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„Noch ein bisschen lauter, bitte!“

"Eingefädelt" „Noch ein bisschen lauter, bitte!“

Geschafft! Seit Sonntagnachmittag sind auch die letzten Stücke für die CD-Produktion des Musicals „Eingefädelt“ aufgenommen. Das Tonmaterial wird nun zusammengefügt, am 13. Juni soll die CD erscheinen.

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Mit einem Blick in die Noten besprechen Marco Ambrosini und Silvia Salzbauer Details einer Aufnahme.

Quelle: Björn-Uwe Klein

Biedenkopf. Mehr als 40 Stimmen, viel Text: Es hätte ein langer Arbeitstag werden können für Marco Ambrosini. Doch der künstlerische Leiter des Hatzfelder Tonstudios Katharco baute sein Equipment am Sonntag hochzufrieden schon gut eine Stunde früher als geplant wieder ab. Um 16.56 Uhr war auch die letzte noch fehlende Aufnahme für die CD-Produktion von „Eingefädelt“ im Kasten.

Das „Studio“ ist am Sonntag die Bühne des Biedenkopfer Bürgerhauses, wo die Chor-Aufnahmen entstehen - abgeschirmt vom leeren Saal hinter zugezogenem Vorhang. Zu Beginn macht Silvia Salzbauer, Leiterin des Musicalchores, Lockerungsübungen mit den Chormitgliedern. Der Chor zählt 12 Stimmen, von denen 4 verhindert sind.

Auf Aussprache und Akzentuierung kommt es an

Ambrosini erklärt, was es beim Erstellen von Ton-Aufnahmen zu beachten gilt: „Das Mikrofon ist die geografische Mitte.“ Zunächst werden die Szenen aufgenommen, in denen alle singen. „Die Einzelstimmen machen wir später extra“, sagt Ambrosini. Ein kurzer Test, dann wird es ernst. Die erste Chor-Szene. Eine, in der die Ausfuhr von Biedenkopfer Tuch gefeiert wird: „Tuch, jetzt gehst du in die Welt/ Und was am Hof gefällt/ Deckt bald den Bauch der Fürstlichkeiten“ heißt es darin.

Mehrmalige Wiederholungen sind nicht unüblich bei der Studioarbeit, denn für CDs werden für gewöhnlich die besten Bestandteile jeder Version verknüpft. Nach dem fünften Durchgang passt alles. „Toll“, lobt Ambrosini. In entspannter Atmosphäre setzt das Team die Aufnahmen fort, Szene für Szene. Ambrosini, Silvia Salzbauer und Biedenkopfs Kulturreferentin Birgit Simmler achten auf die Feinheiten: Auf Aussprache, Akzentuierung und das Klangbild. An diesem wird gelegentlich gefeilt, indem einzelne Stimmen ihre Position ändern.

Mehrmals aufgenommen wird auch die Szene, in der Bürger mit Tuchhändler Kurt Breidenstein um den Preis feilschen. Mit seinen Preisvorstellungen sorgt die Hauptfigur für Unmut. Dieser soll nach Ambrosinis Geschmack noch etwas deutlicher zur Geltung kommen: „Die Reaktionen beim Tuchfeilschen noch ein bisschen lauter, bitte!“ Und so wiederholt der Chor das Gelächter und Geschimpfe über Breidenstein mehrmals. Eine emotionale Stelle, die den Darstellern sichtlich Spaß macht - und mit der sie den ersten Teil ihres Programms abschließen.

„Cool war’s“, sagt Sänger Karl Walther. Der gebürtige Biedenkopfer lebt seit 20 Jahren in Butzbach, singt in einem Chor in Cleeberg/Langgöns und kommt regelmäßig zu Proben und Aufnahmen für „Eingefädelt“. „Als ehemaliger Biedenkopfer zieht’s einen in die alte Heimat.“ Er schätzt die lockere Atmosphäre, in der die Mitwirkenden zusammenarbeiten. Und er hebt hervor, dass das CD-Projekt eine neue Herausforderung darstelle. Eine, die sich für einen Sänger von Bühnenauftritten grundlegend unterscheide.

Szenen werden mehrfach wiederholt

Studioerfahrung haben längst nicht alle, grundsätzliche Erfahrung im Gesang aber durchaus. Birgit Grebe-Jonas etwa hat Operngesang studiert. Sie gibt Gesangs- und Klavierunterricht an der Biedenkopfer Musikschule und leitet den katholischen Kirchenchor „Cantamus“ sowie den Gemischten Chor „Vocal Rainbow“. Die Biedenkopferin Rosi Sawczuk ist als Chor- und Solosängerin ebenfalls keine Unbekannte. Sie trägt im Musical eine kurze Solo-Einlage vor. Solche Solo-Einlagen stehen nach der Pause auf dem Programm: Gesungene aber auch gesprochene Szenen. Und letztere bedeuten ebenfalls viel Feinarbeit.

Henning Wagner weist den wütenden Kurt Breidenstein verärgert in die Schranken: „Nun habt Euch nicht so, Kurt Breidenstein!“ Zweimal wiederholt er diesen Satz. Beim ersten Mal sei der Tonfall noch zu besänftigend, sagt Birgit Simmler. „Ein bisschen ärgerlicher“ müsse er klingen. Ein weiterer Hinweis: „Das ,Kurt Breidenstein‘ nicht so absetzen.“

Beim dritten Mal gelingt Achenbach der Text perfekt. Sein Part ist die letzte Stelle, die am Sonntag aufgenommen wird. Der letzte Baustein in einer großen Menge an Tonmaterial, aus der Musical-Komponist Paul Graham Brown und Tonmeisterin Katharina Dustmann im Tonstudio heute den endgültigen CD-Mix erstellen.

Bereits am Sonntagvormittag hatte der Chor der Biedenkopfer Grundschule unter der Leitung von Frank Rompf seinen Aufnahme-Termin. Rompf ist in dem Musical selbst zu erleben, in der Rolle des reitenden Boten. Die 40 Kinder seien hochmotiviert gewesen, sagten Birgit Simmler und Marco Ambrosini. „Super“ sei dies gelaufen. Die Grundschüler besingen die Ausfuhr Biedenkopfer Tuchs, die im späten Mittelalter stets groß gefeiert wurde - und im Musical den Auftakt der Handlung bildet.

von Björn-Uwe Klein

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