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Reime und Zitate zieren alte Balken

Hausinschriften Reime und Zitate zieren alte Balken

Zu einem Vortrag über Hausinschriften als Quellen zur Lokal- und Mentalitätsgeschichte hatte der Heimatverein Weidenhausen eingeladen.

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Eine außergewöhnliche Inschrift findet sich auf diesem Haus in Siegbach-Eisemroth. Der ehemalige Bauherr beschuldigt „böse Menschen“, sein Haus angezündet zu haben und appelliert an die Menschen, nicht ihre Würde zu verlieren. „Im Jahr 1818 den 24. März suchten böse Menschen mir zu schaden legten Feuer an mein Haus mit eigener Hand. Dieser böse Streich ist ihnen zwar gerathen, doch vielleicht zu ihrer eigenen Schand. Himmel aufwärts loderten die Flammen – hoch empor auf dieser stillen Flur – meine Hütte brannte ganz zusammen und man sah mit Schaudern die Zimmer nur. Menschen, ach verkennt doch nicht die Würde, die der gute Schöpfer Euch verlieh. Traget stets der Tugend edle Bürde und erniedrigt Euch doch nur nicht unters Vieh.“

Quelle: Privatfoto

Weidenhausen. Im Regionalmuseum „Hinz Hoob“ erläuterte Professor Siegfried Becker den Besuchern die Ursprünge und Bedeutung der Inschriften am Putz, Balken und Sockelsteinen alter Häuser.

Der Fachmann legte in seinen Ausführungen besonderes Augenmerk auf die „Hochzeit der Hausinschriften zwischen 1600 und 1900“. In dieser Zeit wurde jedes neu errichtete Haus – auch das eines Tagelöhners – mit einer oder mehreren Inschriften versehen, erklärte Becker. Diese erhaltenen schriftlichen Zeugnisse vergangener Jahrhunderte können vor allem als Quellen der Mentalitätsgeschichte und Lokalgeschichte dienen.

Denn schließlich stammen die Sprüche, Reime und Bibelzitate nicht von „hohen Persönlichkeiten“, sondern von den Werkmeistern und den Hausbewohnern selbst. Die ersten Aufzeichnungen und Sammlungen dieser historischen Quellen begannen um 1880, als mit der wachsenden Industrialisierung und den Umstellungen in der Landwirtschaft – auch im Hinterland – alte Bauten abgerissen werden mussten, erläuterte der Professor.

In dieser Zeit wuchs aber auch das Interesse für die Inschriften, die Sprache und Regional-Kultur. Allerdings hatten die Sprachforscher unterschiedliche Herangehensweisen und nicht immer stand die Wissenschaft im Vordergrund. Während sich einzelne Sprachforscher vor allem für Inschriften in Reimform interessierten und weder den Namen des Handwerkers, Hausherren oder auch nur den Ort, an dem das Haus mit der Inschrift gestanden hatte, für die Nachwelt notierten.

Um 1900 schließlich verschwanden die Inschriften nach und nach von den damaligen Neubauten, weil die Hausbewohner durch die Verbreitung der Fotografie ihren Nachkommen auf diese Weise ein Stück von sich und ihrer Lebensweise als Erinnerung vermachen konnten, erklärte Becker.

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