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"Pizza-Streit" in der "Fressgasse"

Klage vorm Verwaltungsgericht "Pizza-Streit" in der "Fressgasse"

Der Gladenbacher Kirschenmarkt ist ein friedliches Fest auf das sich in der Regel alle freuen. Doch diesmal droht im Vorfeld der vier tollen Tage Ärger.

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Konrad Ruppert ist seit 31 Jahren Generalpächter von Rummelplatz und Fressgasse. Archivfoto

Gladenbach. Einen Vorgeschmack darauf, was in den kommenden drei Wochen noch folgen kann, bot gestern Abend die Stadtverordnetenversammlung: Die SPD Fraktion wollte einen Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung heben - vergebens. Der Antrag scheiterte an der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit. Acht Stadtverordnete stimmten dafür, acht dagegen und acht enthielten sich.

Die Sozialdemokraten hatten eigentlich auf breite Unterstützung gehofft, denn es ging um einen Beschluss des Aufsichtsrates der Kur- und Freizeitgesellschaft Gladenbach (KFG) vom 31. Oktober vergangenen Jahres. In der Sitzung war der Vertrag des bisherigen Generalpächters für den Kirschenmarkt-Rummelplatz und die -„Fressgasse“, Konrad Ruppert, für die Jahre 2014 bis 2016 verlängert worden. Diese Vergabe war möglicherweise Auslöser dafür, dass sich nun das Verwaltungsgericht Gießen mit einem Antrag auf einstweilige Anordnung beschäftigt.

Zur Vorgeschichte: Ohne den Festplatz mit seinen vielen Fahrgeschäften und der Fressgasse mit ihren Leckereien wäre der Gladenbacher Kirschenmarkt heute kaum vorstellbar.

Seit 1983 sorgt Konrad Ruppert als Generalpächter dafür, dass die Kirschenmarktbesucher in der Fressgasse mit vielen Schlemmereien verwöhnt werden und ihnen auf dem Rummelplatz viel Action und Unterhaltung geboten wird.

Sein Vertrag läuft in diesem Jahr aus. Im „Komet“, einer Fachzeitung für Schausteller und Marktkaufleute, hatte die KFG - als Ausrichter des Kirschenmarktes - im vergangenen Jahr zur Verpachtung für Rummelplatz und Fressgasse eine Anzeige geschaltet. Ruppert erklärt Anfang April auf Anfrage der OP: Er habe sich wieder beworben und ein Angebot abgegeben.

Beschlossener Vertragliegt bis heute nicht vor

Als Aufsichtsratsvorsitzender der KFG habe ihm Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim Anfang November vergangenen Jahres schriftlich mitgeteilt, dass der Aufsichtsrat beschlossen habe, seinen Vertrag bis 2016 zu verlängern. Ihm sei angekündigt worden, der Vertrag werde ihm demnächst zum Gegenzeichnen zugesandt, er liege ihm aber noch nicht vor. Das habe womöglich mit der Erkrankung des Geschäftsführers der KFG zu tun, mutmaßt Ruppert damals. Weit gefehlt: Weil einer der beiden unterlegenen Bieter, der Diedenshäuser Schausteller Herbert Kreuser, Widerspruch gegen die Entscheidung der KFG eingelegt hatte, wurde dem Bad Wildunger Ruppert der Vertrag nicht zugestellt. Damit sollten dem Vernehmen nach auch mögliche Schadensersatzansprüche vermieden werden.

Von einer gerichtlichen Auseinandersetzung war - hinter vorgehaltener Hand - bereits im zeitigen Frühjahr die Rede, sie ist nun Realität. In einem Verwaltungsstreitverfahren klagt Herbert Kreuser gegen die Stadt, nicht etwa wegen der Vergabe der Generalpacht, sondern mit dem Ziel, mit seinem Imbissstand „Pizza-Hütte“ wieder am bevorstehenden Kirschenmarkt teilzunehmen. Mithilfe einer einstweiligen Anordnung soll die Stadt verpflichtet werden, die KFG und Konrad Ruppert anzuweisen, den Imbissstand zuzulassen. Das Gericht will die Geschäftsführung der KFG und Konrad Ruppert zum Verfahren beiladen. Der Streitwert wird mit 20 000 Euro benannt.

Aufforderungenan Konrad Ruppert

Herbert Kreuser ist mit seinem Schaustellerbetrieb seit Jahren mit Geschäften auf dem Kirschenmarkt vertreten, unter anderem mit seiner „Pizza-Hütte“. Ruppert wird unter anderem vorgeworfen, er habe diesmal nicht auf Kreusers Bewerbung reagiert, weder Zusage noch Absage erteilt und auch weder auf Schreiben der KFG noch des Bevollmächtigten (Anwaltskanzlei). Bei Konrad Ruppert gingen zwei der vom Anwalt angeführten Schreiben der KFG ein, eins mit Datum vom 2. Mai, ein weiteres mit Datum vom 28. Mai, beide unterzeichnet von Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim (CDU), der Kraft Amtes auch Vorsitzender des KFG-Aufsichtsrates ist. „Im zweiten Schreiben heißt es unter anderem: „Wir fordern Sie daher hiermit letztmalig auf, Herrn Kreuser mit seinem Pizza-Stand zuzulassen.“ Ruppert wird aufgefordert, den entsprechenden Vertrag bis zum 1. Juni an Kreuser zu übermitteln. Der „Pizza-Streit“ hat eine Vorgeschichte: Im Juli 2007 wurde in Gladenbach Toni Trovato (Pizza-Toni) ausgezeichnet, der bis dahin seit Bestehen der Fressgasse 25 Jahre lang auf dem Kirschenmarkt Pizza anbot. Damals war auch Herbert Kreuser mit seiner „Pizza-Hütte“ bereits auf dem Volksfest vertreten. Vor dem Kirschenmarkt 2008 forderte Klaus-Dieter Knierim den Generalpächter Konrad Ruppert schriftlich auf, dem heimischen Schausteller einen besseren Standplatz zu gewähren.

Die „Pizza-Hütte“ stand dann auch im Zentrum der Fressgasse, „Pizza-Toni“ wanderte ans untere Ende. Trovato war enttäuscht und bewarb sich 2009 nicht mehr. Nun will er wieder zurückkehren, er bewarb sich und erhielt - im Gegensatz zu Kreuser - einen Vertrag. Der gestern Abend schon bei der Aufnahme auf die Tagesordnung gescheiterte Antrag der SPD zielte darauf ab, die Entscheidung der KFG bei der Vergabe der Generalpacht nachträglich zu unterstützen.

Sowohl Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim als auch Gunthard Koch und Christiane Becker von der CDU äußerten vor der Abstimmung rechtliche Bedenken gegen einen solchen Antrag. An der Abstimmung nahmen die dem Aufsichtsrat der KFG angehörenden Stadtverordneten nicht teil.

von Hartmut Berge

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