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Prügel im Schockzustand

Angeklagter muss zahlen Prügel im Schockzustand

Ein 24-Jähriger schlug einen Verletzten und leistete Widerstand gegen die Polizei. Dafür verurteilte das Amtsgericht ihn zu einer Geldstrafe von 1 750 Euro und 200 Euro Schmerzensgeld.

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Quelle: Marcus Fuehrer

Biedenkopf. Am 4. August 2012 prügelten zwei Brüder vor einem Wallauer Casino aufeinander ein. Dabei verletzte der jüngere den älteren mit einer Wasserwaage. Während Richter Mirko Schulte das Urteil gegen den Jüngeren schon gesprochen hat (die OP berichtete), saß diesmal der Schwager des Verurteilten auf der Anklagebank.
Denn während der Prügelei hatte die Ehefrau des jüngeren Bruders verzweifelt ihren Bruder und Vater zum Tatort gerufen. Als beide eintrafen, war die Prügelei beendet: der Jüngere war geflohen und der Ältere saß blutend auf dem Gehsteig.

Polizist wird verletzt

Staatsanwalt Jürgen Noll unterstellte dem 24-jährigen Angeklagten, das Opfer seines Schwagers auch getreten und geschlagen zu haben – und das während sich ein Polizist am Verletzten befand. Weil dieser eingriff, sei auch er verletzt worden.
Der 24-Jährige gestand das blutende Opfer einmal in den Hintern getreten und zweimal gegen den Kopf geschlagen zu haben. „Aber nicht ohne Grund!“, betonte er. Er habe mit seinem Vater neben dem Verletzten gehockt und sich nach seinem Befinden erkundigt. Der Verwundete forderte und erhielt  eine Zigarette. Dann soll der 37-Jährige aber begonnen haben, seinen Vater und seine Schwester übel zu beleidigen, erklärte der Angeklagte. Ausgerastet sei er allerdings erst, als der Verwundete versuchte habe, nach dem Vater zu schlagen.
„Ich hatte einen Kurzschluss“, resümierte der Angeklagte und bezeichnete seine Tat als „Fehler“. Das Opfer erinnerte sich kaum: ob er Verwandte seines zweiten Angreifers beleidigt habe und dessen Vater sogar schlagen wollte? „Ich war noch im Schockzustand“, berichtete er.

Angeklagter bestreitet aktiven Widerstand

Der Polizist schilderte einen anderen Verlauf. Danach näherte sich der Angeklagte dem Verwundeten allein und schlug sofort zu. Als er den Angreifer stoppen wollte, habe der auch auf seine Brust eingeschlagen, erzählte der Polizist. Beim Versuch den 24-Jährigen in Bauchlage zu fixieren, trat dieser dem Polizisten gegen die Hand, die zwei Wochen schmerzte und für vier Wochen anschwoll. Der Angeklagte entschuldigte sich zwar für die Verletzungen, bestritt aber den aktiven Widerstand.
Staatsanwalt Noll sah eine Körperverletzung als erwiesen an. Außerdem habe der Angeklagte Widerstand gegen einen Polizisten geleistet und diesen verletzt. „Das ist ausgesprochen tadelnswert“, so Noll, der eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 35 Euro forderte. Richter Schulte folgte dem Antrag und sprach dem Polizisten 200 Euro Schmerzensgeld zu. Der Richter vermutet einen Familienstreit, der auf das Opfer gründe. „Doch der wesentliche Anlass ist im Trüben geblieben!“

von Benedikt Bernshausen

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