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Parlament schiebt Entscheidung auf

Politik Parlament schiebt Entscheidung auf

Seit 25 Jahren ruht sich die Stadt Gladenbach auf den Prädikaten "Kneipp-Heilbad" und "Luftkurort" aus. Die geforderte Überprüfung schoben die Stadtverordneten erneut auf die lange Bank.

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Am Ortseingang von Gladenbach weist längst nichts mehr darauf hin, dass die Stadt die Prädikate „Kneippheilbad“ und „Luftkurort“ trägt. Eine Überprüfung der Prädikate wurde mehr als zwei Jahrzehnte auf die lange Bank geschoben. 

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Gladenbach. Die Überprüfung der Prädikate „Kneipp-Heilbad“ und „Luftkurort“ schaffte es in der Stadtverordnetenversammlung erneut nicht in die Abstimmungsphase. Eine Entscheidung wurde auf die Oktobersitzung verschoben. Bereits Mitte Juli stand eine Abstimmung darüber in der Stadtverordnetensitzung auf der Tagesordnung.

Hintergrund der fehlenden Entschlussfreude sind die Tatsachen, dass eine Überprüfung mit rund 20000 Euro und Folgekosten von 6300 Euro veranschlagt sind und dass der Gladenbacher Kneippverein um Aufschub bat, um einen Investor für ein Rehabilitationszentrum zu finden. Offenbar ist man der Ansicht, dass eine Klinik die Entwicklung in der Kernstadt positiv beeinflussen kann. Dennoch ist die Meinung unter den Parlamentariern gemischt.

Während der Sitzung wurden Stimmen laut, die bezweifelten, dass selbst, wenn ein Investor in Gladenbach ansiedeln würde, dies nicht ausreicht, um die strengen Kriterien zu erfüllen, vor deren Überprüfung sich die Hinterlandkommune seit der letztmaligen Überprüfung im Jahr 1991 erfolgreich gedrückt hat.

Horst Wenzel: Unhaltbarer Zustand

Horst Wenzel, zuständig im Hessischen Fachausschuss für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen beim Regierungspräsidium in Kassel, riss in einem Antwortschreiben auf die Frage zur Verschiebung der Überprüfung auf des Jahr 2017 der Geduldsfaden. Er sprach von einem unhaltbaren Zustand gegenüber anderen prädikatisierten Orten in Hessen, die sich regelmäßig einer Überprüfung unterziehen. Deshalb kann es durchaus sein, dass - wenn sich die Stadtverordneten weiter unschlüssig sind - der Hessische Fachausschuss in seiner nächsten Sitzung im zweiten Quartel 2017 der Hinterlandkommune die Prädikate aberkennt.

Wenzel wies explizit daraufhin, dass nicht die von einem möglichen Investor errichtete „Kurklinik“ ein Prädikat erhält, sondern die Kernstadt Gladenbach. Das bedeutet, dass es nicht ausreichen wird, wenn nur in der Klinik Kneipp-Anwendungen stattfinden. Die Anforderungen an den Qualitätsstandard für die Prädikatisierung von Kurorten, Erholungsorten und Heilbädern müssen in vollem Umfang erfüllt sein.

Anders ausgedrückt heißt das: „Der Kneipp-Gedanke muss in der ganzen Kernstadt spürbar und auch sichtbar sein“, schrieb Wenzel.

Voraussetzungen sind zum Beispiel Vorträge und Seminare sowie praktische Anwendungen und eine Ernährungstherapie. Auch in den Beherbergungsbetrieben und in der Gastronomie sollen Hauptmahlzeiten auf den Speisekarten stehen, die sich an den Kneippschen Regeln orientieren.

Auch "Erholungsort" für Weidenhausen ist auf dem Prüfstand

Das Angebot von Kneipp-Anwendungen wie Wannenbäder und Kneippgüsse sowie Kneipp-Tretanlage und eine Armbadanlage im Freien sind unerlässlich für die Prädikatisierung. Angeboten werden müssen auch Bewegungstherapien sowie ein Kneipp-Kräutergarten und Vorträge zu phytotherapeutischen Anwendungen (Pflanzenheilkunde).

Die Fragen nach einem Finanzausgleich aufgrund der zu erwartenden Finanzierungskosten beschied Wenzel mit einem klaren Nein.

Mit dem Prädikat „Luftkurort“ kann die Stadt lediglich für sich werben, zudem ergeben sich daraus aber auch flexiblere Öffnungszeiten für Verkaufsstellen nach dem Hessischen Ladenöffnungsgesetz. Um weiterhin in dem Heilkurortverzeichnis aufgeführt zu werden, reicht Gladenbach das Prädikat „Luftkurort“ allerdings nicht aus. Eine Zuweisung von Finanzmitteln ergibt sich aus den „kurtaxpflichtigen Übernachtungen sowie der Zahl der Betten in Vorsorge- und Rehaeinrichtungen - beide Voraussetzungen erfüllt Gladenbach nicht.

Auch das Prädikat „Erholungsort“ für den Gladenbacher Stadtteil Weidenhausen steht zur Überprüfung an. Für das eher gering klassifizierte Prädikat fallen Kosten in Höhe von rund 600 bis 700 Euro an. Diese Kosten zu tragen, hat sich der Ortsbeirat bereiterklärt. Dennoch fiel auch zu diesem Punkt keine Entscheidung. Die Behandlung der zur Überprüfung anstehenden Prädikate wurden en gros vertagt.

von Silke Pfeifer-Sternke

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