Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Regen

Navigation:
Neue Wege zur Kür der Kirschkönigin

Onlinevoting oder Wissensquiz? Neue Wege zur Kür der Kirschkönigin

Neben der Verlängerung der Amtszeit der Kirschenkönigin gibt es auch noch andere Denkmodelle, um die Wahlveranstaltung „aufzupeppen“.

Voriger Artikel
Damen-Trio raubt Reimershäuserin aus
Nächster Artikel
Der Vordenker gibt den Vorsitz ab

Fünf Kandidatinnen wie bei der Wahl zur Kirschenkönigin 2015 sind die Ausnahme. Oft müht sich die SEB, genug Anwärterinnen zu finden, damit überhaupt eine Wahlmöglichkeit besteht.

Quelle: Michael Hoffsteter

Gladenbach. Die Wahl zur Kirschenkönigin 2015 ist rum, eine Stunde später befinden sich zwei der fünf Kandidatinnen mit ihrem Gefolge auf dem Heimweg. Befragt, wie sie die Wahlshow empfunden haben, antwortet eine der beiden Wiederholungstäterinnen: „War doch klar, dass sie (Katharina a.d.R.) gewinnt. Wer keinen Verein hinter sich hat, braucht doch gar nicht anzutreten.“

Das Nichtantreten ist ein Problem, mit dem der Veranstalter der Wahl, die SEB Gladenbach, fast jedes Jahr mächtig zu kämpfen hat. So gesehen, war 2015 eine Ausnahme. Eine Lösung für dieses Problem könnte die von Bürgermeister Peter Kremer dem Aufsichtsrat der städtischen Tochtergesellschaft „Stadtmarketing – Energie – Bäder“ gemachter Vorschlag sein, die Wahl der Kirschenkönigin nur noch alle zwei Jahre erfolgen zu lassen.

Dienstwagen für Kirschkönigin?

Die SEB ist für die Organisation des Kirschenmarkts zuständig und hat in den Jahren, in denen Fußball-Europa- oder Weltmeisterschaften stattfinden, für den Wahlabend regelmäßig organisatorische Probleme, weil die Live-Übertragung des Spiels meistens zur selben Zeit laufen würden wie die Wahl der Kirschenkönigin.

Sein Vorschlag sei zwar im Aufsichtsrat gut angekommen, doch „bisher ist noch nichts entschieden“, erklärt Kremer der OP, zumal es auch noch weitere Ideen gebe, über die befunden werden müsse. Um welche es dabei geht, umreißt Axel Baum gegenüber der OP.

Der Gewerbevereinsvorsitzende stellt sich vor, dass die Kirschenkönigin eine Schulung für einen „professionelleren Auftritt“ erhält. Diese soll sie dazu befähigen, bei Auftritten außerhalb der Stadt für diese, ihre Betriebe und 
Attraktionen zu werben. Der erhöhte Aufwand könnte sich für die Kirschenköniginnen auch finanziell lohnen durch eine höhere Aufwandsentschädigung oder gar einen Dienstwagen.

Grundsätzlich sieht Baum wie der Bürgermeister die Vorteile 
einer zweijährigen Amtszeit 
darin, dass die neuen Repräsentantinnen nach dem ersten „Einarbeitungsjahr“, das meistens auch einen persönlichen Reifeprozess mit sich bringt, im zweiten Jahr ihrer Amtszeit richtig genießen können.

Gewerbeverein: 
Wahlmodus aufpeppen

Allerdings spricht Baum auch ein offenes Geheimnis an: Es gab Repräsentantinnen, mit denen man hoch zufrieden war, mit anderen nicht. Zudem war die Bereitschaft zu einem zweiten Amtsjahr, wie bei der aktuellen Regentin, nicht bei allen Kirschenköniginnen vorhanden.

Und noch einen Punkt führt der Vorsitzende auf, den die Gewerbevereinsvertreter schon bei einer Sitzung im August vortrugen, um die Veranstaltung 
insgesamt „aufzupeppen“. Der Wahlmodus müsse überarbeitet werden mit dem Ziel, auch denjenigen Interessentinnen eine Kandidatur mit Aussicht auf Erfolg zu gewährleisten, die keinen Verein im Rücken haben.

Bisher sind die Kandidatinnen bei der Lautstärkemessung im Festzelt im Vorteil, die die meisten „Schreier“ mobilisieren können. Das Glücksraddrehen spielt dabei selten eine Rolle. Auch in diesem Punkt schwebt Baum ein professioneller und vor allem zeitgemäßere Art vor, die vom Online-Voting á la ESC bis zum Wissensquiz über Gladenbach reichen könnte.

Eine gute Chance für Änderungen sieht Baum im nächsten Jahr. Dann befindet man sich nicht nur im Fußball-Loch, was Europa- oder Weltmeisterschaften angeht, und somit ein Turnuswechsel auf zwei Jahre möglich wäre, dann könnte man auch mit einem neuen Festzeltwirt an eine Neukonzeption gehen. Der Vertrag für den derzeitigen Wirt läuft laut Baum in diesem Jahr aus.

von Gianfranco Fain

 

Chancen müssen für alle gleich sein
Die Absicht die Wahl der Kirschenkönigin zu verändern ist durchaus zu begrüßen. Eine Beschränkung der Erneuerung auf die Verlängerung der Amtszeit auf zwei Jahre birgt jedoch Gefahren. Zwar gibt es gute Argumente für eine zweijährige Amtszeit, doch greift diese das Problem nicht bei der Wurzel, sondern wirkt eher so, als ob man sich nur weniger Arbeit bei der Suche nach Kandidatinnen und bei der Organisation der Wahl in Jahren mit Fußball-Großereignissen machen will.

Dabei bleiben die Schwierigkeiten in diesen Jahren bestehen. Trotz Fußball-Großereignis muss an diesen Abenden ein gleichwertiges Programm angeboten werden, das man womöglich auch noch teuer einkaufen muss. Und generell gilt es, die Kandidatur zur Wahl attraktiver zu gestalten.

Eine Verknappung des Wahl-Gutes auf zwei Jahre sowie eine verbesserte Aufwandsentschädigung mögen da einen gewissen Anreiz geben, doch solange potenzielle Interessentinnen nicht zumindest das Gefühl einer Chancengleichheit haben, werden sich die SEB-Vertreter wie bisher so oft weiterhin Mühen müssen, um zum Wahlabend wenigstens zwei Kandidatinnen auf der Bühne zu haben. Die Lösung dieses Problems und die Vermengung von traditionellen mit modernen Elementen beim Wahlakt, sind die Aufgaben, die es zu lösen gilt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr