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Nahost aus eigener Sicht

Vortrag Nahost aus eigener Sicht

Zu einem Vortrag des Nahostkorrespondenten Johannes Gerloff kamen 70 Zuhörer zur Evangelischen Gemeinschaft Hartenrod.

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Prediger Helmut Blatt (links) interviewte zu Beginn des Vortrags Johannes Gerloff zu seinem Werdegang und zu seiner Arbeit als Nahostkorrespondent.

Quelle: Adrianna Michel

Hartenrod. „Es war ein informationsreicher Abend, der zum Nachdenken bringen sollte, aber am Ende nicht sämtliche Fragen beantworten sollte“, stellte Helmut Blatt, Prediger bei der Evangelischen Gemeinschaft Hartenrod, am Donnerstagabend fest.

Als Referent war Theologe und Nahostkorrespondent Johannes Gerloff gekommen. Noch am Morgen war Gerloff in Israel unterwegs, wo er seit 1994 mit seiner Familie lebt. Gerloff referierte zum Thema „Israel aktuell – Können wir die Hand Gottes erkennen?“. Da das Thema auf großes Interesse stieß, waren zum Vortrag auch zahlreiche Mitglieder anderer christlicher Gemeinden gekommen. Damit die Zuhörer den Nahostkorrespondenten des Christlichen Medienverbundes KEP besser kennen lernen konnten, interviewte Prediger Blatt den Gast.

Gerloff berichtete, dass er in Jerusalem mit seiner Frau und seinen fünf Kindern lebe und dass ein guter Theologe nichts anderes mache, als ein Journalist. „Auch der Theologe muss Texte verstehen und den Zusammenhang erkennen können. Die Bibel ist da ein gutes Vorbild für den Journalismus“, sagte Gerloff.

Der Vortrag bestand zunächst aus einem biblischen Teil. „Ich lese Ihnen nicht auf Hebräisch vor, um anzugeben, sondern, um Ihnen zu zeigen, wie jüdische Menschen die Bibel verstehen“, betonte Gerloff. Nach einem Schnitt ging der Israelexperte in seinen politischen Teil über. Auf sehr energische, leidenschaftliche und beeindruckende Weise berichtete Gerloff von der Problematik im Nahen Osten. „Heute fordern alle, vor allem der Westen und auch Israel, einen selbstständigen Palästinenser-Staat, bei meinen Befragungen auf der Straße habe ich aber festgestellt, dass die einzigen, die keinen Staat Palästina wollen, die Palästinenser selbst sind“, teilte Gerloff seine Einschätzung mit. Er begründete seine These damit, dass es keinen anderen arabischen Staat geben würde, der freier ist, als Palästina unter israelischer Besatzung.

Gerloff ging schließlich auf die Ursachen ein, aufgrund derer der Friedensprozess nicht funktioniert habe. „Der Westen hat seine Vorstellungen dem Nahen Osten übergestülpt. Es wurden Erwartungen geweckt, die unerfüllbar sind. Die Zwei-Staaten-Lösung hat sich festgehämmert. Es kann aber nur Frieden geben, wenn die Palästinenser und Israelis lernen, sich in einem gemeinsamen Staat zu arrangieren“, trug er vor.

Der Nahost-Experte ging am Ende auch auf Fragen aus dem Publikum ein. Bodo Uflacker aus Weilmünster wollte wissen, ob nicht gegen eine Zwei-Staaten-Lösung sprechen würde, dass es dann einen Krieg um das Trinkwasser geben würde. Gerloff betonte, dass dies vermieden werden könne, wenn die gesamte Region, damit auch die Nachbarländer, zusammenarbeiten und Israel seine Landwirtschaft umstelle, damit es weniger Wasser verbrauchen würde.

Ein anderer Zuhörer erkundigte sich, ob es tatsächlich so zeitaufwendig sei, den von Israel errichteten Grenzzaun zu passieren. Gerloff verneinte dies und berichtete, dass ein Palästinenser, der nach Israel zur Arbeit muss, höchstens zwei Stunden an der Grenze warten müsste.

von Adrianna Michel

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