweisen können.

B 62: Spur der Belastung

Momentan wälzt sich der Verkehr gen Osten und Norden über die Bundesstraße 62 durch vier Orte, die unter der ­entsprechenden Verkehrsbelastung leiden. Laut einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2010 fahren pro Tag 15.300  Fahrzeuge durch den Biedenkopfer Stadtteil Eckels­hausen, nach der Verzweigung mit der B 453 wurden in Buchenau noch täglich 11.600 Fahrzeuge gezählt.

Im weiteren Verlauf nehmen die Zahlen aufgrund weiterer Verzweigungen, vor allem dem Abbiegeverkehr am Knotenpunkt mit der L 3381 nach Marburg-Wehrda, ab: In Sterzhausen sind es noch 8500 Fahrzeuge pro Tag, in Goßfelden 7500. Die Anteile des Schwerverkehrs liegen bei 6 bis 8,5 Prozent, deutlich größer ist er von Goßfelden nach Göttingen mit 13 Prozent.

Die Verkehrsprognose

Entsprechend hoch ist der Anteil des Durchgangsverkehrs: von 45 Prozent in Goßfelden bis zu 80 Prozent in Eckelshausen. Zurzeit werden für Eckelshausen rund 17.500 Fahrzeug pro Tag geschätzt. Doch dabei wird es wohl nicht bleiben. Angelehnt an Daten einer Prognose für den neuen Bundesverkehrswegeplan für die Zeit bis 2030 sollen nach Berechnungen der Professoren die Verkehrsstärken auf der B 62 um etwa 12 Prozent, zwischen Goßfelden und Göttingen wohl um noch mehr zunehmen.

Die Anteile des Schwerverkehrs sollen von Eckelshausen bis Goßfelden von 8,5 auf 10,5 Prozent steigen, von Goßfelden bis Göttingen auf 16,5 Prozent. Das Stück von Biedenkopf nach Eckelshausen wird gar 20.000 Fahrzeuge am Tag auszuhalten haben.

Mit diesen von den Wissenschaftlern ermittelten Zahlen weisen sie darauf hin, dass Verbindungen zwischen Mittelzentren mit mehr als 15.000 Fahrzeugen pro Tag daraufhin zu prüfen sind, ob sie als Kraftfahrstraße zu betreiben sind.

Entlastungsmöglichkeiten

Das größte Verlagerungspotenzial des Durchgangsverkehrs ergibt sich aus den Belastungszahlen. Deshalb seien Ortsumgehungen von Eckelshausen und Buchenau zu favorisieren, für Sterzhausen und Goßfelden wird das Potenzial wesentlich geringer angesehen. Allerdings gibt es nur für Eckelshausen eine Planung des Streckenverlaufs, für die anderen drei Orte nicht.

Sollten alle vier Ortsumfahrungen gebaut werden, so brächte das für Autos einen Fahrzeitgewinn von 5 Minuten, der Schwerverkehr würde wegen des Tempolimits im geringeren Maße profitieren. Werden zudem an den Knotenpunkten Kreisel oder Ampeln installiert, fallen die Reisezeitgewinne noch geringer aus. Insgesamt würden nur die Ortsumgehungen keinen signifikanten Gewinn für die Erreichbarkeit des Hinterlandes als Gewerbestandort ergeben.

Verkehrsbeschleunigung

Die Qualität des Verkehrsablaufs hinsichtlich Schnelligkeit und Sicherheit ließe sich durch die Anlage von Überholfahrstreifen verbessern. Für einen dreispurigen Ausbau mit sicheren Überholmöglichkeiten, wie auf dem Bundesstraßenabschnitt von Cölbe nach Kirchhain, sehen die Professoren die topografischen Verhältnisse zum Beispiel wie von Buchenau nach Sterzhausen aber auch insgesamt als günstig an.

Beim Ausbau der Strecke sei darauf zu achten, dass vor Knotenpunkten und Ortseingängen Verzögerungmittel gebaut werden, damit die Verbesserung auf freier Strecke nicht zu einer höheren Unfallgefahr in den Orten führt.

Was es bringen würde

Ihre Empfehlung ist deshalb die Bündelung des Baus von Umgehungsstraßen für die Orte – mit Priorität für Eckelshausen und Buchenau – an der B 62 sowie den Ausbau der Strecke auf drei Fahrspuren mit sicheren Überholmöglichkeiten und möglichst wenig Knotenpunkten.

Das verbessere nicht nur die Qualität des Verkehrsflusses hinsichtlich Schnelligkeit und Sicherheit, es würde die Attraktivität der Region für Anwohner und Beschäftigte steigern sowie die Betriebskosten der zahlreichen Gewerbe- und Industriebetriebe senken.

Was tut die IHK?

Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill beauftragte das Präsidium auf Grundlage dieser Studie Aktivitäten zu ergreifen, mit denen die schnell realisierbaren Ortsumgehungen und der Ausbau der Strecke vorangetrieben werden sollen.

von Gianfranco Fain

 
 
Unfallzahlen
Auf dem knapp 21 Kilometer langen Abschnitt der B 62 von Biedenkopf bis Göttingen kam es laut Polizeistatistik von 2011 bis 2013 zu 288 Verkehrsunfällen, bei denen drei Menschen starben, 23 schwer- und 69 leichtverletzt wurden. Mit weiteren 231 Unfällen, mit zum Teil großen Schäden, entstand ein volkswirtschaftlicher Verlust von mehr als 7 Millionen Euro, von denen sich rund 6 Millionen durch Unfälle außerhalb der Ortschaften summierten.
 
 
 
 
Macher der Studie
Vor einem Jahr beauftragte die IHK Lahn-Dill die Professoren Roland Weber (Foto links) und Jürgen Steinbrecher mit einer Verkehrsuntersuchung zu Ausbauoptionen der B 62 zwischen Biedenkopf und dem geplanten Anschluss an die A 49. Steinbrecher lehrt an der Universität Siegen Verkehrsplanung und -technik mit Stadt- und Regionalplanung, Verkehrsplanung, insbesondere kommunale Verkehrsentwicklungsplanung und Verkehrstechnik.
Weber lehrt an der Hochschule Darmstadt im Fachbereich Bauingenieurwesen die Fächer Straßenplanung, Verkehrstechnik, Verkehrswesen, Verkehrswesen international und Grundlagen der Verkehrssicherheit. Für ihre Verkehrsstudie werteten die Professoren vorhandene Unterlagen aus, erhoben aber auch eigene Daten wie zum Beispiel Verkehrszählungen und Fahrzeitmessungen.
 
 
 
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