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Reuter: „Hilsberg war richtige Entscheidung“

Windpark Hilsberg Reuter: „Hilsberg war richtige Entscheidung“

Dank der Summe aller aus erneuerbaren Energien hergestellten Strom- und Wärmemengen darf sich Bad Endbach nun Klimaschutzgemeinde nennen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete das erste Betriebsjahr des Windparks Hilsberg.

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Als Thomas Reuter das Geschenk seines vorherigen Arbeitgebers im Büro der Gemeindeverwaltung aufhing, ahnte er nicht, welche Bedeutung Windmühlen für ihn bekommen würden.

Quelle: Gianfranco Fain

Bad Endbach. Am 31. Dezember 2014 – gerade noch rechtzeitig zum Sichern der gültigen EEG-Umlage – gingen die fünf Windkraftanlagen auf dem Hilsberg ans Netz. Das ließ damals den Verantwortlichen in Bad Endbach ein Stein vom Herzen fallen und war der entscheidende Mosaikstein dafür, dass Thomas Reuter heute sagt: „Die Entscheidung, den Windpark am Hilsberg zu bauen, war richtig.“

Rund 25 Millionen Euro investierte die Gemeinde in die fünf Windräder und ging mit dem Geld ein Risiko ein, das „so gering wie möglich zu halten war“, sagt Reuter, der damals Bauamtsleiter war und heute Technischer Betriebsleiter des „Eigenbetrieb Kur-Tourismus-Energie“ der Gemeinde Bad Endbach ist. Doch der Bau rentiere sich in mehrfacher Hinsicht: Man habe Erfahrungen gesammelt, die sich bei der Entstehung des Windparks „Lahn-Dill-Bergland-Mitte“ auszahlten und freue sich nun über die Zahlen nach dem ersten Betriebsjahr.

Die bewertet Reuter positiv, obwohl die kalkulierten Ergebnisse nicht erreicht wurden. Das liege aber daran, dass die fünf Anlagen bis zur Abnahme im April im Probebetrieb liefen. Zur Feineinstellung der „hochtechnischen Anlagen“ gab es oft Betriebsunterbrechungen, bis sie einhundertprozentig liefen.

So kamen statt der vorgesehenen 28 Millionen Kilowattstunden rund eine Million weniger zusammen, doch aufgrund der zugleich festgehaltenen Windverhältnisse ist Reuter sicher, dass die kalkulierten Zahlen bei planmäßigem Betrieb erreicht worden wären.

Etwa 350.000 Euro Gewinn pro Jahr

Der Windpark Hilsberg schloss laut Reuter das Jahr 2015 im Ergebnis mit Plus-/Minus-Null ab. Kein Wunder, erläutert Reuter, wenn eine Million Kilowattstunden weniger produziert werden, für die es jeweils etwa 10 Cent gegeben hätte, fehlen schon 100.000 Euro.

Dieses Jahr rechnen die Betreiber mit einem Überschuss von rund 400.000 Euro, allerdings für die gesamte in der Gemeinde erzeugte und vermarktete regenerative Energie, also auch der Fotovoltaik auf den öffentlichen Gebäuden und der vier Blockheizkraftwerke.

Rund 350.000 Euro werde der Anteil des Windparks Hilsberg an diesem Gewinn betragen, schätzt Reuter. Und das wird auch in den nächsten 19 Jahren – so lange gilt die erlangte EEG-Vergütung – so bleiben. Denn: Die gemessene Windgeschwindigkeit entspreche mit 6,4 Metern pro Sekunde den Erwartungen und die „Kinderkrankheiten“ seien nun auch abgestellt.

Doch was Reuter richtig freut: „Wir haben unser Ziel erreicht. Wir erzeugen selbst mehr als 100 Prozent der Energie, die alle Bürger in der ganzen Gemeinde an Strom und Wärme verbrauchen.“ Deshalb dürfe sich Bad Endbach Klimaschutzgemeinde nennen und werde demnächst auch eine entsprechende Urkunde erhalten. „Darauf sind wir riesig stolz!“

Die Gemeinde habe eine Vorreiterrolle übernommen und gezeigt, dass „eine Kommune solche Projekte stemmen kann, die bei der Haushaltskonsolidierung helfen, und zudem einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann“.
Dazu zählt Reuter auch die Ausgleichsmaßnahmen, wie den Abbau von Hochspannungsleitungen und von fünf Windrädern, davon zwei in der Gemeinde und drei im Lahn-Dill-Kreis, sowie die Entwicklung von Naturwald durch Nutzungsverzicht. Noch in diesem Jahr werde der Ausgleich mit der Umwandlung von knapp 6 Hektar intensiver Ackerfläche in extensives Grünland beendet.

Zudem seien die Auflagen der Genehmigung nahezu alle abgearbeitet. Mit der Aufforstung der Ersatzflächen wird im Frühjahr begonnen, im Herbst endet das Fledermaus-Monitoring, „was aber wohl keine Probleme aufwerfen wird“, so Reuter. Ab dem Herbst sollen dann auch die temporären Rodungsflächen innerhalb des Windparks rekultiviert werden.

von Gianfranco Fain

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