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Scheune braucht ein neues Dach

Regionalmuseum "Hinz Hoob" Scheune braucht ein neues Dach

"Hinz Hoob" ist heute schon eines der schönsten Museen der Region. Mithilfe von Geld aus Brüssel und Sponsoren will der Heimatverein Weidenhausen nun den zweiten Bauabschnitt angehen.

Weidenhausen. Das Erdgeschoss der Scheune des Regionalmuseums „Hinz Hoob“ in Weidenhausen wird längst für Ausstellungen genutzt. Während unten alles in Schuss ist, gibt es oben Probleme: Das Dach ist undicht, Sparren sind zum Teil stark angefault, die Statik entspricht nicht den Erfordernissen eines öffentlichen Gebäudes. Der Heimatverein als Pächter und Betreiber des Museums sowie die Stadt Gladenbach als Besitzer des Anwesens sind also im Zugzwang.

Mit dem Flicken der Löcher im Dach wäre es nicht getan, es blieben die statischen Mängel. Um herabtropfendes Regenwasser aufzufangen, stellen die Mitglieder des Heimatvereins Kübel und Eimer auf. Gleichwohl besteht die Gefahr, dass sich neue Löcher auftun, Wasser in die aufwendig isolierte Decke eindringt und dann große Schäden entstehen.

Letztlich gibt es keinen anderen Weg, als das Dach vollkommen neu aufzubauen. Das weiß der Heimatverein mindestens seit 2009, damals ging der Architekt von 80000 Euro an Kosten aus. Mittlerweile würde das neue Dach etwa 100000 Euro kosten. Für den Ausbau des Obergeschosses der Scheune käme ein mittlerer fünfstelliger Betrag hinzu.

Diese Informationen über den zweiten großen Bauabschnitt trug der langjährige Vorsitzende und frischgebackene Ehrenvorsitzende des Heimatvereins, Helmut Bernhardt, in dieser Woche Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer vor, der dem Regionalmuseum einen Besuch abstattete. Quasi als kleine Anschubfinanzierung für das Projekt brachte er 1000 Euro mit, die aus Lotto- und Troncmitteln (Abgabe der Spielbanken) stammen.

Er versprach, gerne als Türöffner zu fungieren, wenn es darum gehe, Sponsoren für das ehrgeizige Projekt zu gewinnen.

Lange Suche nachgeeigneten Räumen

Vor gut 20 Jahren begann die Suche des Heimatvereins nach geeigneten Räumen für ein Museum, in dem man die Geschichte der Landwirtschaft und Industrie der Region zeigen sowie Gegenstände aus dieser Zeit vor dem Verfall bewahren wollte.

2004 ergab sich die Möglichkeit, das Anwesen „Hinz Hob“ im alten Ortskern Weidenhausens zu erwerben, Anträge zu stellen und die politisch Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass der Verein das angestrebte Museumsprojekt schultern könnte. Die Stadt erwarb die Immobilie, der Verein zahlt nun Zins und Tilgung für die aufgewendete Summe, die als Kommunaldarlehen gewährt wurde.

Als feststand, dass das Projekt in das Förderprogramm „Leaderplus“ aufgenommen werden sollte, kam erste Freude auf.Der Zuwendungsbescheid über 122000 Euro war aber an die Klausel gebunden, dass bis zum 15. August 2008 das Museum fertig sein musste. Der Verein war zuversichtlich, wusste aber nicht, welche Schwierigkeiten auf ihn zukamen.

Da waren beispielsweise 180 Tonnen Schiefer-Boden, die in Handarbeit aus dem Gebäude entfernt werden mussten. Zahlreiche Vereinsmitglieder arbeiteten dort in ihrer Freizeit fast zwei Jahre lang ununterbrochen.

Mit 250000 Euro schlug der erste Bauabschnitt zu Buche. Die Fertigstellung des ersten Museumsteils feierte man Anfang August 2008. Den anschließenden Ausbau des Wohnhauses stemmte der Verein mit viel Eigenleistung und eigenen Mitteln. Rund 10000 Stunden an Eigenleistung wurden mittlerweile investiert.

Finanzminister Schäfergibt gute Ratschläge

Der Sanierungsdruck und die gute Aussicht, dass erneut über das Programm der Europäischen Union zur Förderung des ländlichen Raums (Leaderplus) diesmal sogar 75 Prozent der Kosten geschultert werden könnten, bewog den Verein, sich gemeinsam mit der Stadt auf die Suche nach weiteren Förderern zu begeben und eine Reihe von Gesprächen zu führen.

Bürgermeister Klaus Dieter Knierim und Helmut Bernhardt deuteten im Gespräch mit dem Finanzminister an, dass durchaus die Möglichkeit bestehe, die Investitionssumme aufzubringen.

Was noch fehlt, ist ein Kosten- und Finanzierungsplan. Der muss schnellstmöglich vorliegen, damit über den Verein „Region Lahn-Dill-Bergland“ ein entsprechender Zuschussantrag in Brüssel gestellt werden kann. Rainer Bastian vom Vorstand des Heimatvereins wies darauf hin, dass wohl in diesem Jahr mit dem Bau begonnen werden müsse. Ein weiteres Problem: Von der Stadt Gladenbach ist so gut wie nichts zu erwarten, der aktuelle Rettungsschirm-Haushalt gibt nichts her.

Aber auch diesbezüglich hatte der Finanzminister einen Rat: Die Stadt könne ja auf die Rückzahlung des Darlehens verzichten und so dem Heimatverein die Finanzierung eines neuen Kredites ermöglichen.

Nun sei auch haushalterische Kreativität gefragt, sagte Schäfer. Bürgermeister Knierim kündigte an, dass man eine Entscheidung zu dem Projekt womöglich noch vor der Sommerpause im Parlament angehe. Im Verein „Region Lahn-Dill-Bergland“ sei es schon auf der Tagesordnung.

Der Minister war voll des Lobes für den Heimatverein, der dem denkmalgeschützten Gebäude neues Leben eingehaucht habe. Hessens Vielfalt spiegele sich auf wunderbare Weise in seinen Regionen wider, die auf unterschiedlichen lokalen Traditionen beruhten. Mit dem Regionalmuseum halte der Verein einen Teil der Geschichte Hessens lebendig, sagte Schäfer.

von Hartmut Berge

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