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Prädikate stehen auf der Kippe

„Kneippheilbad“ und „Luftkurort“ Prädikate stehen auf der Kippe

Nächste Woche Donnerstag beraten Gladenbachs Stadtverordnete zum
 wiederholten Male
 darüber, ob die Stadt die Prädikate „Kneippheilbad“ und „Luftkurort“ weiterhin führen will.

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Kneipp-Kuren umfassen viel mehr als nur die Wassertherapie – Armbäder sind trotzdem ein wichtiger Bestandteil: Sie erfrischen und stärken die Abwehrkräfte.

Quelle: Kneipp-Bund / dpa

Gladenbach. Zunächst stellt sich den Stadtverordneten die Frage, ob die Stadt es sich leisten möchte, 20  540 Euro für die Überprüfung der Prädikate 
auszugeben. Das sind die ermittelten Kosten für ein Klima- und ein Luftqualitätsgutachten.


Hinzu kommt eine Beurteilung darüber, ob in Gladenbach Kneippkuren angeboten werden können. Dass in Gladenbach eine entsprechende Infrastruktur im Laufe der Jahre an Bedeutung verloren hat, darüber waren sich die Stadtverordneten in der vergangenen Sitzung einig.

Noch zählt Gladenbach zwar zu den 31 Heilbädern und Kurorten in Hessen, die unter der Regie des Hessischen Heilbäderverbands geführt werden. Laut deren Definition entsprechen die Prädikate „Heilbad“ und „Kurort“ einer „wissenschaftlich fundierten medizinischen Kompetenz in Verbindung mit natürlichen Heilmitteln. Als regionale Versorgungszentren mit ausgezeichneter Infrastruktur sollen sie die Grundversorgung an Gesundheitsangeboten positiv beeinflussen“.

Wenzel: „Ein unhaltbarer Zustand“

Doch genau an diesen Anforderungen mangelt es in der Hinterlandkommune seit Jahren. Letztmalig ließ Gladenbach die Prädikate „Kneippheilbad“ und „Luftkurort“ 1991 überprüfen. Seit 25 Jahren laviert sich die Stadt so durch, ohne nachzuweisen, dass sie die Anforderungen überhaupt erfüllt.

„Ein unhaltbarer Zustand“, schrieb Horst Wenzel vom Hessischen Fachausschuss für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen beim Regierungspräsidium Kassel als Antwort auf die Anfrage zur Gewährung eines weiteren Aufschubs. Unhaltbar gegenüber den Kommunen, die sich regelmäßig einer Überprüfung unterziehen. Sollten die Stadtverordneten die Entscheidung erneut hinausschieben, dann ist es mehr als wahrscheinlich, dass der Kommune die Prädikate im nächsten Jahr aberkannt werden.

Der Magistrat der Stadt Gladenbach verweist ohnehin in seiner Vorlage darauf, dass die Stadt unter dem Schutzschirm des Landes Hessen steht. Alle freiwilligen Leistungen müssen eigentlich auf ein Minimum reduziert werden.

Auch sind die damals noch vorhandenen Kurhäuser längst geschlossen. „In der Stadt Gladenbach ist seit langem ein Kurgastaufkommen faktisch nicht mehr zu verzeichnen und der Kurbetrieb ist seit geraumer Zeit eingestellt“, heißt es in der Vorlage.

Jakowetz: „Bemühungen sind im Fluss“

Trotzdem fällt es den Stadtverordneten ganz offensichtlich schwer, einen klaren Schnitt zu machen. Dazu tragen auch die Bemühungen des Kneippvereins bei, einen Interessenten für ein Rehazentrum zu finden.

Denkbar wäre, dass ein Betreiber ein Gebäude, das nicht von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) errichtet wird, sondern von einem Privat-Investor, mietet. „Die 
Bemühungen sind im Fluss“, bestätigte Walter Jakowetz, der aber noch keine weiterführenden Aussagen treffen konnte.

Selbst wenn dieses Vorhaben kurzfristig umgesetzt werden 
kann, muss sich Gladenbach gläsern machen, was die 
Infrastruktur betrifft: Unterkünfte, Gaststätten, Ferienwohnungen, Kurbetriebe,
Diätverpflegung, gesundheitsfördernde Angebote, Ärzte, 
Apotheken, Kurpark, Sportan­gebote, Veranstaltungen.

Hinter einige dieser Anforderungen kann Gladenbach getrost einen Haken machen, andere wiederum fehlen in der Hinterlandkommune. In der Summe gilt es also zu betrachten, ob Gladenbach noch die Anforderungen an die Prädikate „Kneippheilbad“ und „Luftkurort“ erfüllt oder ob zumindest Potenzial vorhanden ist.

  • Am Donnerstag, 13. Oktober, tagt ab 19 Uhr das Parlament im Haus des Gastes. Die Abstimmung über die Überprüfung der Prädikate „Kneippheilbad“ und „Luftkurort“ steht auf der Tagesordnung.

von Silke Pfeifer-Sternke

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