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Regierung hat bei Wahl das letzte Wort

Gladenbachs Bürgermeister Regierung hat bei Wahl das letzte Wort

Mit Peter Kremer wurde Gladenbachs 17. Bürgermeister vereidigt. In Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Museumsverein Amt Blankenstein beleuchtet die OP die Geschichte der Rathauschefs.

Gladenbach. Der Ort Gladenbach stand über Jahrhunderte im Schatten des Blankenstein. Ganz besonders deutlich wurde dies hinsichtlich der Verwaltung. Erst in den 1770er-Jahren zog der Amtsmann, der die Verwaltung des Amtes Blankenstein inne hatte, vom Blankenstein nach Gladenbach in ein neu errichtetes Amtshaus.

Mit den Verwaltungsreformen des Jahres 1821 endete die staatliche Gliederung der Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtums Hessen mit der Hauptstadt Darmstadt in Ämter. Aus diesen Ämtern wurden die Landratsbezirke gebildet und mehrere Gemeinden bildeten eine Bürgermeisterei.

Gleichzeitig wurden auch erste Schritte einer Trennung von Verwaltung und Justiz umgesetzt. Zu disem Zweck wurden die Landgerichtsbezirke Gladenbach und Biedenkopf geschaffen. Ebenfalls wurden die Landratsbezirke Gladenbach und Battenberg eingerichtet.

Mit dem „Gesetz die Gemeindeordnung betreffend“ wurde in Artikel 8 festgelegt, dass jede Bürgermeisterei „wenigstens 400 bis 500 Seelen“ haben soll. Da in Ammenhausen weit weniger Menschen lebten, bildeten die Gemeinden Gladenbach und Ammenhausen eine Bürgermeisterei. Erster Bürgermeister wurde Christoph Schäfer (1822 - 25). Das Amt war damals noch keine hauptamtliche Tätigkeit, und es gab auch kein Rathaus. Der Bürgermeister war nur ein Mitglied des Gemeindevorstands, dem auch die Beigeordneten und ein Gemeinderat für jede Gemeinde in der Bürgermeisterei angehörte. Die wurden von den über 25 Jahre alten Männern gewählt. Nach Artikel 13 wurden insgesamt drei Bürgermeisterkandidaten gewählt, einen davon bestätigte die Regierung in Darmstadt. Zuvor gab es nur Schultheiße, die von Darmstadt ernannt wurden und lediglich auf die Umsetzung der von dort geforderten Politik achteten.

Der nun installierte Gemeindevorstand konnte auch selbst gestaltend tätig werden. Nachdem Schäfer aus dem Amt ausgeschieden war, wurde Johann Ludwig Mattern bis zu seinem Tod 1844 Bürgermeister. Dessen Nachfolger Carl Tautphäus wurde im Revolutionsjahr 1848 abgesetzt. In den Wirren der damaligen Zeit dauerte es bis 1849, ehe der vorherige Beigeordnete Johann Christian Reinhardt neuer Bürgermeister wurde.

Doch auch diese Amtszeit dauerte wieder nur vier Jahre, da Reinhardt 1853 im Amt verstarb. 1852 gab es auch erste Änderungen, denn nun konnte die Staatsregierung bestimmen, wie viele Beigeordnete eine Bürgermeisterei haben durfte.

Zuvor gab es nur die Festlegung, dass jeder Gemeinde einer Bürgermeisterei, in der der Bürgermeister nicht wohnt, mindestens ein Beigeordneter zusteht. Eine weitere bedeutende Änderung war, dass der Bürgermeister nun von der Staatsregierung aus den Mitgliedern der Gemeinderäte von Gladenbach und Ammenhausen ernannt wurde.

Erster nach diesem neuen Modus ernannter Bürgermeister wurde Georg Müller, der das Amt von 1853 bis zu seinem Tode 1884 inne hatte. Er blieb also auch im Amt, als das Hinterland am 4. Februar 1867 offiziell preußisch wurde. Auch unter preußischer Herrschaft blieb die bisherige Gemeindeordnung in Kraft. Die letzte Änderung, die auch noch das Hinterland betraf, gab es 1858, als der größte Grundsteuerzahler, solange sein Aufkommen mindestens 25 Prozent des gesamten Grundsteueraufkommens ausmachte, auch Mitglied des Gemeindevorstands wurde.

Wenn der Höchstveranlagte diese Quote nicht erreichte, konnte er dennoch automatisch Mitglied des Gemeindevorstands werden, wenn er mindestens 1500 Gulden beziehungsweise 875 Mark an Steuern aufbrachte. Ob es einen solchen Fall in der Bürgermeisterei Gladenbach gab, ließ sich bislang nicht feststellen.

Da es noch kein Rathaus gab, wurden die Akten bei einem Amtswechsel immer ins Haus des neuen Bürgermeisters gebracht. Auf diesem Wege ging sehr viel verloren. Immerhin gibt es eine Liste aller Bürgermeister, sie ist Grundlage für diese Serie.

von Stefan Runzheimer

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