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Prozess hinter verschlossenen Türen

Pornobilder Prozess hinter verschlossenen Türen

Was der Ex-Freund einer 20-Jährigen öffentlich gemacht haben soll, wird nun hinter verschlossenen Gerichtstüren bewertet.

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Am Biedenkopfer Amtsgericht wird einem 40-Jährigen vorgeworfen, Sexfotos seiner ehemaligen Freundin ins Internet gestellt zu haben.Archivfoto

Biedenkopf. Nicht öffentlich war gestern morgen die Verhandlung im Biedenkopfer Amtsgericht. Die einzige Ausnahme bildet an diesem Tag die Anklage. Sie macht schnell deutlich, wieso Richter Mirko Schulte die Öffentlichkeit ausschließt. Auf übelste Weise soll der Angeklagte Nacktbilder seiner früheren Freundin in Umlauf gebracht haben.

Ende 40 ist der Mann aus dem Hinterland, seine ehemalige Freundin, derzeit in psychotherapeutischer Behandlung, ist rund 20 Jahre jünger. Im Dezember 2011 kommt es zur ersten Tat. Der Angeklagte soll ein Dokument angefertigt haben, das wie eine Internetseite aussieht. Unter vier Buttons mit den Aufschriften „Galerie“, „Über mich“, „Preisliste“ und „Kontakt“ ist ein Bild der jungen Frau zu sehen, das sie in Reizwäsche zeigt.

Darunter steht ein Text, den Staatsanwalt Christian Laubach ausführlich zitiert und der keinen Zweifel daran lässt, wie dieser angebliche Internetauftritt verstanden werden soll. „Ich bin auf der Suche nach Sex“, ist auf dem Dokument zu lesen, „überall, wo es gerade passt“. Ob mit Mann oder Frau, sei egal, heißt es weiter. Denn: „Ich brauche und liebe die Abwechslung.“

Auf den Text folgen 64 Bilder der jungen Frau, die sie meist in Reizwäsche zeigen, mitunter auch beim Geschlechtsverkehr mit dem Angeklagten. Dieses Dokument ging Mitte Dezember sowohl an den Vermieter der Wohnung der Frau als auch an das Personalbüro ihres Arbeitgebers. Das ist aber nicht der einzige Punkt der Anklage. Darüber hinaus soll der Angeklagte Mitte 2012 unter dem Namen der jungen Frau ein E-Mail-Konto angelegt haben.

Unbefugte Veröffentlichung und Körperverletzung?

Von dort aus soll er einigen Freunden und Bekannten seiner ehemaligen Freundin eine pdf-Datei geschickt haben. Darin zu sehen sind 93 Fotos, darunter ebenfalls Bilder, die den Angeklagten beim Sexualverkehr mit der Frau zeigen, 22 an der Zahl. Juristisch gesehen geht es laut Staatsanwalt Christian Laubach darum, dass hier jemand Bildaufnahmen eines Menschen unbefugt anderen zugänglich gemacht hat. Darüber hinaus neben Beleidigung auch darum, jemandem pornografische Schriften geschickt zu haben, ohne dazu aufgefordert worden zu sein.

Amtsgerichtsdirektor Mirko Schulte erläutert zu Beginn, dass als mögliche rechtliche Bewertung auch Körperverletzung im Raum steht. Befinden soll das Gericht außerdem über eine Schmerzensgeldforderung in Höhe von 5000 Euro.

Die Verteidigung, vertreten durch Rechtsanwalt Thomas Nonas, strebt einen Freispruch an. Nach mehreren Stunden, in denen der Angeklagte, die Frau sowie andere Zeugen gehört wurden, wurde die Verhandlung vertagt. Die Verteidigung möchte laut Amtsgerichtsdirektor Mirko Schulte weitere Entlastungszeugen hören.

Fortgesetzt wird die weiterhin nicht öffentliche Verhandlung am 8. Oktober.

von Hartmut Bünger

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