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Plitts machen genau das, was sie wollen

Direktvermarkter Plitts machen genau das, was sie wollen

Etwas versteckt und doch direkt an der Ortsdurchfahrt von Damm liegt
 „Caspersch Hof“, in dessen Hofladen ausschließlich Bioprodukte verkauft werden.

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Leonhard Steiß (3) schiebt einen Einkaufswagen durch den Hofladen und beißt genüsslich in einen Apfel.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Damm. Der landwirtschaftliche Betrieb der Familie Plitt existiert seit Generationen. Peter Plitt hat ihn 1983 übernommen. Mit Frau Ulrike und Sohn Johannes setzt er voll und ganz auf Bio-Anbau. Der Weg dorthin gestaltete sich nicht von jetzt auf gleich.

Zunächst führte die Familie den Betrieb konventionell, bis Peter Plitt 1988 anfing zu experimentieren. 1991 schloss er sich dann dem Anbauverband Bioland an. Für ihn stand fest: „Entweder ganz oder gar nicht.“ Es bedeutete, er musste sich verändern und an feste Vorgaben anpassen.

Auf dem Hof von Plitts entstand ein Kreislauf, den die Familie mit voller Überzeugung einhält. „Wir können den Kunden erläutern, warum die Bioprodukte teurer sind, und werben dafür, beim Kauf mehr auf Saisonalität zu achten“, sagt Peter Plitt.

Mehr Ruhephasen für den Boden

Auf „Caspersch Hof“ werden nur so viele Tiere gehalten, wie auch von der eigenen Ackerfläche ernährt werden können. Das Futter wird selbst angebaut und nichts zugekauft. „Der Betriebskreislauf ist in sich geschlossen“, erklärt der 56-jährige Peter Plitt, dem dies besonders wichtig ist.

Auch wenn in der Biolandwirtschaft die Erträge geringer ausfielen als in der konventionellen, überzeuge die Qualität. Außerdem haben Biobetriebe eine andere Fruchtfolge auf dem Feld und somit „viel mehr Abwechslung“, sagt Plitt. Man gönne dem Boden mehr Ruhephasen, ergänzt er.

Der Boden sei das Kapital seines Betriebes. Man müsse ihn deshalb in die Lage versetzen, die Pflanzen zu ernähren. Zum Einsatz kämen ausschließlich nur organische Dünger, bestätigt er. „Wir ernähren den Boden, damit er die Pflanze ernähren kann.“

Im Bioladen, der eine Fläche von mehr als 100 Quadratmeter hat, bieten Plitts 40 verschiedene Kulturen an: von Aubergine bis Zucchini. Aber auch Obst, das nicht in der Region wächst, wird angeboten – aus fairem und auch Bio-Anbau. Plitts wollen die Produkte mit einem guten Gefühl für die Produzenten an die Kunden verkaufen.

Ladenverkauf und Lieferservice

Zudem gibt es Backwaren von der Hofbäckerei Claar aus Hachborn und von Siebenkorn aus Marburg. In den Regalen stehen Bio-Naturkost und auch diverse Weine. Fleisch und Wurst vom Schwein und Rind gibt es an der Kühltheke. Das Käsesortiment rundet das Angebot ab. Um das Käseangebot kümmert sich Ulrike Plitt. „Das sei ihre Leidenschaft“, erklärt der Landwirt.

Zusätzlich zum Ladenverkauf nutzen Plitts die Vermarktung über einen Lieferservice. Damit versorgen sie auch diejenigen, die es nicht schaffen, während der Öffnungszeiten in den Laden zu kommen. Wöchentlich wechselt das Angebot der Abokiste, in der überwiegend regionale Produkte vom Hof zu den Kunden geliefert werden.

Derzeit wird auch an einem Außenplatz gearbeitet, an dem sich im nächsten Jahr die Hofbesucher bei schönem Wetter eine Pause gönnen können. Im Hofladen besteht schon eine ­Bistro-Ecke mit Spielgelegenheit für die Kinder, in der man das Ambiente auf sich wirken lassen oder auch ins Gespräch kommen kann. Vor dem Umbau war der Laden viel zu klein für den Kundenzulauf, der dort herrschte. In dem größeren Ladengeschäft planen Plitts auch mal Weinproben anzubieten oder auch Filme zu zeigen.

Publikumsverkehr war zunächst ungewohnt

Der Arbeitstag bei Plitts beginnt in der Frühe. Um 6 Uhr werden die Tiere versorgt. Dann folgt „viel Arbeit. Wenn das Tageswerk vollbracht ist, ist Feierabend“, sagt Ulrike Plitt (53). In dem Familienbetrieb ist es wichtig, dass jeder alles kann.

Dass während der Hofladen-Öffnungszeiten am Dienstag, Freitag und Samstag viele Menschen auf den Hof kommen, daran mussten sich Plitts erst gewöhnen. Es sei aber auch eine Bereicherung, versichert Peter Plitt. „Wenn sie sich für unsere Produkte interessieren und sie wieder kommen, haben wir sie überzeugt.“

Die Verkaufsfläche zu erweitern, sei die richtige Entscheidung gewesen. Denn jetzt machen Plitts „genau dass, was wir wollen“.

von Silke Pfeifer-Sternke

 
 Betriebsdaten
Name: Caspersch Hof
Gründungsjahr: 1991 umgestellt auf Bioanbau
Flächen und Anbau: 100 Hektar
Tierhaltung: Mutterkühe, Mastschweine
Mitarbeiter Hof: 5
Mitarbeiter Hofladen: 9
Vermarktung: Hofladen, Abokiste, Belieferung von Naturkost-Einzelhandel, Gastronomie und Kindergärten sowie Schulen.
 

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