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Polizeikontrolle, Lastwagen raus!

100. Fernfahrerstammtisch Polizeikontrolle, Lastwagen raus!

Anlässlich des 100. Fernfahrerstammtisches Hessen war auch die Polizei in Mittelhessen aktiv. Auch im Hinterland wurden Lenk- und Ruhezeiten sowie Sicherung der Ladung überprüft.

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Die Polizisten messen auch schon Mal die Länge des Lastzuges nach.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Oberdieten. Für Hauptkommissar Martin Frank und seine Kollegen der Verkehrsdienste Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill ist es ein ganz normaler Arbeitstag: Sie kontrollieren an diesem Dienstag, dem landesweiten „Aktionstag Fernverkehr“, Lastkraftwagen und Transporter samt Fahrern.

Mit ihren Fahrzeugen stellen sich die Polizisten an einem Rastplatz der Bundesstraße 253 nahe des Breidenbacher Ortsteils Oberdieten auf. Oberkommissar Thorsten Frey winkt das erste Fahrzeug aus dem fließenden Verkehr heraus. Freys Kollege Martin Frank übernimmt den großen Lastwagen aus dem Sauerland: „Führerschein und Fahrzeugschein, bitte.“ Das Hauptaugenmerk liegt aber auf der Kontrolle der Ladungssicherung und der Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten.

Der Fahrer öffnet die Plane seines Aufliegers und Martin Frank prüft die Ladung: Holzbalken auf dem Weg in den Westerwald. „Und alle hervorragend gesichert“, lobt der Polizist. Die Männer kehren zur Fahrerkabine zurück. Aus dem Gerät, das elektronisch die Fahrzeiten des Fahrers erfasst, lädt der Polizist die Informationen auf einen Datenträger herunter. Das dauert einige Minuten und so kommen die Männer ins Gespräch.

Nur noch einen Monat müsse er arbeiten, erzählt der Fahrer, dann trete er mit dem Beginn des Ruhestands eine lange Reise in seine alte Heimat Sibirien an. „Schulfreunde besuchen. Viele habe ich seit 20 Jahren nicht gesehen“, erzählt er. In diesem Augenblick entdeckt der Hauptkommissar eine Leiter, die lose auf dem hinteren Teil der Zugmaschine herumliegt. Frank blickt kritisch - der Fahrer schmunzelt verlegen, nimmt die Leiter und verstaut sie sicher hinten im Auflieger.

Derweil erklärt der Polizist, worauf Kraftfahrer achten müssen: Sie dürfen nur neun Stunden fahren, zweimal pro Woche aber auch zehn. Und wenn es in einer Woche einmal mehr als die erlaubten Wochenstunden sind, kann die Stundenzahl in der folgenden Woche ausgeglichen werden. Im elektronischen Bordspeicher - auf der sogenannten Fahrerkarte - müssen die Daten der vergangenen 28 Tage vorhanden sein. Minutengenau sind die Lenkzeiten und sogar die gefahrenen Geschwindigkeiten dokumentiert.

Doch bei dem Fahrer gibt es ein Problem. Weil er in den vorigen Wochen krank war, ist die Dokumentation lückenhaft. „Für diesen Fall muss der Fahrer einen Nachweis darüber mitführen, in welchem Zeitraum er krank war und nicht gefahren ist“, erklärt Martin Frank. Der erfahrene Kraftfahrer hat das Dokument an Bord.

Mit dem Datenträger gehen die Männer zum Polizeiauto. Mit dem Computer werden die Informationen herausgelesen. Die gefahrenen Geschwindigkeiten sind in Ordnung. 60 Kilometer in der Stunde hätte der Fahrer auf der Landstraße fahren dürfen. Fünf Minuten vor der Kontrolle wurde dieser Wert um zwei bis drei Stundenkilometer überschritten. „Das liegt im Tolleranzbereich“, sagt Martin Frank.

Doch dann entdeckt der Polizist etwas. Der Fahrer hat die Ruhezeiten nicht eingehalten: Das Gesetz schreibt innerhalb von 24 Stunden eine Pause von 9 Stunden vor - am Stück! Tatsächlich hatte der Lastwagen über Nacht sogar 11 Stunden gestanden. Trotzdem zeigt der Computer nur eine Ruhezeit von 7 Stunden, 13 Minuten an. Martin Frank erklärt: Am Montag hatte der Fahrer seine Tour mit vielen kleinen Unterbrechungen um 3 Uhr begonnen und erst um 20 Uhr am Abend beendet. Die Ruhezeit von 9 Stunden müsste aber spätestens mit Ablauf der 24. Stunde nach Fahrtbeginn erreicht sein - also um 3 Uhr am Dienstagmorgen.

„Ich muss den Verstoß gegen die Ruhezeit an die für den Fahrer zuständige Gewerbeaufsicht weiterleiten“, erklärt Frank. Erst dort werde geprüft, ob auf den Verstoß überhaupt eine Strafe folge. Der Fahrer nimmt seinen Fehler zur Kenntnis. Verärgert ist er nicht. „Die Fahrer müssen heute viele teils schwierige Vorschriften beachten“, weiß Hauptkommissar Martin Frank, der vor diesem Hintergrund auch nur an ein Versehen des Kraftfahrers glaubt. Zum Abschied geben sich die Männer die Hand. „Und eine schöne Zeit in Sibirien“, sagt der Polizist. Nach einer halben Stunde setzt der Sattelzug seinen Weg fort.

Derweil holen seine Kollegen zur Kontrolle eines Fahrzeuges das Maßband. Der Lastwagen mit offener Pritsche und Anhänger aus dem Ruhrgebiet hat Gasflaschen geladen. Den Polizisten kommt er zu lang vor - und tatsächlich: 18,75 Meter wären erlaubt, doch das Gespann misst 19,30 Meter. So darf er nicht weiterfahren. Weil er aber Kunden beliefern muss, entscheidet er, den Anhänger abzustellen.

Für den Verstoß muss der Fahrer - der auch Eigentümer des Fahrzeuges ist - mit einer ordentlichen Strafe rechnen. Hinzukommt der Aufwand, den Anhänger aus dem Hinterland ins Ruhrgebiet zurückzubefördern.

Dann geht es zurück auf die Wache, wo viel Büroarbeit als Ergebnis des Tages auf die Polizisten wartet.

von Benedikt Bernshausen

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