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Parteien wollen Familien fördern

Politik Parteien wollen Familien fördern

Nach der Wahl ist vor der Wahl: In die Zeit dazwischen werden die Parteien an dem gemessen, was sie in ihr Wahlprogramm geschrieben haben.

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Damit sich Familien mit Kindern in Gladenbach wohlfühlen, hatten CDU, SPD, Freie Wähler und Junge Liste/Grünen Themen dazu in ihre Wahlprogramme aufgenommen.

Quelle: Archivfoto

Gladenbach. Die Wahlverlierer, die CDU, die 5 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung abgegeben hat, überzeugte die Wähler offenbar nicht mit ihrem Grundsatzprogramm, das bereits 2012 aufgelegt wurde. Die bestimmende politische Kraft, die 2006 auf 50,6 Prozent der Stimmen kam und bei der Kommunalwahl in diesem Jahr auf 31,3 Prozent abgerutscht ist, muss sich neu erfinden, will sie in der laufenden Legislaturperiode wieder Boden gutmachen. Sicherlich, die Schwerpunkte der künftigen Partei- und Fraktionsaufgaben sind relativ zeitlos: Infrastruktur ausbauen, regenerative Energien vorantreiben, Familienfreundlichkeit, Tourismus stärken und Arbeitsplätze erhalten.

CDU: Tourismus fördern

Konkret will sich die CDU dafür einsetzen, dass die medizinische Versorgung weiter ausgebaut wird, zudem sollen Ortskerne nicht aussterben. Auch an Konzepte ist gedacht, um die Auslastung der Dorfgemeinschaftshäuser zu erhöhen. Um Gladenbach lebenswert zu gestalten, sind der CDU die Sportanlagen sowie die Kinder- und Jugendarbeit wichtig. Auch den Tourismus als Frequenzbringer hat die CDU in ihrer Aufzählung nicht vergessen. Ein Grundstein könnte ein Gesamtkonzept mit aktivem Stadtmarketing sein. Auch sieht die CDU in der Stärkung der Stadt als Wohn- und Wirtschaftsstandort ein Plus für Gladenbach.

FW: Fusion der Feuerwehren

Dem Vorantreiben regenerativer Energien hat sich die Partei bereits 2012 verschrieben. Fest steht allerdings, dass sich die Stadt Gladenbach als Partner aus dem Projekt Windpark am Landratskreuz verabschiedet hat - mit den Stimmen der CDU. Die Entscheidung, den Schutzschirm des Landes in Anspruch zu nehmen, hat der Stadt Finanzierungsspielraum genommen. Das wirkt sich wiederum unmittelbar auf die Möglichkeiten aus, Versprechen umzusetzen. Die Wahlsieger, die Freien Wähler, können sehr entspannt ihrer neuen Funktion als attraktiver Koalitionspartner entgegensehen. Die Fraktion hat jetzt sieben Sitze mehr und somit eine Stimme im Parlament, die nicht zu überhören ist.

In ihrem Wahl-Flyer werden die FW sehr konkret mit ihren Vorhaben. So sprechen sie sich für gebührenfreie Kindergärten aus, wollen ehrenamtliche Arbeit bezuschussen, lehnen in der Flüchtlingsfrage eine Ghettoisierung ab und wollen Gladenbach für Senioren lebenswert gestalten. Sie wollen zudem den Schulstandort sichern.

Auf die Frage akuter Probleme wissen die FW eine Antwort: die grundhafte Sanierung der maroden Landes- und Kreisstraßen vorantreiben. Als Beispiele führen sie die L 3048 bei Mornshausen an sowie dieK 112 in Bellnhausen. Beide Straßen sind nachweislich in einem schlechten Zustand. Auch die Umgestaltung des Bahnhofsgeländes liegt den FW am Herzen. Nun heißt es in den nächsten Jahren: den Lippenbekenntnissen Taten folgen lassen.

Die FW sehen aber auch, dass die Stadt durch das Bad Nautilust Verluste erwirtschaftet und wollen die Vermarktung verbessert wissen, um den städtischen Zuschuss zu verringern - das will auch die SPD. Für die Feuerwehren haben die FW nicht nur warme Worte übrig, sondern wollen für die Aktiven die notwendigen Voraussetzungen schaffen, damit sie ihre Arbeit machen können. Um Kosten zu sparen, schlagen sie die ihrer Meinung nach längst überfällige Fusion der Abteilungen Erdhausen und Kehlnbach am Standort Erdhausen vor.

