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Namensgeber steht im Mittelpunkt

14. Sauplasterfest Namensgeber steht im Mittelpunkt

Weidenhausens Heimatverein widmet dem Namensgeber des „Sauplasterfestes“ ein Begleitheft. Die 14. Auflage des Festes findet am 6. September statt.

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Dorfgeschichte zum Anfassen will der Heimatverein bieten. Deshalb sind beim „Sauplasterfest“ Ferkel zu sehen. – Hausschlachtungen gehörten früher auch in Weidenhausen zum Dorfbild (kleines Bild).Archivfotos

Quelle: FRANK RUMPENHORST

Weidenhausen. Das Schwein war jahrhundertelang eine wichtige Nahrungs- und Einnahmequelle. Früher gehörte es zum Dorfbild, fast jeder, der ein wenig Platz um sein Haus hatte, hielt sich sein „Wutzchen“. Daran und an vieles mehr erinnern Jochen Becker und Rainer Bastian vom Heimatverein Weidenhausen in einer 40-seitigen Broschüre. Als im vergangenen Jahr die Planungen für das bevorstehende Fest begannen, war schnell klar, das man sich erstmals mit dem Thema „Schwein“ beschäftigen wollte.

Das Hausschwein gehörte auch in Weidenhausen zum dörflichen Alltag und damit zur Geschichte der Landwirtschaft. Sehr schnell habe man bei den Recherchen für das Begleitheft festgestellt: „Es gibt ja gar keine Schweine mehr in Weidenhausen“, sagt Jochen Becker. Ende 2013 hielt lediglich noch eine Familie ein paar Schweine zur Hausschlachtung. Zudem halte ein Landwirt vorübergehend rund 30 Mastschweine, weil er aus dem Getreideanbau genügend Futter übrig habe.

Seit 1960 gab eine kleinbäuerliche Familie nach der anderen die Landwirtschaft auf, aus kleinen Gehöften wurden Wohnanlagen, stellen die Autoren fest. Die Mistkauten wurden entfernt oder in Blumenbeete umfunktioniert. Und aus manchem Stall wurden eine Garage.

Für das Verschwinden des Hausschweins aus Weidenhausen haben die Autoren mehrere Gründe ausfindig gemacht.

Als Einkommensquelle taugte die Schweinehaltung nicht mehr, weil die Schweinefleischpreise verfielen, demgegenüber steigen die Futtermittelpreise stetig an. Auch der Anbau von eigenem Futter - wie etwa Kartoffeln - war unrentabel.

Hinzu kam die nicht gerade angenehme Arbeit bei den Hausschlachtungen. Und über die Geruchsbelästigungen regte sich auch die Dorfbevölkerung zunehmen auf. Die jüngere Generation ernährt sich bewusster, ist weniger Wurst und fettes Fleisch. Zucht, Mast und Schlachtung sind weitgehend industrialisiert.

Veranstaltung steht unter dem Titel „Schwein gehabt“

Bastian und Becker kommen zu dem Schluss: „Seit dem Verschwinden der Schweine aus Weidenhausen sind wir auf dem besten Weg uns durch den Verzehr von Industriefleisch selbst zu vergiften.“

Diese Entwicklung hat sogar Auswirkungen auf das bevorstehende Sauplasterfest, bei dem den Gästen Geschichte so anschaulich wie möglich vermittelt werden soll. Ein Borstentier zum Anfassen soll auf jeden Fall für die Ausstellung „verpflichtet“ werden. „Ein Hybridschwein“ würde das wohl nicht überleben und vermutlich an einem Herzschlag sterben“, vermutet Jochen Becker. An alte, belastbare Rassen sei schwer heranzukommen, sagt er. Deshalb wird man wohl auf kleine Ferkel zurückgreifen, die vor allem beim jungen Publikum gut ankommen dürften.

Das Fest steht unter dem Titel „Schwein gehabt“ und beginnt am Samstag, 6. September, um 10 Uhr. Austragungsort ist seit 2012 „Hinz Hoob“, das vom Heimatverein betriebene Regionalmuseum.

Mit integriert in das Geschehen sind auch die umliegenden Straßen, die an diesem Tag von der Stadt gesperrt werden. Für die Besucher wird ein Programm mit Ausstellungen und Aktionen vorbereitet.

Ein Schwerpunkt soll die Hausschlachtung sein. Weidenhäuser Metzger werden die zur Schlachtung nötigen Utensilien zeigen, vom Brühtrog bis zum Krummholz. Die Fachleute werden die Gerätschaft erläutern .

Ein kleiner Kartoffeldämpfer, eine Kartoffelpresse, selbst Futtertröge und allerlei „Dibbercher“ sind zu sehen. In Planung ist der Vortrag von Mundartgedichten rund um das Schwein.

Passend zum Leitthema wird den Besuchern eine Hausmacherwurst angeboten. Frisch vom Grill gibt es zudem Kotelett. Für die jüngsten Besucher wird wieder ein Kinderkarussell aufgebaut.

von Hartmut Berge

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