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Rauchwaren und „rauchende Köpfe“

OP-Serie „Damals & Heute“: Kriebsches Anwesen Rauchwaren und „rauchende Köpfe“

In der Serie „Damals & Heute“ dokumentiert die Oberhessische Presse den Wandel von Straßenzügen und Gebäuden. Heute widmen wir uns dem Kriebschen Anwesen in der Bahnhofstraße.

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Diese alte Ansicht der Zigarrenfabrik zierte bis zu deren Schließung den Briefkopf des Unternehmens.

Gladenbach. Bilder erzählen Geschichten. Das gilt sowohl für Aufnahmen aus dem Familien­album als auch für solche, die bedeutende Ereignisse dokumen­tieren oder Gebäude zeigen, wie sie früher einmal aussahen. Den historischen Bildern aus den Städten und Gemeinden des Hinterlandes sowie Lohra werden aktuelle Aufnahmen gegenübergestellt. Sie sollen deutlich machen, was sich verändert hat und was nicht.

Die Zigarrenfabrik in der oberen Bahnhofsstraße zählte lange Zeit zu den prägenden Gebäuden Gladenbachs. Neben den Familien Neuweger und Becker stieg 1862 auch Johann Christian Krieb in die Zigarrenherstellung ein. Das Unternehmen hatte zunächst seinen Sitz in der „Nordsgass“, der heutigen Hoherainstraße. Weil die Nachfrage nach Rauchtabaken stetig stieg, errichtete Krieb 1878 – neben einer Zigarrenfabrik in Endbach – ein stattliches Produktionsgebäude in der oberen Bahnhofstraße.

In der neuen Fabrik wurden Qualitätszigarren und Rauchtabake hergestellt. Die weltbekannte Zigarrenfirma „Rinn und Cloos“ in Heuchelheim bei Gießen wurde später aber immer mehr zur Konkurrenz für den Gladenbacher Zigarrenfabrikanten, so dass die Produktion nach und nach zurückgefahren wurde, bis zur völligen Stilllegung des Betriebs im Jahre 1932. In das leerstehende Fabrikgebäude zog zunächst die „Höhere Privatschule“ ein. Die Freiherr-vom-Stein-Schule unterrichte dort von 1928 bis 1949.

Fabrik, Schule, Bierverlag und Näherei

Weil der Weg zu den höheren Schulen in Marburg und Gießen zu weit und die Verbindungen unzureichend waren, gründeten Gladenbacher Bürger am 10. Februar 1928 einen „Schulverein zur Einrichtung einer höheren Privatschule“. Im April 1929 begann der Schulbetrieb. Eigentlich sollte an der Schule die Mittlere Reife erlangt werden. Aber sehr schnell mauserte sich die Einrichtung zu einer Art Gymnasium.

Die Schüler wurden altersentsprechend in „Sexta, Quinta, Quarta …“ unterrichtet, heißt es in der Festschrift zum zehnjährigen Bestehen der Gesamtschule Gladenbach. Immer mehr Schüler, auch aus den umliegenden Dörfern, besuchten die höhere Schule. Der Platz reichte nicht mehr aus, die Schule zog um. In die ehemalige Fabrik zog ein Bierverlag ein, eine Näherei richtete sich einige Räume für die Produktion von Textilien ein.

Lange diente sie auch als Lagerhaus, bevor das Produktionsgebäude nach und nach zu einem Wohnhaus umfunktioniert wurde. Das über die Grenzen hinaus bekannte „Kriebs Kathrienche“ führte neben einem kleinen Tabakgeschäft bis 1984 eine Tankstelle. Das für viele Gladenbacher kulturhistorisch bedeutsame Gebäude fiel am Morgen des 17. Januar 1992 einem Großbrand zum Opfer.

von Hartmut Berge

Das Kriebsche Grundstück samt Wohnhaus befindet sich inzwischen in Besitz der Gesellschaft HBH Telemedia aus Wetter. Foto: Hartmut Berge
 
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