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Quo-Familie feiert ausgelassen

Konzert in Dautphe Quo-Familie feiert ausgelassen

Für fast vier Stunden spielten „The Meadowbrooks“ aus Biedenkopf auf dem Dautpher Rathausplatz - gar mit prominenter Unterstützung. Ihr Auftritt war weit mehr als ein Ersatzkonzert.

Die Band "Meadowbrooks" sprang für Status Quo ein, die das Konzert in Dautphe absagen mussten.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Dautphe . Erst weit nach Mitternacht neigt sich das Konzert auf dem Rathausplatz dem Ende entgegen. Sänger - besser: Entertainer - Darko Ceh schaut auf die Uhr und lacht: „Was? So spät? Eigentlich wollten wir doch nur bis elf Uhr spielen!“ Er schüttelt den Kopf, nimmt das Mikrofon wieder in die Hand und legt mit seinen „Meadowbrooks“ noch ein Lied nach.

Die Musikfans, die sich schon am frühen Abend auf dem kleinen Areal vor dem Dautpher Rathaus versammelt haben, feiern ausgelassen. Die Besucher kommen aus allen Teilen des Hinterlands und manche sogar aus England, Belgien und den Niederlanden.

Letztere waren wegen des geplanten Konzertes von Status Quo nach Dautphe gereist. Doch selbst als die Band ihren Auftritt absagen musste (wir berichteten), packten die treusten Mitglieder der „Quo-Family“ ihre Koffer und kamen nach Deutschland zu Martina Gerlach, der Initiatorin des Musik-Festivals „Rockin´ Hinterland“.

Sie steht für einen Moment still und mit feuchten Augen im hellen Vollmondlicht neben der Bühne, beobachtet Band und Fans. „Ich bin begeistert! Mit einem solchen Zuspruch habe ich am Samstag nicht gerechnet. Das ist ein geiler Abend“, schwärmt die überglückliche Wirtin des Chilis. Zuerst war Martina Gerlach nach der Absage von Status Quo niedergeschlagen. Jetzt lächelt sie: „Es tut nicht mehr weh!“

Ersatzprogramm statt Trauer

Rückblick: Es ist Samstag, der zweite August. In acht Tagen soll das Musikfestival im Dautpher Centrum stattfinden. Doch plötzlich erreicht Martina Gerlach die Nachricht, dass Status Quo nicht kommen wird. Weil Quo-Gitarrist Rick Parfitt im Krankenhaus liegt, werden die drei in Deutschland geplanten Konzerte abgesagt. Die Wirtin trauert nicht lang, beginnt sofort, ein Ersatzprogramm auf die Beine zu stellen. Sie steigt ins Auto und fährt tief in die Wittgensteiner Wälder, nach Beddelhausen.

Dort spielen an jenem Tag die „Meadowbrooks“ aus Biedenkopf. Und noch während des Auftritts bittet Martina Gerlach ihre heimische Lieblingsband am Vorabend des ursprünglichen Festival-Termins ein Ersatzkonzert zu spielen. Eine Woche später steht die Hinterländer Rockband tatsächlich auf der Bühne vor dem Rathaus.

„Das ist Ehrensache! Darüber mussten wir nicht nachdenken: Martina brauchte unsere Hilfe, also ab ins Chilis“, betont Schlagzeuger Frank Kolbe. Neben ihm und Sänger Darko stehen außerdem Steffen Weidmann (Lead-Gitarre), Jan-Philipp Mankel (Bass) und Aushilfs-Gitarrist Johannes „Jojo“ Tunyogi-Csabo, der den fehlenden Thorsten Klopfstein ersetzt, auf der Bühne. Mit viel Leidenschaft zelebrieren die Männer Rockmusik, spielen die größten Songs legendärer Formationen, von AC/DC bis ZZ Top. Währenddessen läuft Martina Gerlach, gewohnt in roter Schürze und schwarzem Quo-Shirt, zwischen den Tischen und Bänken umher, begrüßt und herzt alle Besucher.

Über einen Gast freut sie sich besonders, ihren Cousin Alan Crook aus England. Crook ist selbst Musiker, langjähriger Quo-Fan und gar Autor des Songs „Any way you like it“ vom vorletzten Album der britischen Rocker. In Dautphe ist Alan Crook nicht zur Zuschauer - für drei Lieder nimmt er das Mikrofon selbst in die Hand. Danach wendet er sich an seine Cousine, die so viel Herzblut und Zeit in die Vorbereitungen des Quo-Konzertes investiert hatte, und sagt in bestem Deutsch: „Martina! Vielen, vielen Dank für alles!“ Diesen emotionalen Augenblick krönen schließlich die Meadowbrooks mit einem „Special-Song“ für die Initiatorin, der Quo-Hymne „Rocking all over the World“. Für fast vier Stunden brennt das Rock-Feuerwerk vor dem Rathaus. Die Gastgeberin ist überwältigt. Und dabei steht das eigentliche Ersatzkonzert mit der Belgian-Quo-Band doch erst am nächsten Tag auf dem Programm.

von Benedikt Bernshausen

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