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Ralph Motzer kämpft sich zurück

Nach Unfall Ralph Motzer kämpft sich zurück

Ralph Motzers Leben hat sich durch einen Unfall schlagartig geändert. Seinen Tatendrang und Optimismus hat er beibehalten, ebenso seine Ideen, Bad Endbachs kulturelles Leben zu bereichern.

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Seinen Tatendrang und Optimismus hat Ralph Motzers nach einem schweren Unfall beibehalten. Mit seiner Lebensgefährtin Yurda Dikci hat er gemeinsame Vorstellungen von einer Bereicherung des kulturellen Lebens in Bad Endbach. Foto: Björn-Uwe Klein

Bad Endbach. Schon als Zwölfjähriger wollte er Rocksänger werden. Doch dieser Wunsch erfüllte sich nicht. Bis heute hat Ralph Motzer in keiner Band gesungen.

„Es ist nie dazu gekommen, dass mir jemand gesagt hat, nimm das Mikro und mach’s“, sagt der 51-Jährige heute. Eine Möglichkeit, seine Liebe zur Musik offensiv auszuleben, fand er dennoch: Als Organisator von Konzerten. Diese Leidenschaft machte Ralph Motzer zum Beruf - unter anderem als Pächter des Oxygen-Clubs in Bad Endbach.

Motzer weiß, was er der Musik zu verdanken hat: Unvergessliche Momente, enge Freundschaften und das Vertrauen auf eine heilende Wirkung. Letzteres wurde ihm im September 2011 einmal mehr klar, als sich sein Leben durch einen Verkehrsunfall von einem Moment auf den anderen grundlegend änderte.

Ralph Motzer arbeitete zu diesem Zeitpunkt auch als selbstständiger Spediteur und war oft mit dem Lkw unterwegs. Der Unfall ereignete sich in der Wetzlarer Innenstadt. Ein anderes Fahrzeug fuhr auf. Motzer wurde auf den Asphalt geschleudert und erlitt schwere Kopfverletzungen. Zwei Tage rang er mit dem Tod, drei Wochen lag auf der Intensivstation im Koma.

Die Folgen machen ihm noch immer zu schaffen. Er ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen. Zurzeit vermag noch kein Arzt zu sagen, wie sich sein Zustand entwickelt.

Leben des Bad Endbachershing am seidenen Faden

„Es kann sein, dass ich den Rest meines Lebens im Rollstuhl verbringe, es kann aber auch sein, dass ich irgendwann wieder in der Lage bin, ein ganz normales Leben zu führen”, verdeutlicht Ralph Motzer seine derzeitige Situation. Dass er noch lebt, sei alles andere als selbstverständlich. Zunächst hätten seine Überlebenschancen eins zu zwanzig gestanden. „Ich versuche, mit einer positiven Tageseinstellung und viel Lust eine Basis zu schaffen, es vielleicht wieder hinzubekommen.”

In den Wochen und Monaten nach seinem Unfall habe er die Verbundenheit vieler Menschen erfahren. Seine Familie habe dabei eine große Rolle gespielt, aber auch einige Musiker - beispielsweise Gunter Gabriel. „Er hat mir von seinem Hausboot in Hamburg Genesungsgrüße geschickt.“ Auch Nick van Eede, Sänger der englisch-kanadischen Rockband „Cutting Crew“, habe ihn aus Brighton in England kontaktiert und sich erkundigt, wie es ihm gehe.

„Das sind die schönen Dinge des Lebens, die mir wegen dem passieren, was ich tue“, betont Motzer. Und selbstverständlich habe auch die Musik selbst ihren Teil zu seiner bisherigen Genesung beigetragen. Dass Musik eine heilende Wirkung habe, sei ihm allerdings schon vor dem Unfall klar gewesen.

„Musik verbindet“, ist sich Motzer sicher. Musik weiterzugeben, ist sein Ziel. Eines, das nicht immer leicht sei - auch nicht in Bad Endbach.

Im Jahr 2000 kam Ralph Motzer gemeinsam mit seiner jetzigen Lebensgefährtin Yurda Dikci - beide standen damals in einer beruflichen Beziehung - in die Hinterland-Gemeinde.

Mit Paddy Schmidtbegann die Konzertreihe

Motzer übernahm als Pächter die Gaststätte des Bad Endbacher Kur- und Bürgerhauses sowie die des Kultur, Sport- und Freizeitzentrums (KSF). Aus letzterem wurde im Jahr 2004 der „Oxygen-Live-Club“. Gern erinnert sich Motzer an einen September-Abend des Jahres 2004, als Paddy Schmidt, Kopf der Folk-Rock-Band „Paddy Goes To Holyhead“, verkündete: „Ob du willst oder nicht, wir entjungfern das Objekt jetzt.“

Anschließend ließ es Paddy Schmidt krachen: „Er spielte auf den Fliesen, die Bühne gab es damals noch nicht.“ Damit sei das „Oxygen“ zu dem geworden, was es heute ist.

Durch die Folgen seines Unfalls ist Ralph Motzer zurzeit nicht in der Lage, Konzerte auf die Beine zu stellen. „So lange ich im Rollstuhl sitze, wird es hier keine Live-Events geben.“

Zwar sollen laut Motzer im regelmäßigen Abstand von etwa drei Monaten wieder Veranstaltungen im KSF stattfinden, diese selbst zu organisieren, schaffe er allerdings - noch - nicht. Diesen Part übernehme deshalb Yurda Dikci - so wie bereits bei der Zumba-Fitness Dance Party im Oktober, die ein Erfolg gewesen sei und am 2. Februar 2013 in die zweite Runde geht.

Motzer hofft, als Veranstalter irgendwann wieder selbst aktiv werden zu können.

An Tatendrang fehlt es ihm jedenfalls nicht. Welche Angebote es zukünftig im KSF gibt, sei allerdings nicht allein von seinem Gesundheitszustand abhängig, sondern auch von der Unterstützung durch die Gemeinde. Und die habe bislang immer wieder zu wünschen übrig gelassen.

Die Halle verwaise Stück für Stück, bedauern Motzer und Dikci. Sie mit Leben zu füllen, sei nicht leicht. Bauliche Änderungen seien erforderlich. Andernfalls gerate man schnell an die Grenzen des Machbaren.

„Wir reden hier von kleineren Änderungen, mit dem Ziel, das Vorhandene zu nutzen“, sagt Yurda Dikci. Mit einem kleinen Umbau - nicht für Millionen, sondern „wenige 100 000 Euro“ - könne viel bewirkt werden, ist sich das Paar sich.

„In Verbindung mit der Gemeinde könnte man ein Paket schnüren“, sagt Ralph Motzer. Er sieht in einem Umbau der Halle eine große Chance für die Gemeinde, kulturelle Angebote noch stärker als bislang zu etablieren, „nicht nur Rockkonzerte“, betont er. Yurda Dikci ergänzt, dass es in ihren Vorstellungen keineswegs darum gehe, den sportlichen Aspekt bei der Hallennutzung auszuklammern. Vielmehr gehe es darum, die Halle noch vielfältiger für kulturelle Zwecke nutzbar zu machen, so die 37-Jährige. Dies könne nur im Interesse der Gemeinde sein. Motzer: „Kultur hat noch keinem geschadet und lässt sich mit Kur verbinden.“

Kur und Kulturlassen sich verknüpfen

Bad Endbach habe ein enormes Potenzial, allein aufgrund seiner räumlichen Lage im Dreieck zwischen Siegen, Gießen und Marburg. Dass es möglich sei, viele Menschen durch kulturelle Angebote nach Bad Endbach zu holen, habe man bereits in der Vergangenheit erlebt. Etwa beim Konzert des Gitarristen „Axel Rudi Pell“, der rund 1000 Besucher anzog. Auch die Auftritte von „The Sweet“ aus England, „Maggie Reilly“ aus der Mike-Oldfield-Band und „Rick Vito“ von der Fleetwood-Mac-Band seien ausverkaufte „Topacts“ in Bad Endbach gewesen.

„Ich kann mir gut vorstellen, hier zu bleiben”, bekräftigt Ralph Motzer. Dass seine Ideen vor Ort immer wieder mit Skepsis aufgenommen oder auf harte Kritik gestoßen seien, hat seinen Glauben an Bad Endbach nicht zerstört: „Man kann Bad Endbach zu einem musikalischen und kulturellen Pilgerort machen.“

Seine Philosophie sei es, „Kur und Kultur mit den Besonderheiten des Ortes zu verknüpfen”.

Er habe die Vision, „gemeinsam mit der Gemeinde Bad Endbach ein Sport- und Kulturzentrum zu formen, das die Lücke schließt zwischen diversen Live-Clubs in der Region und der Rittal-Arena/Wetzlar.“ Und er unterstreicht, dass dabei niemand sein Potenzial verliere.

Veranstaltungsortsollte ausgebaut werden

Vielmehr entstehe auf diese Weise etwas „dazwischen“, zwischen Rittal-Arena und diversen Live-Clubs. Etwas „einzigartig Neues“ zudem - „indem man das vorhandene Objekt ausbaut und führt. Sport- und Kulturveranstaltungen unter einem Dach, unter einer zentralen Regie, mit der Gemeinde Hand in Hand. Gemeinsam ist man stark.“

von Björn-Uwe Klein

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