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Richterin fordert für Einbruchsprozess Wetter-Gutachten

Aus dem Amtsgericht Richterin fordert für Einbruchsprozess Wetter-Gutachten

Weil sie am helllichten Tag in ein Wohnhaus in Steffenberg eingebrochen sein sollen, stehen zwei 27 und 28 Jahre alte Männer seit Donnerstag vor dem Marburger Amtsgericht, wo Außentemperatur und Kleidung der Männer eine besondere Rolle spielten.

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Ob es zum Tatzeitpunkt für langärmlige Pullis zu warm war, spielt vor Gericht eine entscheidende Rolle.

Quelle: Dieter Schütz / pixelio.de

Marburg. 25 bis 30 Grad sollen es laut Zeugenaussagen am 31. August dieses Jahres gewesen sein. „Was sind denn das für Idioten, die haben ja lange Ärmel an“, will eine Zeugin zu ihrer Tochter gesagt haben, die in der Nähe des Tatortes am Vormittag zwei Männer in Kapuzenjacken gesehen haben will. Etwa 20 Minuten später seien sie wieder zurückgekommen.

Die Angeklagten identifizieren konnte die Frau nicht, ebenso wenig wie ein pensionierter Polizist. Der sagte aus, gegen 11.30 Uhr von einer Bank in seinem Garten aus zwei Männer auf dem Nachbargrundstück gesehen zu haben. Eine der beiden dunklen Kapuzenjacken, die bei den Angeklagten gefunden worden waren, identifizierte der Zeuge anhand eines Fotos. Er sagte weiter aus, den beiden gefolgt zu sein, sich das Kennzeichen des Fluchtautos gemerkt und dann die Polizei angerufen zu haben.

Handtasche blieb angetastet

Laut Vermerk entdeckte ein Zivilbeamter kurz darauf das Fahrzeug bei Friedensdorf, der Zugriff erfolgte dann bei Brungershausen. Die Beute wurde bei den Insassen nicht gefunden. Auch nicht bei einer großangelegten Suchaktion mit Metalldetektoren am Straßenrand der Fluchtroute. Die Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen.

Die Täter haben laut eines Kriminalbeamten die Kellertür aufgehebelt und sich so Zutritt verschafft. Wie die Hausbewohnerin berichtete, seien mehrere Schubladen durchsucht worden. Im Schlafzimmer sei ausschließlich Goldschmuck gestohlen worden, vielleicht etwas Geld aus dem Nachttisch. Andere Wertgegenstände seien nicht entwendet worden, nicht einmal ihre Handtasche mit Geldbörse, die offen in der Küche stand.

Laut Rechtsanwalt Peter Thiel, Verteidiger des älteren Angeklagten, sei die Beweisaufnahme bisher in Richtung Freispruch verlaufen, zumal die Angeklagten nicht erkannt wurden. Er bemängelte, dass die Bekleidung der Männer ein so zentrales Thema ist. Seiner Rückrechnung nach sei es an diesem Tag zum Tatzeitpunkt nur etwa 17 Grad warm gewesen, der Höchstwert – für Marburg waren an dem Tag 28 Grad angekündigt – werde schließlich erst nachmittags erreicht.

Richterin Annika Woltmann will auf Thiels Anregung beim Deutschen Wetterdienst ein Gutachten in Auftrag geben. Außerdem soll zum Fortsetzungstermin am 19. Dezember noch der an der Festnahme beteiligte Zivilbeamte vernommen werden.

von Heiko Krause

 
 
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