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Mobilität zum verbilligten Preis

Resolution Mobilität zum verbilligten Preis

Nach der Idee der Flüchtlingshilfe Gladenbach soll Sozialschwachen ab 2017 mehr Mobilität ermöglicht werden, indem sie zu verbilligten Preisen den Öffentlichen Nahverkehr nutzen können.

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Damit Sozialschwachen mehr Mobilität ermöglicht wird, bringt die Flüchtlingshilfe Gladenbach die Idee einer „Landkreis-Card“ in den Kreistag ein. Damit soll ein verbilligtes Busfahren möglich werden, um die Chancen der Teilhabe zu erhöhen. Foto: Silke Pfeifer-Sternke

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Gladenbach. In einem ersten Schritt hat die Flüchtlingshilfe Gladenbach auf Grundlage eines einstimmigen Beschlusses im September Unterstützer für ihre Idee gesucht. 16 Institutionen und Vereine sowie zahlreiche Privatpersonen haben sich der Resolution angeschlossen, die dem Kreisausschuss und dem Kreistag vorgelegt werden soll. Das Ziel der Flüchtlingshilfe ist es, dass ab kommendem Jahr nach dem Muster des „Marburger Stadtpasses“ eine „Landkreis-Card“ für Bedürftige eingeführt wird. Unter die Zielgruppe sollen nicht nur Flüchtlinge fallen, sondern auch Rentner, Alleinerziehende, Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger. Die Bedürftigkeit müsse ebenso wie bei dem „Marburger Stadtpass“ nachgewiesen werden, sagt Siegfried Seyler. „Es geht uns um Mobilität, um die Chancen für sozialschwache Gruppen im Kreis zu erhöhen“, sagt er.

Im zweiten Schritt will die Flüchtlingshilfe nun auch die VdK-Gruppen, die Kirchengemeinden und die Seniorenbeiräte der Städte und Gemeinden im Kreis mobilisieren, damit das Vorhaben auf eine breitere Basis an Befürwortern gestellt wird, berichtet Carmen Pflug. Damit wolle man die Ausgangslage für die Einbringung der Resolution in den Kreistag erhöhen. Dazu müsse ihre Idee an die Abgeordneten herangetragen werden - vor allen auf diejenigen Kreistagsabgeordneten, die auch in Gladenbach leben, setzen die Aktiven der Flüchtlingshilfe. Ihnen wollen sie in einem Gesprächstermin ihre Idee schmackhaft machen. „In der Hoffnung, dass sie für unsere Idee werben“, sagt Pflug.

Die Idee bewege die Flüchtlingshilfe schon seit Längerem, da sich die Infrastruktur im Landkreis weiter verschlechtere. Zum Wegfall des Notdienstes kommen überlastete Arztpraxen hinzu, sodass Kranke vermehrt auf behandelnde Ärzte in Nachbargemeinden ausweichen müssten.

„Je mehr Einsteiger, umso öfter fahren die Busse“

„Da dachten wir: Mensch da muss was passieren“, sagt Pflug. Kurze Wege seien nur noch realisierbar, wenn man nach Marburg umziehen würde. Doch dort herrsche bereits ein Mangel an Wohnraum. Die Menschen blieben eher auf dem Land, wenn die Mobilität preiswerter wird, sagt Seyler. Für ihn wäre es ein tolles politisches Signal, wenn der Landkreis die Idee der Flüchtlingshilfe umsetzen würde.

Es sei auch nicht wichtig, dass damit weitere Vergünstigungen verbunden sind wie bei dem „Marburger Stadtpass“, der ­unter anderem zusätzlich zu ­einer günstigeren Monatskarte­ für den öffentlichen Nahverkehr auch vergünstigten Eintritt ins Hallenbad Wehrda und das AquaMar vorsieht sowie den Besuch von Volkshochschulkursen zu günstigeren Konditionen für „Stadtpass“-Besitzer.

In welcher Höhe eine Vergünstigung für Sozialschwache im Landkreis möglich wäre, darüber will sich die Flüchtlingshilfe kein Urteil anmaßen. Den Aktiven sei es nur wichtig, dass die Idee überhaupt auf den Weg gebracht wird. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Einführung einer „Landkreis-Card“ auch den öffentlichen Nahverkehr stützt. „Wenn es mehr Nutzer gibt, dann wird der Anbindungslücke entgegengetreten“, ist sich Seyler sicher und ergänzt: „Je mehr Einsteiger, je öfter fahren die Busse“.

Die Flüchtlingshilfe verspricht sich von der „Landkreis-Card“ zudem eine verbesserte Teilhabe Sozialschwacher an kulturellen Angeboten: Kino- und Theater-Besuche sowie die Teilnahme an sportlichen Veranstaltungen. Dadurch, dass es während des Umsetzungsprozesses keine gravierende Kritik gegeben hat, gehen Seyler und Pflug davon aus, dass das Vorhaben auch im Kreistag Befürworter findet. „Wir haben die Gremien, auf die es ankommt, eingebunden“, sagt Seyler.

von Silke Pfeifer-Sternke

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