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Scharfe Kritik an Zentren-Schließung

Bereichtschaftsdienstzentralen Scharfe Kritik an Zentren-Schließung

Die Hinterländer Bürgermeister kritisieren die Informationspolitik zum geplanten Aus der ärztlichen Bereitschaftszentralen in Gladenbach und Biedenkopf.

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Das Bild zeigt das Wartezimmer des ärztlichen Notdienstes Wehrda.Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Gladenbach. Die Bürger werfen uns vor, wie wir so etwas einfach geschehen lassen können. Dabei wussten wir von nichts“, klagen die Hinterländer Bürgermeister. Nun stellten die Rathauschefs Thomas Beck (Angelburg), Markus Schäfer (Bad Endbach), Joachim Thiemig (Biedenkopf), Werner Reitz (Breidenbach), Bernd Schmidt (Dautphetal), Klaus-Dieter Knierim (Gladenbach), Peter Pfingst (Steffenberg) sowie Georg Gaul (Lohra) klar, dass das Versäumnis bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen liegt.

Aus der OP haben die Bürgermeister von den Plänen der KV erfahren. „Mir wurde im Vorfeld kurzfristig etwas zugetragen“, erklärt Knierim, wobei dies über Umwege erfolgt sei. Für die Bürgermeister ist es „ein Unding“, dass sie von den Entscheidern weder gefragt, noch informiert worden sind. „Es betrifft die Bürgerinnen und Bürger in unseren Städten und Gemeinden - und wir stehen da wie dumme Jungen“, heißt es in der Presseerklärung

Die Bürgermeister vermögen nicht nachzuvollziehen, dass sie allesamt das letzte Glied in der Entscheidungskette sind. Als „Gesundheitsregion“ sei der Landkreis ausgerufen, die Bürgermeister und alle anderen lokal Verantwortlichen seien zur Optimierung von Standortvorteilen gehalten.

„Bei uns in Gladenbach haben die Apotheker als lokale Akteure die Zeichen der Zeit erkannt und versuchen, durch Optimierung der Öffnungszeiten am Wochenende die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Von heute auf morgen bekommt man dann von dritter Seite vorgesetzt, dass anderswo längst andere Pläne geschmiedet und diese mit den betroffenen Ärzten offensichtlich im Einvernehmen so gut wie durchgewunken sind.“

Die Argumente der KV zu den geplanten Schritten, die Bereitschaftszentrale in Wehrda zur zentralen Anlaufstelle für das gesamte Kreisgebiet zu machen und die Bereitschaften in Biedenkopf, Gladenbach und Stadtallendorf zu schließen, sind unter anderem begründet in einer angeblich ärztlichen Überversorgung im gesamten KV-Bezirk. Dieser reicht von Neustadt bis an die Kreisgrenze Lahn-Dill, und 70 Prozent der ärztlichen Versorgung befinden sich im Oberzentrum Marburg.

„Im Hinterland kann von Überversorgung keine Rede sein. Wir fühlen uns daher alle veräppelt. So kann man Strukturveränderungen nicht umsetzen, ohne den Ansatz jedweder vorherigen Information“, sagt Knierim.

Nur schwer können sie auch die weiteren Argumente von KV und Ärzteschaft nachvollziehen. Die Region soll für ansiedlungswillige Landärzte attraktiver gemacht werden, heißt es. Dabei, sagt Knierim, seien zumindest die Gladenbacher Ärzte durch Bereitschaftsdienste derzeit in keiner Weise gefordert: Mit einer Zahlung von 4000 Euro pro Jahr entledige man sich der Pflicht, Dienste übernehmen zu müssen.

Das Gegenteil sei der Fall: Durch den Wegfall der Bereitschaften in ihren Städten werden die niedergelassenen Ärzte verstärkt in Anspruch genommen. Wer am Wochenende nicht den Notruf 112 anwählt und den Arztbesuch auf den Montagmorgen schiebt, füllt dann die Arztpraxen und wirkt verstärkt budgetbelastend.

Die Vorstellung, dass Bürger in eiligen Krankheitsfällen aus allen Gebieten des Landkreises nach Wehrda fahren, haben die Verantwortlichen, noch nicht zu Ende gedacht. Ganz abgesehen von den Wartezeiten, mit denen zu rechnen sei. Wenn man bedenke, welche Einzugsgebiete die Notdienstzentralen jeweils hatten und man dann zukünftig noch eine diensthabende Apotheke finden müsste, komme auf Patienten und Angehörige einiges zu: „Das sind halbe Tagesreisen.“ Modelle, nach denen Ärzte eine Fahrbereitschaft zu den Patienten leisten, betrachten die Politiker kritisch. Diagnosen aus der Ferne - das scheint nur schwer vorstellbar.

„Wir lassen uns überraschen, was uns beim Gespräch erwartet“, sagen die Bürgermeister mit Blick auf den bevorstehenden Gesprächstermin bei der KV in Frankfurt am Mittwoch. Die maßgebliche formale Entscheidung sei noch nicht getroffen, beruhigt man seitens der KV im Vorfeld.

Im Dezember, so heißt es, solle das letzte Wort gesprochen und zu Papier gebracht werden.

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