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Musical-Chor klingt klar und imposant

„Der Postraub“ Musical-Chor klingt klar und imposant

Am Wochenende studierte der „Postraub“-Musical-Chor Stücke für die Aufführung im August ein. Zum ersten Mal hörte Komponist Paul Graham Brown seine eigenen Lieder.

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Paul Graham Brown blickt den Tenören über die Schulter und stimmt beim Singen mit ein.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Biedenkopf. „Ich freue mich wahnsinnig, dass ich etwas höre – und zwar nicht nur meine Stimme“, sagte Paul Graham Brown. Er und „Postraub“-Autorin Birgit Simmler begrüßten die Chor-Mitglieder in der Biedenkopfer Musikschule „Da Capo“.

Mehr als die Häfte der 18 Sänger kennen Simmler und Brown vom Vorgänger-Projekt „Eingefädelt“, das die Biedenkopfer Schlossfestspiele über die Landesgrenze hinaus bekannt gemacht hat. Diesmal sei vieles anders: Musik, Charaktere und Bühnenlogistik. Der ein oder andere sei nicht bei allen Nummern dabei, dafür aber szenisch eingeplant, sagt Simmler.

„Silvia Salzbauer hat viel mit euch vor“, kündigt sie an. Der Chor soll sechs Lieder singen, davon zwei Reprisen, das Wiederholen einer Musiknummer an späterer Stelle. Dann berichtet Simmler noch, dass es im Stück zehn Solistenrollen gibt – Patrik sei auch dabei. „Ist das der Gutaussehende?“, will eine junge Sängerin wissen und revidiert sogleich ihre Aussage, als Simmler fragt: „Ist das dein Typ?“ Sie sei doch erst 15 – also viel zu jung.

Erst verhalten, dann kraftvoll

„Na, ihr lernt euch alle noch kennen“, sagt Simmler, bevor sie zum Proben an Chorleiterin Salzbauer übergibt. Geprobt wird das Lied „Amerika“, die allerletzte Nummer im Stück. Die Sänger sitzen im Halbkreis, an der offenen Seite steht Silvia Salzbauer und ein Flügel. In der Mitte stehen Stifte, damit sollen sich die Sänger ihre Einsätze markieren, „falls sich das jemand notieren will“, sagt Salzbauer. „Amerika“ sei eine bombastische Nummer.

Salzbauer gibt den Takt zum Sprechen des Liedtextes mit der Hand auf den Flügel klopfend vor, erst langsam, dann schneller. Aus dem Stuhlkreis wird ein Bass-Sänger aufgefordert, einen Platz bei den anderen Bässen einzunehmen. Beim ersten Vorspielen, summen die Sänger mit. Dann lässt Salzbauer die Tenöre singen. „Lassen wir mal so stehen“, sagt Salzbauer. Brown stellt sich hinter die Bassstimmen, setzt seine Brille auf und nimmt sich ein Notenblatt.

Der Gesang der Sopranisten klingt noch sehr verhalten. „Gut, aber probiert mal alle, so gut es geht, mitzumachen. Dann singen die Altstimmen, dann Sopranisten und Altstimmen zusammen. „Das Wort ,Mensch‘ ganz kurz“, weist Salzbauer an. Beim zweiten Mal klingt der Gesang schon viel besser. Brown singt bei den Männerstimmen mit, abwechselnd mal Tenor, mal Bass.

„Machen wir noch mal“, sagt Salzbauer. Sie will den Schluss höher gesungen haben. Sie lässt die Männerstimmen auf das Kommando 1, 2, 3, 4 . . . 1 zusammen einstimmen, dann die Bässe und die Sopranisten. Jetzt erfüllt der Gesang den kleinen Nebenraum der Musikschule. Die Stimmen klingen klar und kräftig. Noch beeindruckender wird es, als alle Männer- und Frauenstimmen gemeinsam einstimmen.

„Für‘s erste Mal sehr gut“

Sie singen im Stehen – der erste Durchgang ist fast geschafft. „Wir fangen noch mal von vorne an. Ich versuche euch zu treiben“, sagt Salzbauer. „Schneller“, kommandiert sie und blickt zu Brown: „So schnell wird es doch auf jeden Fall, oder?“ Brown trinkt einen Schluck aus einer Wasserflasche und nickt. Der Komponist verschränkt die Arme vor seinem Körper und hört zu.

Er will, dass das Wort „Mensch“ noch ein bisschen höher interpretiert wird. Auch beim Wort „Reich“ von Reichtum gibt es Probleme. „Stimmt noch nicht ganz genau“, sagt Salzbauer und tröstet: Es sei eine schwierige Stelle. Beim nächsten Mal ist die Chorleiterin zufriedener mit der Leistung. Doch es reicht noch nicht ganz. Beim erneuten Versuch klingen die Stimmen dann viel gewaltiger. „So würde ich es erst einmal stehen lassen“, sagt Salzbauer.

Doch Brown ist kritisch. „Reichtum ist schwer“, sagt er wie zu sich selbst, geht rüber zum Flügel und greift in die Tasten. Salzbauer stellt sich vor den Chor und fängt an zu dirigieren. Jetzt passt alles auf den Punkt: die Stimmen, die Atmung, der Schluss. „Für‘s erste Mal sehr gut“, lobt sie. Der Chor nimmt sich ein weiteres Lied vor: „Wedding Day“. Es eröffnet den zweiten Akt des Musicals. „Der Raub war erfolgreich, es gibt eine Hochzeit und ein Riesen-Fest. Den Refrain üben wir jetzt“, sagt Salzbauer und teilt zunächst die Stimmen ein, die zuerst proben.

von Silke Pfeifer-Sternke

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