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Richter liest 300 Kurznachrichten vor

Aus dem Landgericht Richter liest 300 Kurznachrichten vor

Im Prozess gegen einen 50-jährigen Biedenkopfer, der pornografische Bilder seiner Ex-Freundin verbreitet haben soll, sind Texte aus Chats verlesen worden, in denen die Frau beschimpft und bedroht wird.

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Vor dem Landgericht in Marburg wird der Prozess um die Verbreitung von pornografischen Fotos neu aufgerollt. Ein 50-jähriger Biedenkopfer legte Berufung ein.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Fall wird vor dem Marburger Landgericht neu aufgerollt, da der Angeklagte gegen eine Verurteilung durch das Amtsgericht Biedenkopf Berufung eingelegt hat.

Das Gericht war zu der Überzeugung gekommen, dass sich der Mann der Verbreitung pornografischer Schriften und „Verletzung des höchstpersönlichen Lebens- und Geheimnisbereichs“ schuldig gemacht hat.

Laut erstinstanzlichem Urteil hat der 50-Jährige im Dezember 2011 – nach Ende der Beziehung – Fotos, die die Frau nackt oder bei sexuellen Handlungen mit ihm zeigen, auf eine fiktive Internetseite gestellt. Dann hat er die Seiten ausgedruckt und unter anderem an den Vermieter und den Arbeitgeber der Frau geschickt, 2012 verschickte­ er per Mail derartige Fotos an ­Bekannte seiner Ex-Freundin.

Der Angeklagte bestreitet die Taten, er wisse nicht, wer die einvernehmlich entstandenen Aufnahmen verbreitet habe, hatte der Biedenkopfer am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht betont. Die verlesenen Textnachrichten aus dem Jahr 2011 stammten auch nicht von ihm, sagte er am Montag.

Verlesung dauert fast eine Stunde

„Nach fünf Jahren kann ich mich natürlich nicht mehr an jede SMS erinnern, ich kenne aber meinen Sprachgebrauch. Ich benutze keine vulgären Ausdrücke.“ Auch habe er seine ­Ex-Freundin nie bedroht.

Experten hatten das Mobiltelefon des Opfers ausgewertet und die Nachrichten wieder hergestellt. Fast eine Stunde brauchte der Vorsitzende der Kammer, Richter Gernot Christ, die mehr als 300 SMS zu verlesen. Darin wurde die Frau mehrfach als Nutte, Schlampe, Flittchen und Ähnliches bezeichnet. Dann wiederum bat der Schreiber, dass sie zu ihm zurückkehrt.

Der Schreiber drohte dem neuen Freund der Frau in derbem Ton und schrieb ihr: „Morgen schicke ich dir ein paar Bilder von deinem liebsten Hobby.“ „Lösch diese dämliche Fotos und lass mich in Ruhe“, antwortete seine Ex-Freundin. Keine der Nachrichten stammten von ihm, sagte der Angeklagte.

Unter zwei Telefonnummern war jeweils sein Vorname auf dem Handy gespeichert. Ob eine davon seinerzeit seine gewesen ist, wisse er nicht, sagte der Angeklagte, in jedem Fall habe er aber nur eine Nummer gehabt.

Die Verhandlung wird am 14. Dezember fortgesetzt, dann sollen die Sachverständigen, die die Auswertung vorgenommen haben, gehört werden.

von Heiko Krause

 
 
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