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Plakat gegen Nazis erzürnt die AfD

Shitstorm gegen 23-jährigen Juso Plakat gegen Nazis erzürnt die AfD

Der AfD-Kreisverband führt seinen Wahlkampf mit harten Bandagen – im Internet. Auf Facebook trat er einen Shitstorm gegen Julian Schweitzer los, der in Bottenhorn ein Plakat gegen Nazis unter ein AfD-Plakat platzierte.

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Ein SPD-Plakat gegen Rassismus löste im Internet auf Facebook einen Shitstorm gegen den 23-jährigen Kommunalwahlkandidaten der Jusos, Julian Schweitzer, aus.

Quelle: privat

Bottenhorn. Der 23-jährige Julian Schweitzer tritt in diesem Jahr zum ersten Mal für die Jusos für den Kreistag, für das Gemeindeparlament Bad Endbach und für den Ortsbeirat seines Heimatortes Bottenhorn an. Und er hat sich gleich einen Namen gemacht, allerdings nicht so, wie er sich das vorgestellt hat. Sein Profil und seine Kontaktdaten wurden auf der Facebook-Seite des AfD-Kreisverbands genutzt, um eine Schmähkampagne gegen ihn zu initiieren.

Alles fing damit an, dass die AfD in Bottenhorn mit dem Slogan „Schwarz-Rot-Gold ist bunt genug“ warb. Dabei platzte dem 23-Jährigen der Kragen. Er hatte noch Plakate der Sozialdemokraten und Jusos von einer Aktion gegen Fremdenfeindlichkeit bei sich zu Hause. Er griff und hängte sie im Ort unter die Wahlplakate der AfD.

Das wiederum verärgerte die Anhänger der Partei offenbar so sehr, dass der AfD-Kreisvorsitzende Eric Markert von einer „Diffamierungskampagne“ sprach. Er zeigte die Aktion beim Bad Endbacher Ordnungsamt an und verlangte eine Abmahnung, weil es sich aus AfD-Sicht um eine einseitige Behinderung der Wahl handelt. Zudem sollte die SPD aufgefordert werden, die Plakate umgehend zu entfernen. Das passierte dann auch – allerdings von Unbekannten.

Beleidungen gegen Schweitzer

Julian Schweitzer ärgert sich nicht, dass seine Plakate unrechtmäßig entfernt wurden – nach Angaben der Bad Endbacher Gemeindeverwaltung war das Anbringen legal –, vielmehr ist er sauer darüber, dass er als jemand, der eine andere Meinung als die AfD vertritt, sich auf Facebook beschimpfen lassen muss. Er wird als „spätpubertär“ und als „linke Socke“ bezeichnet. Und dass nur, weil er beim Kreisverband der AfD nachgefragt hat, ob die Partei seine Storchenplakate entfernt hat.

Er fragte, ob es zwischen der Verlustmeldung und der Verbreitung auf Facebook einen Zusammenhang gibt. Sein Outen nutzte der Kreisverband und verbreitete sogleich auf Facebook Schweitzers Profil mit folgendem Hinweis: „Nett wie wir sind, leiten wir die Suchanfrage gerne weiter. Wer auch immer die Plakate hat, möge sie doch gerne Julian Schweitzer übergeben“. Dann folgte ein Kontakt-Link. Und damit wurde der Shitstorm losgetreten.

Bei dem Link handele es sich um Schweitzers Politikerprofil, so Ulrike Markert, stellvertretende Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes. Zudem habe er dort seine Aktion bereits am 10. Februar angekündigt. Mit dem Entfernen der Plakate habe der AfD-Kreisverband aber nichts zu tun.

Schweitzer will nicht klein beigeben und macht das AfD-Vorgehen öffentlich, weil „eine Partei anders Denkende nicht brandmarken darf – so eine Beeinflussung muss thematisiert werden“.

von Silke Pfeifer-Sternke

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