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Pinsel und Farbe lassen sie nicht los

Künstlerserie Pinsel und Farbe lassen sie nicht los

Es gibt auch Zeiten, in denen der Malkasten von Monika Würfel-Fries unberührt bleibt. Doch dann ist es plötzlich wieder da – das Gefühl, Kunst zu schaffen.

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Monika Würfel-Fries bei ihrer künstlerischen Arbeit an dem Schreibtisch, an dem sie in früheren Zeiten die Arbeiten ihrer Schüler korrigierte.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Willershausen.. Sie zieht die eingefärbten Pinselborsten über die Fingerkuppen. Farbtropfen prasseln auf das Papier zwischen die Bäume der Allee. „Auf jedem Bild muss etwas sein, das da nicht hingehört“, sagt Monika Würfel-Fries schmunzelnd. Bei ihr sind das die gezielten Spritzer, die ihr Mann bloß „Klekse“ nennt. Am großen Schreibtisch in ihrem Arbeitszimmer korrigierte die pensionierte Lehrerin früher Klassenarbeiten. Doch unlängst wich der Rotstift den Wassertöpfchen, Malkästen und Pinseln.

An der Dautphetalschule lehrte die Willershausenerin neben Deutsch und Biologie auch Kunst und gesteht mit einem Augenzwinkern, dass sie darunter litt, dass viele Schüler das Fach nicht mochten und ihr auch Sätze wie „Papa hat gesagt, es ist nicht schlimm, wenn ich in Kunst eine Fünf bekomme“ vor die Füße warfen.

Wohl auch deshalb genießt sie ihren Aquarell-Kurs bei den Gladenbacher Ferienspielen so sehr: „Die Kinder dort wollen unbedingt malen. Das macht mir riesengroßen Spaß-“ Der Kunstunterricht  werde oft unterschätzt. Dabei diene er der Geschmackserziehung von Kindern und schaffe ein gutes Verständnis für Formen und Farben. Ob talentiert oder nicht: Jeder könne Grundstandards erlernen.
Mit der Malerei begann Monika Würfel-Fries als Jugendliche und beabsichtigte sogar ein Kunststudium. Doch der Vater wollte sie vor der Brotlosigkeit schützen und empfahl ihr den Lehrerberuf. Sie folgte dem Rat, machte Kunst aber wenigstens zu einem ihrer Unterrichtsfächer. Das Malen wurde ihr nach der Arbeit zu einem lieben Hobby und Ausgleich. „Ich finde es schön Malkasten, Pinsel und Block einfach zu nehmen und auch unterwegs zu nutzen“, erklärt sie und erzählt, dass sie deshalb irgendwann bei den Aquarell-Farben hängen blieb. Damit malt sie Landschaften und Blumen, teils abstrakt. Nach Reisen durch die Welt entstanden eindrucksvolle Bilderserien, die Architektur, Land und Leute zeigen.

Kindheit in München, Abitur in Kassel

Manchmal ruht ihr Pinsel für zwei oder drei Wochen, kreist dann aber wieder jeden Tag. Sie braucht diese besondere Stimmung, dieses Gefühl, das kreative Gedanken fließen lässt. „Das muss mich einfach überkommen“, sagt die Künstlerin, deren Wurzeln fernab ihrer jetzigen Heimat liegen: Aufgewachsen ist Monika Würfel-Fries in München, machte das Abitur in Kassel, studierte in Gießen und lehrte zunächst in Fritzlar. Ihr Mann besaß ein Haus in Willershausen, in das das Paar in den 1980er Jahren einzog.
Lächelnd erinnert sie an die sorgenvollen Worte ihrer Mutter: „Kind wo ziehst du hin? Da gibt es keine Geschäfte, keine Kirche und kein Gasthaus.“ Doch Würfel-Fries fühlte sich wohl im kleinen Lohraer Ortsteil, knüpfte rasch Kontakte in die große Kunstszene der Region und schloss sich bald dem Kunst- und Kulturkreis „Palette“ Gladenbach/Bad Endbach an.

Seit 15 Jahren besucht sie die Malgruppe von Manfred Kempe in Marburg und wechselnde Kunstkurse.
Zwischendurch brauche sie einen Lehrer, der ihr neue Impulse gebe, sagt sie – so stieß sie auch auf ihre neuste Passion: Radierungen. Die meisten ihrer Werke hat sie aufbewahrt, die prachtvollsten zieren die Wände im Haus und waren vielfach auf Ausstellungen zu sehen.

Rückblickend beschreibt sie ihre ersten Gehversuche als „stümperhaft“. Mit den Jahren, in denen sie immer neue Erfahrungen sammelte, hat sich auch ihre Kunst entwickelt.
Ein Bild entstehe zwar in Stunden. Doch frage jemand, wie lange sie für das Werk gebraucht habe, antworte sie stets: „Über 30 Jahre!“
Für Monika Würfel-Fries ist die Malerei nicht alles. Bei Ausstellungseröffnungen ist sie als Rednerin gefragt. Sie näht, fotografiert und liest gern, arbeitet im „Palette“-Vorstand und liebt reisen an der Seite ihrer Mannes. Doch: „Wäre mein Leben ein Tablett, dann wäre die Kunst darauf eine der größten Schüsseln!“

von Benedikt Bernshausen

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