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Sänger wollen in Würde abtreten

Jägerchor Hinterland Sänger wollen in Würde abtreten

Die Stimmen der 
heimischen Jäger 
können sich nicht von der Entwicklung abkoppeln, unter der alle Chöre leiden. Der Nachwuchs fehlt, das Alter setzt Grenzen.

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Der Jägerchor Hinterland tritt an diesem Samstag beim Hubertusgottesdienst letztmals öffentlich auf.

Quelle: Ingrid Lang

Dautphetal. Wenn die Kirche jagdlich geschmückt und die Predigten auf das Thema Jagd und Wildtiere abgestimmt ­waren, dann fand in Dautphe der Hubertusgottesdienst statt. ­
 Alle zwei Jahre fanden viele 
Besucher und Gläubige den ­
Weg zur Martinskirche, mit ­dabei war immer der Jägerchor Hinterland.

Doch diesen Sonntag, wenn der um 10.10 Uhr beginnende­ Gottesdienst ausklingt, endet auch diese Tradition. Der Jäger­chor Hinterland wird dann zum letzten Mal öffentlich aufgetreten sein. „Es geht uns genauso­ wie vielen Chören im ganzen Bundesgebiet“, erklärt der Vorsitzende Ortwin Geßner. „Wir werden nicht jünger und der Nachwuchs bleibt aus.“

Lieber freiwillig abtreten als schlechter werden

Der jüngste der 28 Sänger ist 50 Jahre alt, der älteste 84. Mindestens zehn neue, junge Aktive bräuchte der Chor, doch die sind nicht in Sicht. Im Gegenteil: „Eine Stimme bricht uns ganz weg“, berichtet Geßner und so beschlossen die Mitglieder „die Reißleine zu ziehen, bevor wir uns auf der Bühne blamieren“ obwohl noch ein bis zwei Jahre möglich wären.

Einen würdevollen Abschied wünschen sich die insgesamt 50 Mitglieder des Vereins und der könnte nicht besser gelingen als beim Hubertusgottesdienst, an dem auch die Jagdhornbläser Alsdorf, die Bläsergruppe der Jägervereinigung Hinterland sowie der MGV Weifenbach beteiligt sind.

Somit endet die Geschichte des Vereins in seinem 31. Jahr des Bestehens. In diesen Jahren waren der Hinterländer ­Jägerchor „vom Schwarzwald bis an die Ostsee zu hören“, blickt Geßner stolz zurück. Doch ein schwerer Verlust traf die Sänger im ­
vorigen Jahr, als der Gründer Helmut Ronzheimer starb.

„Plötzlich standen wir ohne­ Dirigenten da“, beschreibt Geßner die Situation, die umso schmerzlicher wurde, weil auch Ronzheimers Idealismus verloren ging. Die Sänger retteten sich mit einer Beitragserhöhung um das Vierfache aus der Situation, um einen Dirigenten zu verpflichten. Dennoch reichte es nur zu 14-tägigen Übungsstunden – zu wenig für einen ambitionierten Chor. Und vor Jahren hatten sich die Sänger schon geschworen: Bevor unser Niveau sinkt, treten wir ­lieber freiwillig ab.

von Gianfranco Fain

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