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Orchester feiert gelungene Renaissance

Kulturpreis-Verleihung Orchester feiert gelungene Renaissance

Die Jugendmusikgemeinschaft Blankenstein hat viele Höhen und Tiefen erlebt und zählt zu den altehrwürdigen Kulturträgern Gladenbachs. Dafür gib‘s heute den Dr.-Berthold-Leinweber-Preis.

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Die Jugendmusikgemeinschaft Blankenstein mit ihrer Leiterin Anne Sandtner kommt heute Abend im Haus des Gastes zu Ehren. Foto: Peter Piplies

Quelle: Peter Piplies

Gladenbach. Untrennbar mit der Geschichte der Jugendmusikgemeinschaft verbunden ist deren langjähriger Leiter Heinz Wirth. Er legte 2007 den Taktstock in die Hände von Anne Sandtner. Die Bad Endbacher Musiklehrerin widmet sich seither der Ausbildung von Musikern und der Arbeit mit dem Orchester. Der Verein verfügte über genügend Instrumente und hatte für den Unterricht, der bis dahin bei Heinz Wirth stattfand, einen Raum im Haus des Gastes angemietet. Während musikalisch alles in geordneten Bahnen lief, lastete die Arbeit im Vorstand zunächst auf wenigen Schultern. Deshalb gab es damals einen Aufruf an alle Musikbegeisterten, vor allem ehemalige Musikschülerinnen und -schüler zur Mitarbeit. Auch die Vorstandsarbeit stabilisierte sich dann wieder.

Als die Aufbauarbeit in vollem Gange war, starb Heinz Wirth 2007 im Alter von 87 Jahren. Für sein Wirken bekam er unter anderem den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland in der Ordensstufe „Verdienstmedaille“, den Ehrenbrief des Landes Hessen sowie die Ehrenplakette der Stadt Gladenbach.1985 erhielt er den Dr.-Berthold-Leinweber-Preis.

Ob auf der Gitarre, der Mandoline, der Flöte oder dem Akkordeon, der musikalischen Ausbildung widmete sich Wirth mit großer Begeisterung. Und die Schüler, die nicht selten ein dreiviertel Jahrhundert jünger waren als ihr Meister, kamen gerne zu ihm. Sie schätzten an ihm unter anderem seine große Geduld. Heinz Wirth kam 1927 an den Blankenstein, sein Vater war nach Gladenbach versetzt worden.

Die Familie zog in die „Villa Emma“ ein. Der junge Mann beendete dann seine kaufmännische Karriere sehr schnell, als er die Möglichkeit hatte, seinem lang gehegten Wunsch nachzugehen und Lehrer zu werden. Nach dem Studium in Weilburg leitete Heinz Wirth zehn Jahre lang die Dorfschule in Rüchenbach.

Aus Jugendgemeinschaft wirdJugendmusikgemeinschaft

Bis zur Pensionierung lehrte er dann an der Grundschule in Mornshausen. Im Alter von 28 Jahren war er Mitbegründer der Jugendgemeinschaft Blankenstein. Die jungen Leute trafen sich zunächst in Privatwohnungen, kamen im Flüchtlingslager, in der Volkshochschule und im Kindergarten „Sonnenschein“ zusammen, und bauten später auf der Schieferkaute ihr eigenes Domizil. Volkstanz, Laienspiel, Musizieren.

Tischtennisspielen und Turnen zählten zu den Aktivitäten der Gladenbacher. Darüber hinaus kamen sie zu Radtouren und zum Wandern zusammen, und organisierten Freizeiten. Im Laufe der Jahre boten andere Vereine ähnliche Freizeitaktivitäten an. Aus der Jugendgemeinschaft wurde 1975 die Jugendmusikgemeinschaft Blankenstein. Deren musikalischer Leiter war bis Ende 2006 Heinz Wirth. In den ersten Jahren stattete er seinen Schülern Hausbesuche ab, traf sich dort mit ihnen in kleinen Gruppen. Später gab‘s wöchentlich bis zu vier zentrale Übungsstunden für alle Schüler. Eltern nahmen teils weite Fahren in Kauf, um ihre Kinder zum Unterricht zu bringen. In den Glanzzeiten zählte die Gemeinschaft 120 Musiker. Mitte der 1990er-Jahre waren es immer noch 50 Aktive, die bei vielerlei Gelegenheiten, Festen, Feiern und Konzerten ihr Können unter Beweis stellten.

An der Renaissance des Orchesters hat Anne Sandtner fleißig gearbeitet. Sie unterrichtet ihre Schülerinnen auf Sopran-, Alt- und Tenor-Blockflöte sowie Querflöte, sie gibt Unterricht auf der klassischen Gitarre, der Begleit- und der E-Gitarre, auf Tasteninstrumenten wie dem Klavier, Keyboard und Akkordeon.

In jedem Frühjahr führt sie eine Frühlingsserenade auf, zu der die Kinder, Verwandte, Bekannte und Eltern selbst einladen, damit sie vorführen können, wie sich ihre Leistungen im vergangenen Jahr gesteigert haben. Nach drei Jahren erhalten die Kinder den silbernen, nach fünf Jahren den goldenen Violinschlüssel. Die Kinder spielen und lernen nach Noten.

„Die Tonleitern, Harmonien und das Tongeschlecht Dur oder Moll, im Quintenzirkel, erlernen sie wie das Einmaleins durch ständiges Wiederholen“, erklärt Anne Sandtner und berichtet weiter: „Anhand der Notenkenntnisse können sie die Harmonien selbst entwickeln.“

Der Festakt zur Verleihung des Kulturpreises der Dr.-Berthold-Leinweber-Stiftung findet heute ab 18.30 Uhr im Haus des Gaste statt.

von Hartmut Berge

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