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Neue Schleife für historischen Weg

Frauenbergschleife Neue Schleife für historischen Weg

Seit Juli hat der Hugenotten- und Waldenserpfad eine neue Wegschleife in der Region. Wanderexperte Gerd Daubert aus Marburg hat für die OP die Schuhe geschnürt und die 42 Kilometer lange Route erkundet.

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Gladenbach. Die 2013 vom Europarat ausgezeichnete Europäische Kulturroute Hugenotten- und Waldenserpfad folgt dem historischen Fluchtweg der Glaubensflüchtlinge aus der Dauphine in Südfrankreich und dem Piemont in Norditalien nach Deutschland. Sie durchquert dabei die heimischen Regionen Lahn-Dill-Bergland, Marburger Land und Burgwald-Ederbergland.

Südlich von Gladenbach, am Fuße des Dreisberges, beginnt die neue Wegschleife. Sie zweigt vom Hugenotten- und Waldenserpfad ab. Der Weg führt durch sanfte Hügellandschaft entlang der Salzböde, vorbei an Wiesen und Weiden – und schon erkennt man durch eine Lücke im Uferbewuchs die etwas höher liegende alte Kirche von Lohra. Talabwärts befindet sich am Ortseingang von Damm eine schöne Rastmöglichkeit und im Ort das Naturkundehaus, in dem der Verein für Vogel- und  Naturschutz Lohra interessante Ausstellungen präsentiert.

Nun verlässt der Weg das Salzbödetal und führt über den mit Mischwald bestandenen Dammelsberg. Ausgangs des Waldes öffnet sich das Blickfeld, man erkennt das Lahntal, die bewaldeten Kuppen der Lahnhänge und dahinter den Frauenberg, mein erstes Hauptziel. An dem kleinen Örtchen Stedebach gehe ich vorbei nach Niederwalgern mit seiner alten Wehrkirche. Im Ort gibt es Verköstigungsmöglichkeiten und  direkt am Weg ein  von Kindern gut besuchtes Spiel- und Experimentierfeld.

Der Weg führt in das hier recht breite Lahntal, vorbei an Kiesseen, hin zur Par-Allna, einem neu geschaffenen Bachlauf und Biotop, gestaltet als Rastplatz für Vögel. Am Ortsrand von Argenstein läuft das Projekt „Zeiteninsel“. Ein
archäologisches Freilichtmuseum soll hier entstehen, ein Nachbau eines germanischen Grubenhauses aus der Zeit um Christi Geburt ist bereits errichtet. Hinter dem Ort führt der Weg über die alte Sandsteinbrücke der ehemaligen Bundesstraße und danach mehrere hundert Meter entlang der Autostraße B 3 – kein  erquicklicher Abschnitt.

Kurz vor Wolfshausen gehe ich in den Wald hinein, wenig später geht es steiler bergauf, südlich an der Kuppe des Rothlaufs vorbei. Mitten im Wald befindet sich an einem Wegekreuz ein schöner Rastplatz unter stattlichen Buchen.

Routenführung lässt historischen Ort links liegen

Als ich den Wald wieder verlasse, sehe ich auf dem gegenüberliegenden Bergrücken die Burgruine Frauenberg. Über Bortshausen führt der Weg dorthin. Zuletzt geht es an einem Waldrand entlang, dann ein kleines Stück steiler bergan bis zu einem Ringweg unterhalb des Bergkegels. Der Weg biegt nach Norden ab, auf die Burgruine Frauenberg führt er nicht, auch ein erkennbarer Hinweis auf diesen bedeutenden historischen Ort mit seiner tollen Aussicht ist nicht zu erkennen – schade für die Wanderer.

Am Ortseingang des Ortsteils Frauenberg begrüßt mich ein Schild, das mich in der Waldenserkolonie Frauenberg willkommen heißt. Aus dem Routenführer entnehme ich, dass man die Familie te Kamp kontaktieren kann, um Informationen und auch eine Führung zu erhalten. Dies ist interessant, so erfährt man mehr über die Waldenserkolonie. Frau te Kamp ist eine Nachfahrin der Waldenserfamilien Brunet und Guigues, die 1687 auf dem Frauenberg angesiedelt wurden. Sie weiß über den Werdegang der beiden Familien bestens Bescheid und zeigt mir deren beide Höfe. Noch heute wohnt die Familie Brunet in einem der Höfe. Auf dem Parkplatz des Hotel-Restaurants Burgruine Frauenberg, das als Herberge zertifiziert ist, steht eine Informationstafel mit Darstellung der Europäischen Kulturroute und zur Kolonie Frauenberg.

Herrliche Sicht auf Amöneburger Becken

Bergab und durch den Eselsgrund geht es auf den Kamm der Lahnberge. Dort verläuft die Route eine Weile in nördlicher Richtung, biegt dann in einer Schleife ab zum Schröcker Elisabethbrunnen, einem historischen und schönen Platz, um eine Rast zu machen. Der Legende nach soll hier die Heilige Elisabeth ihren Durst gelöscht und eine Kapelle erbaut haben. Von hier bietet sich auch eine herrliche Aussicht auf das Amöneburger Becken, die Amöneburg und die Randhöhen des Vogelsbergs.

Weiter geht's zum Gelände der Universität Marburg auf den Lahnbergen. Von dort führt die Route mal leicht bergab, dann wieder etwas ansteigend durch Kiefer- und Buchenwald zum Westrand der Lahnberge. An einem Holzschild, das zur Spiegelslust zeigt, entscheide ich mich für diesen Anstieg. Vorbei an der Gaststätte Spiegelslust gelange ich so zum Kaiser-Wilhelms-Turm und kann von dort den prächtigen Blick auf Marburg mit seiner Altstadt und dem Landgrafenschloss genießen. Steil bergab laufe ich der Stadt entgegen und erreiche später  die Elisabethkirche. Dort stoße ich wieder auf den Hauptweg, den Hugenotten- und Waldenserpfad. Leider fehlt an dieser Stelle ein Hinweis auf diese Europäische Kulturroute, ebenso eine Information über die Rolle Marburgs als Sammel- und Durchgangsort der Glaubensflüchtlinge.

Der Zweigweg ist eine Kulturthemenschleife, die den Europäischen Kulturweg ergänzt, um die Waldenserkolonie Frauenberg einzubinden. Er unterscheidet sich daher von Premiumwanderwegen, die vorrangig Wandererlebnisse und Wandergenuss bieten.

von Gerd Daubert

Region

Lahn-Dill-Bergland, Marburger Land und Burgwald-Ederbergland

Strecke

42 Kilometer

Dauer

1. Etappe bis Frauenberg  (25,7 Kilometer) knapp 6 Stunden
2. Etappe bis Marburg (16,3 Kilometer) knapp 4 Stunden

Höhenlage

170 bis 340 Höhenmeter

Tipps

Gesamte Strecke an einem Tag nur für geübte Wanderer zu empfehlen.

Wanderkarte

Hugenotten- und Waldenserpfad; Routenführer Frankenau–Bad Homburg

An- und Abreise

RMV  und Stadtwerke Marburg – Fahrplanauskunft

Besondere Eindrücke

Schöne Wegeabschnitte in Wäldern, aber insgesamt zu viele befestigte Wege; interessante Infos über Projekt „Zeiteninsel“ und Frauenberg; Aussichten zum Frauenberg und von der Spiegelslust

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