SPD: Mittelzentrum stärken

Nun stellt sich die Frage, ob die Freien Wähler 25 Prozent der Wahlberechtigten mit ihrem Programm überzeugt haben oder ob die Tatsache, dass der langjährige Altbürgermeister Klaus-Dieter Knierim wegen der Querelen um die Innenstadt-Insel der CDU den Rücken gekehrt und bei den FW eine neue politische Heimat gefunden hat, Auslöser für den Wahlerfolg war. Offenbar hat Knierim in der Tat Stimmen gezogen, denn die FW-Wähler haben ihn an die Spitze der FW katapultiert.

Eher unscheinbar bewegen sich die Sozialdemokraten auf dem Wählerniveau von 2011. Nur 1,3 Prozent der Stimmen hat die SPD abgegeben, in der Konsequenz aber einen Sitz im Stadtparlament verloren. Den Wählern versprechen sie im Wahlprogramm für die nächsten fünf Jahre, Gladenbach als zukunftsfähiges Mittelzentrum zu stärken. Um die Wirtschaft zu unterstützen, soll ein „Runder Tisch“ mit dem Gewerbeverein Gladenbach und den Gewerbetreibenden etabliert werden. Die für die Einkaufsstadt wichtigen kostenlosen Parkplätze will die SPD erhalten wissen. Sie verspricht, durch eine solide Haushaltsführung mit einem ausgeglichenen Haushalt die Zukunft der Schutzschirmkommune zu sichern. Deshalb soll es keine Prestigeprojekte, die in der Vergangenheit zur finanziellen Schieflage beigetragen haben, geben.

Die unbefristete Stelle des Stadtjugendpflegers schreibt sich die SPD auf die Fahne und will dafür sorgen, dass die Jugendarbeit weiterhin einen hohen Stellenwert behält.

Bei den Bädern strebt die SPD eine Gebührenänderung an, um über die Staffelung der Preise mit Tages-, Saison- und Jahreskarten die Anzahl der Badegäste zu erhöhen.

Grüne: kostenlose Kitas

Auch auf die Senioren will die SPD in der laufenden Legislaturperiode ihr Augenmerk richten und entsprechende Angebote wie generationsgerechte Fitnessgeräte etablieren. Die Erhaltung der ärztlichen Versorgung - dies ist auch ein Punkt bei der CDU - ist den Sozialdemokraten wichtig. Auch das größte jährlich wiederkehrende Volksfest Kirschenmarkt taucht im SPD-Programm auf. Es soll zukünftig möglichst kostenneutral ausgerichtet werden.

Die Junge Liste/Grünen haben bei einem Ergebnis von 7,3 Prozent einen Sitz abgeben müssen. Als Koalitionspartner zur Erreichung der einfachen Mehrheit reicht es weder für CDU noch für SPD. Wohl aber für eine schwarz-rot-grüne Mehrheit. Dass dies möglich ist, zeigt das gemeinsame Vorgehen im Innenstadt-Insel-Streit.

Auch die Grünen wollen sich für die Sicherung der ärztlichen Versorgung einsetzen und sind damit nicht allein. Kurze Wege zum Allgemeinmediziner sowie einen hohe Dichte an Spezialisten seien für junge Familien und Ältere gleichermaßen interessant. Zudem sprechen sie sich - ebenso wie die FW - für gebührenfreie Kindergärten aus. Auch steht die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie ebenso auf ihrer der Agenda wie bezahlbarer Wohnraum. Im Klartext heißt das für die Grünen: keine Steuererhöhung.

Auch sprechen sie sich - ebenso wie die CDU - für die Weiterentwicklung der touristischen Angebote aus. Das vorhandene Potenzial müsse besser genutzt werden, heißt es im Wahlkampf-Flyer. Ob der Erhalt der Prädikate Kneippheilbad und Luftkurort darunter fällt, scheint fraglich, da die Stadt über Jahre dieses Segment vernachlässigt und eine Überprüfung aufgeschoben hat (die OP berichtete).

von Silke Pfeifer-Sternke

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