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Richter zweifelt Arzt-Attest an

Aus dem Amtsgericht Richter zweifelt Arzt-Attest an

Der Mediziner soll während seiner Zeit im Ärztlichen Bereitschaftsdienst nicht zu Patienten gefahren sein: Eine Frau litt unter Schmerzen, zu einer anderen musste der Notarzt selbst raus.

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Vor dem Biedenkopfer Amtsgericht muss sich ein Arzt verantworten, weil er das Hilfe­ersuchen der Leitstelle ohne Angabe von Gründen zurückgewiesen haben soll.

Quelle: Michael Hoffsteter

Biedenkopf. Nach dem zweiten Aufruf endete am Dienstagvormittag die Verhandlung vor dem Biedenkopfer Amtsgericht schon, ohne dass sie richtig begonnen hatte und einer der sieben Zeugen zu hören war. Denn weder der 63-jährige Angeklagte noch dessen Rechtsanwalt hatten sich auf den Weg nach Biedenkopf gemacht.

Stattdessen lag dem Gericht seit dem späten Montagnachmittag ein Attest des ärztlichen Notfalldienstes der Stadt Langen vom Sonntag vor. Dieses bescheinigt, dass der angeklagte Arzt an einer schweren endokrinologischen Erkrankung leidet, weswegen er weder reise- noch transportfähig sei.

Sowohl der Staatsanwalt als auch das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Mirko Schulte zweifeln jedoch das Attest an. Es sei zu klären, wie dieses zustande gekommen ist, forderte Christian-Konrad Hartwig, woraufhin Schulte eine amtsärztliche Untersuchung anordnete. Zusätzlich beantragte Staatsanwalt Hartwig vorsorglich, einen Strafbefehl in Höhe von 80 Tagessätzen à 120 Euro zu erlassen.

Dem 63-Jährigen wirft die Anklage vor, als diensthabender Arzt des Bereitschaftsdienstes in Biedenkopf zweimal nicht zu Patientinnen gefahren zu sein, die Hilfe benötigten. In einem Fall handelt es sich um eine Patientin aus Bad Endbach, die Ende August 2013 wegen zunehmender Bauchschmerzen und Erbrechen telefonisch um Hilfe bat und sie „pflichtwidrig“ nicht erhielt. Im zweiten Fall geht es um ein Hilfeersuchen der Rettungsleitstelle des Landkreises in Marburg.

Frage der Zuständigkeit

Dazu kam es laut Anklage, als ein Mitarbeiter der Leitstelle den diensthabenden Arzt am Nachmittag des 22. Februar 2014 kontaktierte. Es ging um eine Patientin, die im DRK-Seniorenheim im Biedenkopfer Stadtteil Wallau ein Herz-Kreislaufversagen erlitten hatte.

Da der Notarzt rund 30 Minuten benötigen würde, bis er vor Ort sei, bat der Mitarbeiter der Leitstelle den Arzt, der in wenigen Minuten am Seniorenheim sein konnte, dorthin zu fahren, um die Reanimation einzuleiten oder zu beaufsichtigen. Dieses Hilfeersuchen habe der Arzt ohne Angabe von Gründen zurückgewiesen. Der Notarzt musste sich auf den Weg zum Seniorenheim machen und sich um die Patientin kümmern.

Der von der Kassenärztlichen Vereinigung organisierte ärztliche Bereitschaftsdienst war zu der Zeit noch in den Räumen des DRK-Krankenhauses in Biedenkopf untergebracht. Der nicht im Landkreis ansässige angeklagte Arzt verrichtete dort den Dienst auf Honorarbasis.

Ob und wann die Verhandlung vor dem Biedenkopfer Amtsgericht fortgeführt wird, stand Montag noch nicht fest. Erweist sich das vorgelegte Attest als stichhaltig, wird die Verhandlung neu angesetzt. Bringt die amtsärztliche Untersuchung ein anderes Ergebnis, greift der Strafbefehl. Akzeptiert der Angeklagte diesen, ist der Fall für ihn mit der Zahlung des Betrags in Höhe von 9600 Euro erledigt, geht er dagegen vor, folgt eine Verhandlung.

von Gianfranco Fain

 
Stichwort: Endokrinologie

Die Endokrinologie ist die „Lehre von den Hormonen“. Endokrin heißen Hormondrüsen, die ihr Produkt direkt ins Blut abgeben. Die Endokrinologie beschäftigt sich unter anderem mit Erkrankungen der Schilddrüsen und der Nebenschilddrüsen oder auch Diabetes, Kleinwuchs, Unterzuckerung sowie bösartigen Tumoren.
 

Quelle: Wikipedia

 
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