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Perrones reißen den Muff raus

Neue Betreiber Perrones reißen den Muff raus

Zwei Klinik-Neulinge übernehmen die Emmaburg in Bad Laasphe. Eine befreundete Russin investiert viel Geld in den Um- und Ausbau der maroden Klinikgebäude.

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Die aus Wetzlar stammenden Manfred und Irina Perrone wollen die Emmaburg als Pflegeeinrichtung betreiben, Anwalt Stefan Fiedler steht dem Paar zur Seite.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Bad Laasphe . Manfred Perrone und seine Ehefrau Irina waren am Freitagnachmittag ein gefundenes Fressen für die lokalen Medienvertreter. Die Frage nach der Investitionssumme, dem Personal, letztlich nach dem Konzept, konnte das Ehepaar nicht in Gänze beantworten. Schon witterten die Frager etwas Unausgegorenes, eine Fortführung der Klinik-Katastrophen der letzten Jahre. Die Liste der Pleiten ist lang. Zuletzt hatte das Wittgensteiner Adelsgeschlecht aufgrund der Negativschlagzeilen „Prinz Botho“ aus dem Namen der Kliniken streichen lassen. Adel verpflichtet und deshalb wurde das Einverständnis zur Nutzung des Namens „in Anbetracht der Entwicklungen“ zurückgezogen.

Image der Emmaburg muss aufpoliert werden

Die Idee des aus Wetzlar stammenden Ehepaars ist simpel und doch ein erfolgversprechendes Modell. In dem ehemaligen Hotelgebäude sollen zunächst 55 Pflegeplätze eingerichtet werden, hauptsächlich für junge Menschen mit neurologischen Erkrankungen, etwa nach einem Schlaganfall, die sonst aus Mangel an Alternativen in einem Altersheim ihr Dasein fristen müssten. Was nicht immer im Interesse junger Pflegebedürftiger ist, da sie im Altersheim keinen Kontakt zu Gleichaltrigen haben, sondern mit Menschen, die zum Teil mit Demenz im Vergessen des Alltags und nur noch in der Vergangenheit leben. Bundesweit gibt es nicht ausreichend Angebote, um den Bedarf an solchen Pflegeplätzen zu decken. „Und im Umkreis gar nicht“, sagt Irina Perrone.

Die Investorin aus Kasachstan ist alleinige Gesellschafterin aller Gesellschaften. Es gibt drei mit Sitz in Bad Laasphe. Das meiste Geld wird die Investition in die maroden Gebäude verschlingen. Seit Jahren wurden die Häuser nicht mehr saniert, sondern immer nur weiterveräußert. Trotzdem sprechen die künftigen Betreiber von einem kalkulierbaren Risiko. Auf den letzten Cent gerechnet haben sie zwar nicht. Aber sie glauben an ihr Konzept und daran, dass es die richtige Entscheidung war, die Immobilien mit der vorhandenen Infrastruktur zu nutzen .

„Der Muff der 70er-Jahre muss raus“, sagt der 53-jährige Perrone. Die Holzverkleidungen wurden abgerissen, Pläne über den Verlauf der Kabel und den Brandschutz erstellt. Es steht fest, dass neue Notausgänge entstehen müssen. Auch das Schwimmbad muss modernisiert werden, ebenso die Kantine und das komplette Leitungssystem.

Planungen begannen bereits im Januar

Mitte Dezember 2014 hat das Ehepaar die Emmaburg-Klinik übernommen, die Planungen haben am 5. Januar begonnen. Der Umbau ist eine harte Nuss. Perrones können sich keine Fehler erlauben, sonst stehen die Emmaburg-Gebäude später leer. Zurzeit steckt das Paar in Verhandlungen mit den Kostenträgern und wartet auf die Baugenehmigung.

Zu knabbern haben Perrones vor allem an dem verkorksten Image der Bad Laaspher Kliniken. Auch das „Gesundheitszentrum Wittgenstein“, das kurzfristig den Namen „Prinz Botho Kliniken“ trug, hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Einem Ex-Geschäftsführer der Vorgänger-Kliniken und seiner Ehefrau wurde vor Kurzem in Siegen der Prozess wegen Veruntreuung gemacht. Der Niedergang der HGC-Kliniken zeichnete sich im Jahr 2010 mit der ersten Insolvenz ab. Über die Jahre kam es immer wieder vor, dass das Personal nicht bezahlt wurde oder Handwerker-Rechnungen offen blieben. Das spricht sich rum - selbst nach einem Schnitt mit einem Neuanfang. Irina Perrone bestätigte, dass es schwierig sei, mit Handwerkern zu verhandeln, weil sie noch immer die Hand aufhielten und den Ausgleich von Rechnungen verlangten. „Trennen Sie die Vergangenheit von der Gegenwart und Zukunft“, sagte Irina Perrone. Das Ehepaar will Geld anlegen und Geld verdienen. Es will mit Bedacht den richtigen Weg gehen und das ramponierte Image der Emmaburg-Klinik wieder aufpolieren - eine Herkulesaufgabe.

von Silke Pfeifer-Sternke

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