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Rettung aus höchster Not

Gasballon abgestürzt Rettung aus höchster Not

Albtraum in 40 Metern Höhe: Drei Stunden hingen zwei Franzosen am Samstag mit ihrem Ballon an einem Sendemast fest. Erst mit einem Polizeihubschrauber gelang die Rettung der beiden Männer.

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Ein Mitglied der Wiesbadener Berufsfeuerwehr lässt sich vom Hubschrauber abseilen und holt einen Ballonfahrer der durch eine Rettungsweste gesichert ist, aus dem am Funkmast hängenden Korb ab.

Quelle: Michael Hoffsteter

Wiesenbach. Weinend schließt Anne Michel ihren Vater in die Arme. Die junge Frau zittert am ganzen Leib. Drei Stunden banges Warten liegen hinter ihr. Die Französin musste voller Angst mit ansehen, wie ihr Vater Denis Michel 35 Meter über dem Boden auf Rettung wartete.

 

Drei Stunden zuvor, Samstag, 18 Uhr: Der 42-jährige Denis Michel und sein 60-jähriger Freund Michel Leblanc gleiten in ihrem Gasballon knapp über einem Feld bei Wiesenbach. Sie wollen in der Nähe des Breidenbacher Ortsteils landen. Am Abend zuvor sind sie in Stuttgart gestartet. Nach 24 Stunden, die die Männer in ihrem rot-goldenen Gasballon gefahren sind, wollen sie landen. Doch es ist windig, eine Böe erfasst das Gefährt und reißt es wieder in die Höhe. Die Männer rasen darin auf einen Mobilfunkmast zu, der Ballon kracht gegen den stillgelegten Mast. Stille: Der Korb bleibt am Mast hängen, die Hülle reißt. Aber die Seile verfangen sich und verhindern so, dass der Korb mit den beiden Männern rund 35 Meter in die Tiefe stürzt. Hilflos hängen sie fest.

Was dann folgt, ist eine im Landkreis einzigartige Rettungsaktion: Die Feuerwehren der Gemeinde Breidenbach eilen herbei – rund 60 Einsatzkräfte inklusive Rettungsdienst und Notarzt werden im äußersten Winkel des Hinterland im Einsatz sein –, rufen vom Feuerwehrstützpunkt in Biedenkopf die Drehleiter zur Hilfe. Doch auch die Biedenkopfer können den havarierten Männern nicht helfen.
Die rund 30 Meter lange Drehleiter ist um einiges zu kurz. Die beiden Franzosen sind so nicht zu erreichen. Der Notarzt stellt mithilfe einer Dolmetscherin per Ferndiagnose vom Korb der Drehleiter aus zwar fest, dass es ihnen gut geht und sie den Zusammenprall mit dem Mast unbeschadet überstanden haben, doch ihr Leben hängt an dem sprichwörtlichen seidenen Faden.

“Wir versuchen jetzt, die beiden Männer mithilfe des Polizeihubschraubers und einer Winde zu retten“, erklärt Stephan Schienbein, Sprecher der Feuerwehren des Kreises. Der Hubschrauber soll auch zwei Mitglieder der Wiesbadener Berufsfeuerwehr mitbringen. Diese sind auf Höhenrettungen spezialisiert und arbeiten in solchen Fällen immer mit der Hubschrauberbesatzung zusammen.

Heißluftballon bleibt an Funkmast bei Wiesenbach hängen. Breidenstein Wiesenbach am 08.Mai 2011

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Auf den Hügeln rund um den Sendemasten versammeln sich mittlerweile die Schaulustigen aus den umliegenden Orten und verfolgen gebannt das Szenario. “Ich hoffe, der Hubschrauber erreicht meinen Vater“, sagt Anne Michel und umarmt ihre Mutter Celine. Die beiden verfolgten den Ballon im Begleitfahrzeug und schauen nun bangen Blickes nach oben.

Doch weitere Hilfe ist schon da. Sechs Ausbilder der Feuerwehr, die an diesem Samstag im Landkreis an einem Seminar zum Thema Absturzsicherung teilgenommen haben, sind nun vor Ort. Sie klettern am Mast empor, sichern den Korb und trennen die Seile der Ballonhülle ab. Einer von ihnen klettert bis in den Korb und bleibt die ganze Zeit bei den Havarierten.

Mittlerweile geht die Sonne unter und die rot-goldenen Fetzen des Ballons flattern im starken Wind. Dann trifft endlich der Polizeihubschrauber mit den Wiesbadener Höhenrettern ein. Nach einer kurzen Lagebesprechung ist es gegen 21 Uhr so weit: Der Polizeihubschrauber nähert sich dem Sendemast. An dem Seil einer Außenwinde baumelt ein Retter. Der Krach des Hubschraubers ist ohrenbetäubend. Der Retter wird mehrmals hin- und hergeschleudert, bis er schließlich in den Korb gelangt. Dort sichert er Denis Michel mit einer Rettungsweste, umfasst den 42-Jährigen und gibt den Kollegen im Hubschrauber ein Zeichen: Noch während die Seilwinde die beiden Männer nach oben zieht, bewegt sich der Hubschrauber vom Sendemast weg. Geschafft!

von Nadine Weigel und Gianfranco Fain

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