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Neue Galerie beherbergt „die Ablagerung meines Lebens“

Ausstellung Neue Galerie beherbergt „die Ablagerung meines Lebens“

„Die Galerie ist klein. Doch sie kann eine große Bedeutung für die Stadt haben“, findet Biedenkopfs Bürgermeister Joachim Thiemig im alten Bürgermeisteramt des Stadtteils Wallau, wo die Werke des Knstlers Helmut Weber von Wallau zu sehen sind.

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Helmut Weber von Wallau.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Wallau. Viele sind gekommen zur Feierstunde in das alte Bürgermeisteramt von Wallau. Dorthin, wo die Stiftung des Künstlers Helmut Weber von Wallau ihre neue Heimat hat. Mit dem Umzug des Künstlers in das Seniorenzentrum nach Biedenkopf, wurde die auffällige Schaugalerie im früheren Wohnhaus Webers im Lahndorf aufgegeben. Mit der Eröffnung der neuen Räume verfolgt die Stiftung konkrete Ziele: Darin solle das Werk Webers bewahrt sowie jungen Talenten die Chance gegeben werden, ihre Kunst auszustellen.

„Die Förderung begabter Jugendlicher lag Weber von Wallau immer am Herzen“, erinnerte die Stiftungsvorsitzende Doris Kepper. Doch zunächst widmet sich die Galerie Webers Werken, die während der Berliner Jahre entstanden sind. Zwischen 1967 und 1982 lebte der Hinterländer in der geteilten Stadt, in der ihn die weltpolitischen Turbulenzen packten und inspirierten.

Im ersten Raum zeigt die Stiftung kontrovers diskutierte Collagen und Ölbilder, „die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen“, so Kepper. In diesen Werken nahm Weber von Wallau engagiert Stellung zu den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt oder der Rolle des Menschen bei der Zerstörung der Umwelt.

Hinter diesen Werken, blieben die grafischen Arbeiten Webers oft unbeachtet. „Sie aus dem Schattendasein hervorzuheben, ist der Grund der heutigen Ausstellung“, betonte Kepper. Im zweiten Raum zeigt die Stiftung daher Radierungen des Künstlers und dazu Texte des Lyrikers Dieter Straub. Beide Männer lernten einander in Berlin kennen und gaben die gemeinsamen Arbeiten zum 50. Geburtstag Webers 1974 heraus.

„Der Zusammenarbeit liegen Gedanken zugrunde, denen jeder der Künstler mit seiner eigenen Sprache Ausdruck verleiht“, erklärt Kepper. Zunächst schuf Weber, der Maler, die Grafiken und anschließend formulierte Straub, der Lyriker, die Verse. Die Kompositionen erzählen vom „Flug der Träume“ und dem „Fluss des Lebens“, in dem der Mensch oft wie Treibholz trudelt, auf der Suche nach einem Ankerplatz und Geborgenheit.

Weber von Wallaus Grafiken beschreibt die Stiftungsvorsitzende als „Arbeiten von einer bemerkenswerten Unauffälligkeit und einer empfindsamen Sensibilität, die die Gefahr des Übersehen-Werdens in sich bergen“. Doch auch nach fast 40 Jahren habe die Edition in auffälliger Weise einen Hauch von Frische bewahrt, die auf die Verbindung von realistischen mit surrealistischen und abstrakten Elementen zurückgeführt werden könne, beschreibt Kepper.

Wegen seiner Rückkehr in das Hinterland bescheinigte Bürgermeister Thiemig von Wallau eine „tiefe Verbundenheit mit seiner Heimatstadt“ und entlockte dem Maler ein Schmunzeln, als er ihn als „unangepassten Künstler“ charakterisierte.

Danach mischte sich Weber unter die Besucher, plauderte über Leben und Wirken. Bescheiden nennt er die neue Galerie, in deren Hinterzimmern ein Großteil seiner Arbeiten liegen, die „Ablagerung meines Lebens“. Den Betrachtern seiner Werke wünschte er „viel Vergnügen - oder nicht!“ Bis heute ist die Kunst eine tragende Säule seines Alltags. In ihrer Hommage an den alten Freund dichtete Erika Berge treffend: „Sein Leben heißt malen, ist seine Welt, die ihn bis heute gefangen hält.“ nÖffnungszeiten der Galerie: montags, mittwochs und sonntags von 16 bis 18 Uhr. Die Ausstellung „Zwei Sprachen - ein Gedanke“ mit Webers Werken ist bis zum 12. Mai zu sehen.

von Benedikt Bernshausen

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