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Knierim kandidiert wieder

Rückkehrer in die Kommunalpolitik

Der ehemalige Gladen­bacher CDU-Bürgermeister will wieder aktiv in 
die Lokalpolitik eingreifen und kandidiert für die 
im März zu wählende Stadtverordnetenversammlung – auf der Liste der Freien Wähler.
Zwölf Jahre lang war der Christdemokrat Klaus-Dieter Knierim Bürgermeister von Gladenbach. 
Nun kandidiert er auf der Liste der Freien Wähler bei der Kommunalwahl im März für ein Mandat 
in der Stadtverordnetenversammlung. Foto: Benedikt Bernshausen

Zwölf Jahre lang war der Christdemokrat Klaus-Dieter Knierim Bürgermeister von Gladenbach. 
Nun kandidiert er auf der Liste der Freien Wähler bei der Kommunalwahl im März für ein Mandat 
in der Stadtverordnetenversammlung.

© Benedikt Bernshausen

Gladenbach. Die Kommunalwahl wirft ihre Schatten voraus und zumindest in Gladenbach wird es einen Paukenschlag geben. Der Wahlausschuss stellt zwar erst diesen Freitag die Gültigkeit der eingereichten Wahllisten fest, doch selbst wenn es einen formellen Fehler geben sollte, dürfte eine Personalie in der Stadt Gladenbach und vielleicht auch darüber hinaus für Aufsehen sorgen.

Nach Informationen der OP steht der ehemalige Bürgermeister der Stadt für die Kommunalwahl am 6. März auf ­einem der vorderen Plätze der Liste der Freien Wähler. Weiterer Paukenschlag: Klaus-Dieter Knierim ist seit Montag nicht mehr CDU-Mitglied. Zu beiden Punkten befragt, verweist der 62-Jährige auf eine Presseverlautbarung, die es in der nächsten Woche geben soll. Auch weitere Auskünfte will Knierim bis dahin nicht geben.

Interne E-Mail sorgte für Wirbel

Als Christdemokrat „regierte“ er von 2002 bis zum Jahr 2014 die Kirschenmarktstadt. Am 23. Januar 2014 erklärte er, nicht erneut antreten zu wollen, dabei stand seine zweite Wiederwahl wegen seiner Beliebtheit in der Bevölkerung für viele außer Frage. Doch „parteiinterne Querelen“ zermürbten den Kernstädter.

Erst sei er vom CDU-Vorbereitungsausschuss zur Bürgermeisterwahl am 25. Mai faktisch ausgeschlossen worden, dann erklärte sich nur eine Parteikollegin dazu bereit, in seinem Wahlkampfteam mitzuarbeiten. Zudem wurden ihm für den Wahlkampf nur 300 Euro aus der Parteikasse zugebilligt, berichtete Knierim damals.

Die Kontroversen mündeten in Knierims Überlegungen, nicht mehr anzutreten. Dies teilte er in einem Schreiben dem Stadtverbandsvorsitzenden und dem Kreisvorsitzenden um den 20. Januar per E-Mail mit. Ein Gespräch und die offizielle Verlautbarung sollten folgen. Doch das Schreiben gelang am 23. Januar an die Öffentlichkeit. Wer es verbreitete und Knierim somit ein Umschwenken unmöglich machte, ist unbekannt.

„Innenstadtinsel“ als Prestigeprojekt und Problem

Damals betonte Knierim, nicht mit der kompletten CDU gebrochen zu haben. Es gehe „um einige wenige“ lokale Akteure, die allerdings an maßgeblichen Stellen wirken. Rund zwei Jahre später folgt der Austritt aus der Partei. Vermutlich spielt dabei auch die derzeitige Konstellation eine Rolle.

Knierim, der den Wiederaufbau des Spaßbades Nautilust sowie die Entstehung des Kunstrasenplatzes am Sportgelände des SC Gladenbach und auch die Umwandlung des Schandflecks „Innenstadtinsel“ als „markante Stationen“ seines Wirkens bezeichnete, geriet gerade wegen der „Innenstadtinsel“ unter großen Druck.

Die Ergebnisse eines Akteneinsichtsausschusses des Parlaments, die dieses mit großer Mehrheit – darunter fast alle Stimmen der CDU-Fraktion – akzeptierte, werfen ihm vor, als einziger von der Steigerung der Kosten über die durch das Parlament zugebilligte Höhe gewusst zu haben. Die Kostensteigerungen kamen hauptsächlich zustande, weil die Höhe der Fördermittel geringer ausfiel.

Klaus Bartnik will auch wieder mitmischen

Zudem wird Knierim vorgeworfen, beim Kauf der Grundstücke Nebenabreden zum Schaden der Stadt getroffen zu haben, die den durch das Parlament festgesetzten Kaufpreis erhöhten. Deshalb lässt die Stadt im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung derzeit prüfen, ob der Ex-Bürgermeister rechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann.

Knierim konnte sich vor den Stadtverordneten nicht selbst verteidigen, da er nicht Mitglied dieses Gremiums ist. Er erklärte aber auf Anfrage der OP, dass Stadtverordnete als Vertreter der Stadt im Zweckverband Interkommunale Zusammenarbeit Hinterland sehr wohl über die Veränderungen in der Höhe der zu erwartenden Zuschüsse informiert waren und auch die im Grundbuch mit zwei ehemaligen Eigentümern festgehaltenen Dienstbarkeiten seien in den Gremien wie zum Beispiel dem Bauausschuss besprochen worden.

Knierim ist übrigens nicht der einzige Rückkehrer in die Lokalpolitik. Auch sein Vorgänger Klaus Bartnik stellt sich am 6. März zur Wahl. Der Sozialdemokrat steht als Kandidat auf der Einheitsliste des Ortsbeirates Sinkershausen.

von Gianfranco Fain

Knalleffekte programmiert

Dass sich ehemalige Bürgermeister nach dem Ende ihrer Amtszeiten in der Kommunalpolitik engagieren, kommt eher selten vor. Auch deshalb könnte es durchaus interessante Stadtverordnetenversammlungen geben, sollte Klaus-Dieter Knierim den Sprung in das am 6. März zu wählende Gremium schaffen.

Der Gladenbacher Ex-Bürgermeister stünde dann auf der anderen Seite der Macht und könnte mit dem in seiner Amtszeit angesammelten fundierten Wissen die Diskussionen des Gladenbacher Stadtparlamentes bereichern und die Entscheidungen beeinflussen.

Spannend dürfte es vor allem werden, wenn es um Entscheidungen und auch deren Folgen geht, die Knierim maßgeblich mitverantwortete. Da könnte es durchaus zu einigen „Knalleffekten“ kommen.

Lebhaft wird es sicherlich auch in Sinkershausen zugehen. Wer Klaus Bartnik noch aus seiner Amtszeit kennt weiß, dass der Ex-Bürgermeister nicht nur gern in schwarz malt, sondern auch vor keinem roten Tuch zurückschreckt.


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