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Planer bieten "Rundum-Sorglospaket"

Windpark Weißenberg Planer bieten "Rundum-Sorglospaket"

Die Planungen zum ­Windpark Weißenbergrücken in greifbare Nähe. Deshalb informierteRathauschef Bernd Schmidt die Bürger über das Projekt.

Dautphe. Gemeinsam mit den zukünftigen Betreibern gab Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt im Bürgerhaus Dautphe einen Überblick über den Stand der Planungen. Nach dem Atomunfall im japanischen Fukushima wolle sich die Gemeinde Dautphetal dem bundesweiten Trend zur Energiewende nicht verschließen, ließ Schmidt bei seiner Begrüßung vernehmen. Nach dreijähriger Planung sei man zu dem Entschluss gekommen, am Weißenberg bei Dautphe vier Windräder zu errichten. Ein fünftes Windrad werde im Stadtgebiet Biedenkopf errichtet. Das Einvernehmen mit der Stadt sei bereits hergestellt.

Fünf Windpark-Standorte hätten zunächst zur Auswahl gestanden. Man habe sich für den Weißenberg entschieden, weil dort am wenigsten in die Natur eingegriffen werde und die Fläche die erforderliche Höhenlage habe. Dort seien auch die Lebensräume geschützter Tierarten kaum berührt. Der geplante Windpark werde von der Herrmann Hoffmann Gruppe aus Solms betrieben, sagte Schmidt.

Deren Projektberater Florian Seiler stellte die Planung vor und betonte, dass man eine Lösung im Einklang mit der Natur suche. Die Hoffmann Gruppe habe Erfahrung mit der Errichtung von Windparks und könne ein „Rundum-Sorglospaket“ anbieten. Berücksichtigt sei der geforderte Abstand von 1000 Metern zur Ortslage. Gewährleistet sei auch, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Schallwerte nicht überschritten würden. Man beabsichtige, Anlagen der Firma Enercon, Typ E 115 in Betrieb zu nehmen, die eine Nabenhöhe von 149 Metern und einen Rotordurchmesser von 115 Metern hätten.

Wenn alles nach Plan laufe, könnten die Anlagen im November 2015 in Betrieb genommen werden. Umweltplaner Tim Mattern versicherte, dass Lebensräume geschützter Tierarten, insbesondere des Rot­milans und verschiedener Fledermausarten kaum beeinträchtigt seien. Die Mopsfledermaus komme in dem bezeichneten Gebiet gar nicht vor.

Der betroffene Jagdpächter, Friedrich Wilhelm Krummenerl, zeigte sich zu den Plänen insgesamt skeptisch. Im vorgesehenen Gebiet liege der Haupteinstand des Wildes. Er verstehe nicht, dass für Windkraftanlagen keine freien Landschaften ausgesucht würden, um massive Eingriffe in die Natur zu vermeiden. Mit der Bemerkung „Energiewende ist nur mit gemeinsamer Akzeptanz möglich“, erntete Krummenerl Beifall aus den Zuhörerreihen.

Michael Koch, Geschäftsführer der Hoffmann Gruppe, pflichtete Krummenerl grundsätzlich bei. Er wolle nichts schön reden meinte er, aber erfahrungsgemäß gewöhne sich das Wild an die neue Situation. Die Rodung von Waldgebieten, so Koch weiter, halte sich in Grenzen, weil an den zukünftigen Standorten der Windräder wenig Wald betroffen sei. Auf jeden Fall werde jedoch nach eventuellen Rodungen wieder aufgeforstet.

Markus Soldan, der dem Jagdvorstand angehört, gab zu bedenken, dass die mit Jagdpachterträgen gebauten Wege bei den Bauarbeiten beeinträchtigt werden könnten. Er befürchte eine Minderung des Pachtzinses und dadurch Nachteile für die Jagdgenossenschaft. Weiterhin wolle er den Naturschutz berücksichtigt wissen. In das gleiche Horn stieß Brigitte Wege vom Ortsbeirat Dautphe. Sie befürchte weiterhin, dass der Landwirtschaft durch den Bau von Zufahrten Flächen entzogen werden könnten. Michael Koch von der Hoffmann Gruppe räumte einen massiven Eingriff beim Bau der Zufahrtswege zu den Baustellen ein. Dies sei erforderlich, weil pro Anlage etwa 70 Lastwagen anfahren müssten. Der Landwirtschaft werde aber letztendlich nichts entzogen. Die zunächst erforderlichen viereinhalb Meter breiten Wege könnten nach Fertigstellung der Windräder verschmälert werden.

Bürgermeister Schmidt fasste abschließend zusammen, dass man sich derzeit bei der Planung mit konkreten Vorstellungen befinde. Nunmehr werde das Gespräch mit den in Frage kommenden Grundstückseigentümern gesucht, um Schritt für Schritt zum Genehmigungsverfahren zu gelangen. Die Finanzierung der Anlage müsse im einzelnen noch geklärt werden. Es sei noch zu prüfen, welches Modell für alle Beteiligten am günstigsten sei.

„Die Bürger werden in weiteren Informationstreffen über die Entwicklung des Projektes unterrichtet“, versprach Schmidt.

von Heribert Theis

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