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Neue Zisterne als Investition in Zukunft

Löschwasserversorgung Neue Zisterne als Investition in Zukunft

Beim Bau der letzten Zuwegung zur „Innenstadt-Insel“ wird eine marode Zisterne entfernt. Ginge es nach der Feuerwehr, würde in der Marktstraße ein neuer Löschwasserbehälter installiert.

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Baumwurzeln haben schon vor Jahren die alte Löschwasserzisterne in der Marktstraße unbrauchbar gemacht. Vor drei Wochen wurde das Standrohr entfernt, das den Behälter „zierte“.Foto: Hartmut Berge

Gladenbach. Seit Mittwochvormittag ist der Vertrag für den Grundstückstausch unter Dach und Fach: Der Abbruch der Rohbaugarage steht kurz bevor. Restarbeiten werden wohl erst im Frühjahr erledigt

Spätestens dann wird die für 1,2 Millionen Euro umgestaltete sogenannte „Innenstadt-Insel“ ihren eigentlichen Zweck erfüllen: Sie soll ihre lange Zeit trennende Wirkung verlieren und zum Bindeglied zwischen Marktplatz und Teichstraße auf der einen Seite sowie Marktstraße auf der anderen Seite werden. Parkareal und Ruhezone sind fertiggestellt und wurden kürzlich ihrer Bestimmung übergeben (die OP berichtete).

Was noch fehlt, sind zwei wesentliche Fußweg-Verbindungen: Der Durchgang zwischen dem früheren Katasteramt und ehemaligen Schlecker-Markt ist zwar auf Umwegen nutzbar, der direkte Durchgang ist aber erst möglich, wenn besagte Rohbaugarage verschwindet.

Letzter Baggereinsatz erfolgt wohl im Frühjahr

Abrissbagger und Lastwagen werden von der Marktstraße aus anfahren. Wenn das Gebäude abgetragen ist, kann die Zuwegung zum hinteren Teil des ehemaligen Schlecker-Marktes provisorisch hergerichtet werden.

Damit ist es der Firma „Pizza Blitz“ möglich, aus einem benachbarten Nebengebäude in diesen hinteren Schlecker-Trakt umzuziehen. Der frei werdende Flachbau samt angrenzender Mauer kann dann ebenfalls abgerissen werden. Damit wäre der zweite große Zugang frei: zwischen der VR-Bank und dem Haus Schlag. Wann Mauer und Flachbau fallen werden, vermag man im Rathaus noch nicht einzuschätzen. Unter anderem hängt dies davon ab, wie schnell der Umzug vonstatten geht. Die offizielle Einweihung, soviel stehe fest, werde erst im Frühjahr erfolgen, kündigt Bürgermeister Peter Kremer an und erinnert, dass fürs Herrichten der beiden Durchgänge noch einiges an Arbeiten zu verrichten sei.

Als vor zwei Wochen die „Innenstadt-Insel“ über die Marktstraße ans Stromnetz angeschlossen wurde, flammte eine Diskussion auf, die eigentlich schon im Sommer beendet schien: Im Zuge der Kabelverlegung wurde auf der Seite der Marktstraße ein alter Oberflurhydrant abgebaut. Der stand auf einer alten Löschwasserzisterne. Wieder wurden Stimmen laut, der Brandschutz in der Innenstadt sei ohne Zisterne nicht gewährleistet. Thematisiert worden war dies bereits im Frühjahr im Bau- und Planungsausschuss und im Kernstadt-Ortsbeirat.

Die Zisterne im Bereich der geplanten Innenstadt-Insel könne nicht mehr genutzt werden, weil Baumwurzeln hineingewachsen seien, berichtete damals Ortsbeiratsmitglied Peter Winkel, der seit vielen Jahren Mitglied in der Gladenbacher Feuerwehr ist. Die freiwillige Feuerwehr schlage den Bau einer neuen Zisterne in diesem Bereich vor, damit genug Löschwasser für den Innenstadtbereich zur Verfügung stehe, sagte er.

