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Müllverband setzt auf Zukunftskarte

Geschäftstätigkeitsausweitung Müllverband setzt auf Zukunftskarte

Trotz der beschlossenen Gebührensenkung in Höhe von 624000 Euro verfügt der Müllabfuhrzweckverband Biedenkopf noch über eine Rücklage von rund 2 Millionen Euro. Wie viel davon an die Kunden zurückfließt, ist noch zu beschließen. Zuvor sollen die Investitionen in einen neuen Verwaltungsstandort, einen Wertstoffhof und in mehr Personal bewältigt werden.

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Ohne Widerspruch stimmten die 18 anwesenden Vertreter der 25 Mitglieder des Müllabfuhrzweckverbands (MZV) Biedenkopf am Donnerstagabend für die Umsetzung der Ergebnisse eines Organisationsgutachtens sowie für eine neue Abfallsatzung.

Aufgrund der verminderten Gebühren, die nun rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres gültig sind, kommen die rund 96000 Kunden im Einzugsbereich des MZV von Breidenbach bis Wohratal und von Biedenkopf bis Fronhausen in den Genuss einer Rückzahlung von insgesamt 624000 Euro. Diese wurde ermöglicht durch höhere Erlöse und verminderte Abfuhrgebühren (die OP berichtete mehrfach).

Die Entleerungsgebühren für alle Gefäße außer den 240-Liter-Behältern für Biomüll, die gleich bleiben, sind um rund 4 bis 41 Prozent reduziert.

Zum anderen gaben die Vertreter der MZV-Kommunen ihre Zustimmung zur Planung einer Neuausrichtung des MZV. Die Grundlage dafür bildet ein Organisationsgutachten, dessen Ergebnisse der Verbandsversammlung vorgetragen wurden. Der Diplom-Ingenieur Heie Erchinger und Rechtsanwalt Jens Kröcher kommen zu dem Schluss, dass sich der MZV angesichts des begonnenen „Wettlaufs um die Wertstoffe“ entscheiden müsse zwischen:

  • den Ausbau der Wertstofferfassung,
  • die Beschränkung aufs Rumpfgeschäft.

Die Befassung mit dem Rumpfgeschäft würde bedeuten, dass sich der MZV mit den kostenintensiven Arbeiten befassen würde, während die lukrativen Aufgaben von anderen Unternehmen übernommen würden. Während der Ausbau der Wertstofferfassung zwar die Aussicht auf höhere Erträge birgt, weil bis auf den Bioabfall mittlerweile alle anderen anfallenden Abfälle einen „Marktwert“ haben, also Wertstoffe sind. Dieser bedinge allerdings auch Änderungen im Personalbestand und der logistischen Kapazitäten.

Um die zusätzlichen Aufgaben meistern zu können, müssten die 9,5 Stellen der MZV-Verwaltung um einen Mitarbeiter für die technische Leitung und einen für die Abfallberatung/Öffentlichkeitsarbeit erweitert werden.

„Ab und zu brennt es in der Geschäftsstelle“

Diese Aufstockung des Personals wäre arbeitsplatzmäßig vermutlich ohne weiteres zu bewältigen. Wie Verbandsvorsitzender Peter Pfingst nämlich informierte, ist die beabsichtigte Erweiterung der Verwaltungsstelle in Breidenbach nicht möglich. Das haben Gespräche mit der Gemeinde ergeben. Nun sucht der MZV nach geeigneten Räumen in einer der Verbandskommunen für einen Verwaltungssitz sowie einen Wertstoffhof. Dort sollen die Sammlung, die Trennung und die Verwertung von Wertstoffen wie Metall und womöglich Elektroartikel bis hin zu Altkleidern erfolgen.

Kritisch hinterfragt wurde die vorgeschlagene Aufstockung und die Verbesserung der Qualifikation des Personals. Ob es eine „Struktur de luxe“ geben soll oder nur eine, mit der die Aufgaben bewältigt werden können, wollte Detlef Ruffert wissen. Man habe nur 8 Stellen im Haushalt vorgesehen und behelfe sich seit einiger Zeit aufgrund von langfristigen Krankheitsausfällen und Schwangerschaftsvertretungen mit Aushilfen und mit befristeten Verträgen, erklärte Pfingst.

Und Vorstandsmitglied Kai-Uwe Spanka wies auf die Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern hin, die Mehrarbeit und Überstunden leisteten, um die Aufgaben zu bewältigen: „Ab und zu brennt es in der Geschäftsstelle“, verdeutlichte Wetters Bürgermeister die Situation.

Pfingst wies darauf hin, dass der Personalkostenanteil beim MZV nur 5 bis 6 Prozent der Gesamtausgaben ausmache und die Öffentlichkeitsarbeit eine gesetzliche Pflichtaufgabe sei, die beim MZV bisher unzureichend erfüllt werde. Erchinger ergänzte, dass der MZV durch die beiden neuen Stellen auf einen Personalkostenanteil von rund 7 Prozent kommen werde, wobei 12 Prozent in der Branche nicht unüblich seien. Kröcher verdeutlichte, dass der MZV schon seine Aufgaben mit dem derzeitigen Personal nicht weiterführen könne und bei einer Aufgabenerweiterung erst recht nicht.

Vorgesehen sind weitere Gebührensenkungen

Mit anerkennenden Worten für die Leistungen der Verwaltungsangestellten stimmte die Versammlung der Personalaufstockung zu, wobei die Verträge noch zur Zustimmung vorzulegen sind. Ein Konzept für die Wertstoffverwertung wird den Vertretern noch vorgelegt.

Pfingst bezeichnete diese Rückzahlung als „Einstieg“ zu weiteren Rückzahlungen, denn der MZV verfüge noch über Rücklagen in Höhe von rund 2 Millionen Euro. Wie diese verteilt werden, soll abhängig von der Personal- und Geschäftsstellenentwicklung entschieden werden.

von Gianfranco Fain

MZV-MüllGebühren

Die neue Gebührenordnung sieht folgende Sätze vor:

  • Restmüll: 80-Liter-Behälter, 4-wöchige Leerung, 75 Euro (-16,67 Prozent) / 2-wöchige Leerung 153 Euro (- 13,07%);
  • 120-Liter-Behälter, 114 Euro (-10,94%)/228 Euro (-8,80%);
  • 240-Liter-Behälter, 225 Euro (-6,64%)/450 Euro (-4,46%);
  • 1100-Liter-Behälter, 2-wöchige Leerung 2076 Euro (-13,72%), wöchentliche Leerung 4179 Euro (-11,92%);
  • 70-Liter-Sack, 6 Euro.
  • Bioabfall, 2-wöchige Leerung: 120-Liter-Behälter, 33 Euro (-8,33%), 240-Liter-Behälter, 60 Euro (gleichbleibend), 1100-Liter-Behälter, 288 Euro (-41,10%); Zusatzgebühr: 2-wöchige Leerung: 120-Liter-Behälter, 72 Euro (-7,69%), 240-Liter-Behälter, 117 Euro (gleichbleibend), 1100-Liter-Behälter, 666 Euro (-13,62%).
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