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Reuter: nur geringes Rentabilitäts-Risiko

Bürgerversammlung Reuter: nur geringes Rentabilitäts-Risiko

Zu den geplanten Windparks "Hilsberg" und "Lahn-Dill-Bergland Mitte" stellten die Besucher der Bürgerversammlung am Montagabend in Bad Endbach zahlreiche kritische Fragen.

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Kritisch sah Erhard Schepp viele Entscheidungen der Mandatsträger der Gemeinde Bad Endbach und zog die Schlussfolgerung, dass Bad Endbach ein Schiff ohne Kapitän sei.Foto: Klaus Peter

Bad Endbach. Nachdem die beiden Betriebsleiter des Eigenbetriebs, Thomas Reuter (Technik) und Bernd Grebe (Finanzen), die Eckdaten des geplanten Windparks „Hilsberg“, der mit seinen fünf Windkrafträdern in 20 Jahren einen Überschuss von 9,2 Millionen Euro erwirtschaften soll vorgestellt hatten (die OP berichtete), konnten die Bürger Fragen stellen.

Rolf Bernshausen wollte wissen, wie es ermöglicht werden kann, dass der in Aussicht gestellte verbilligte Strom vom „Hilsberg“ in die Haushalte der Bad Endbacher fließt. Zudem wollte er wissen, ob das Stromnetz dafür gekauft werden soll oder ob Netzentgelte an den Betreiber zu entrichten seien.

Reuter erklärte, dass es diese beiden Möglichkeiten gebe, er dazu jedoch noch keine konkrete Aussage treffen könne. Jürgen Freigang bezeichnete die vorgelegten Zahlen insbesondere zum „Hilsberg“ etwas süffisant als „Klasse“, weil der Energieertrag auf 1900 Volllaststunden ausgelegt sei.

Aus einer Studie gehe hervor, dass die Anlagen in Hessen durchschnittlich etwa 1420 Volllaststunden im Jahr erbringen. Er schlug vor, die Berechnungen nochmals zu überprüfen, um das Risiko zu minimieren.

Sohn: Wann geht es mit dem Bau los?

„Wenn der Wind nicht ausreichend bläst, geht das Projekt in die Miesen“, sagte Freigang. Auch Reiner Herrmann bewertete die vorgelegte Kalkulation zur Rentabilität kritisch, wobei sich nach der Bundestagswahl möglicherweise der Einspeisevergütungssatz für Windenergieanlagen reduziere.

Reuter sah ebenfalls ein kleines Risiko, als er betonte, dass im Moment nicht bekannt sei, ob und wie nach der Wahl das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) reformiert werde. Bisher habe die große Politik aber so gehandelt, dass bestehende Verträge Bestandsschutz haben. Auch ging Reuter auf die Volllaststunden ein, die in Hessen deshalb so niedrig seien, weil sehr viele kleinere und ältere Windenergieanlagen sich auf das Gesamtergebnis natürlich negativ auswirkten.

Doris Stamm vertrat die Meinung, dass Windkraft auch gesundheitsschädigende Belastungen für die Bürger durch Infraschall mit sich bringe. Auch sei die Verbindung von Tourismus und Windenergieanlagen schwierig. Thermenleiter Stefan Ziegler betonte, dass auch an der Nord- und Ostsee trotz der vielen Windkraftanlagen der Tourismus hervorragend funktioniere und dies sei sicherlich auch hier der Fall.

Hans-Jürgen Sohn aus Günterod fragte: „Wann geht es los mit dem Bau. Wenn die noch nicht entschiedenen Klagen dazu führen, dass der Bau der Anlagen am Hilsberg sich weiter verzögert, sodass der Windpark erst 2015 an das Netz gehen kann, rechnet sich dieser dann noch?“ Außerdem wollte er wissen, welche Sicherheiten die Banken haben, die das 25-Millionen-Projekt finanzieren und ob dies möglicherweise die Bürger und damit die Steuerzahler seien.

Laut Grebe brächten die Anlagen am „Hilsberg“ wenn sie erst ab Februar 2015 ans Netz gehen, der Gemeinde in 20 Jahren etwa drei Millionen Euro weniger ein. Dann bleibe noch ein Überschuss von 6,2 Millionen Euro. Der Günteroder Herbert Hinder fragte, ob es Sinn macht, den Windpark „Lahn-Dill-Bergland-Mitte“ zu realisieren, wenn dieser wohl erst 2015 ans Netz gehen könne. Es seien noch keine Pachtverträge für die benötigten Privatgrundstücke bei Günterod abgeschlossen, was sich sicher nicht einfach gestaltet. Deshalb schlug er vor, das Projekt nochmals zu rechnen.

Reuter: Projekt ist auch bei weniger Ertrag rentabel

Johannes Rudolph vertrat die Meinung, dass nach der Planung davon auszugehen sei, dass dieser Windpark noch 2014 an das Netz gehe.

Der Bottenhorner Erwin Pitzer hakte nach, was passiert, wenn der Windpark „Hilsberg“ Defizite erwirtschaftet und fragte, wer dann dafür aufkommt. Grebe erinnerte an die wirtschaftlichen Gutachten und betonte, dass, wenn zwei Drittel der prognostizierten Energie erzielt werde, sich das Projekt noch im „grünen Bereich“ bewege.

Eine Bottenhorner Bürgerin interessierte, ob sich an der Planung am „Hilsberg“ noch etwas ändern könne und ob sich noch private Investoren mit eigenen Anlagen ansiedeln könnten. Reuter sagte, dass die Planung beendet sei. Vier Anlagen seien genehmigt. Die Genehmigung der fünften Anlage werde vermutlich in den nächsten Tagen folgen.

Die Stadt Gladenbach plane am Landratskreuz vier Anlagen. Die beiden älteren Windkraftanlagen in Bottenhorn, die ein privater Investor errichtete, würden abgebaut und dafür vermutlich eine neue Anlage mit einem Abstand zur Wohnbebauung von mindestens 1000 Metern installiert. Auch gebe es entsprechende Überlegungen bei den privaten Anlagen am Hülshof.

Acht Windräder entstehen rund um Günterod

Johannes Rudolph von Eon Mitte Natur erläuterte vor der Fragerunde auch den geplanten Windpark „Lahn-Dill-Bergland-Mitte“. Acht Windenergieanlagen vermutlich des Typs Nordex N 117 mit einer Nabenhöhe von 140 Metern und einem Rotordurchmesser von 117 Metern, die eine Nennleistung von je 2,4 MW erzielen, sollen möglichst im nächsten Jahr rund um Günterod installiert werden. Die Kosten bezifferte Rudolph auf 33 bis 35 Millionen Euro. Der jährliche Energieertrag wurde mit 48 bis 53 GWh beziffert, also Energie, mit der theoretisch20000 Haushalte versorgt werden können.

Der Interkommunale Windpark mit den Gemeinden Bad Endbach, Bischoffen und Siegbach sieht im Bereich des „Schönscheids“ den Bau von drei Anlagen und im Bereich „Endbacher Platte“ in Richtung Bischoffen fünf Anlagen vor. Drei dieser Windenergieanlagen stehen auf Bad Endbacher, vier auf Bischoffener und eines auf Siegbacher Gemarkung.

Die Gemeinden Bischoffen und Bad Endbach beteiligen sich mit je 20 Prozent und Siegbach sowie Eon Mitte Natur mit je 5 Prozent. Auch die Bürger sollen sich beteiligen können. Eine Genossenschaftsgründung ist in den nächsten Monaten geplant. Weiterer Bericht folgt.

von Klaus Peter

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