Im Bau- und Planungsausschuss wurde das Thema ebenfalls angesprochen. Christiane Becker (CDU) hatte vom Interesse der Kernstadtwehr berichtet, an dieser Stelle wieder eine Zisterne zu bauen. Bauamts­leiter Ulrich Weber gab in der Ausschusssitzung zu bedenken, dass der Platz für eine ausreichend große Löschwasser-Zisterne möglicherweise zu klein sei.

Wasser aus Hydranten reicht für Brandschutz aus

Gleichwohl wollte man im Rathaus die Möglichkeit eines Neubaus prüfen, der auch ent­sprechend gefördert werden könnte. Im Falle eines Neubaus kämen Kosten auf die Stadt zu, die im aktuellen Haushalt und wohl auch im Entwurf für 2015 nicht vorgesehen sind.

Im Rathaus hat man die Hausaufgaben gemacht: Mit den Mittelhessischen Wasserwerken sei das Thema erörtert worden. Über die in der Teichstraße und Marktstraße vorhandenen Hydranten sei die Löschwasser­versorgung in diesem Bereich gewährleistet, sagt Rüdiger Götze von der Stadtverwaltung auf Anfrage der OP. Er ist stellvertretender Leiter des Fachbereichs II und zuständig für den Brandschutz. Götze erinnert daran, dass besagte Zisterne schon lange nicht mehr genutzt werden könne. Zudem gebe es infolge der Neugestaltung der „Innenstadt-Insel“ und des Abrisses von Garagen und einer alten Scheune weniger Gebäude in dem Areal.

Wenngleich der Brandschutz rechnerisch gewährleistet sei, so wäre in der Innenstadt eine Löschwasserreserve doch sinnvoll, sagt Gladenbachs Wehrführer Markus Baumann und macht dies unter anderem an der sehr engen Bebauung in der Marktstraße und oberen Bahnhofstraße fest. „Hier steht oft Haus an Haus“ beschreibt er. Fürs Löschen und das Schützen von Nachbargebäuden seien große Wassermengen nötig.

Er selbst war noch ein junger Kerl, als die alte Zigarrenfabrik in der Adolf-Theis-Straße lichterloh brannte. „Damals waren die Wehren froh, auf die Zisterne in der Marktstraße zurückgreifen zu können“, erinnert er sich.

Wenn es um die Löschwasserversorgung in der Innenstadt geht, dann wird gerne auf das Wasser im Freibad hingewiesen. Zwar steht in den Becken der neuen Außenanlage des Freizeitbades „Nautilust“ nicht mehr so viel Wasser zur Verfügung wie in dem früheren 50-Meter-Freibadbecken, gleichwohl könnte es im Ernstfall genutzt werden. Diese Löschwasserreserve habe aber auch ihre Tücken, weiß Baumann.

Bei Abriss wäre Platzfür neue Zisterne da

Wenn es tagsüber in der Innenstadt brennen sollte und man auf die zusätzliche Löschwasserversorgung aus dem Bad zurückgreifen müsse, dann könne es mit den Einsatzkräften eng werden, sagt er. „An jeder Kreuzung müssten wir eine Schlauchbrücke bauen und je eine Person abstellen. Ein aufwendiges Unterfangen.

Eine Zisterne im Bereich der „Innenstadt-Insel“ hält auch Stadtbrandinspektor Reiner Horak für „wünschenswert und sinnvoll“. Das habe man schon gegenüber der Stadt erklärt. Zwar weiß auch er, dass Ebbe in der Stadtkasse herrscht, doch hat er die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben.

Denn die alte Zisterne muss ausgegraben und das Loch verfüllt werden. Es müssten nur ein paar Baggerschaufeln mehr Erde ausgehoben werden, und der Platz für einen neuen, dann überfahrbaren, Löschwasserbehälter wäre da. Bliebe noch die Frage der Finanzierung.

von Hartmut Berge

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