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Mobile Kastrations-Klinik soll Katzenleid mildern

Premiere Mobile Kastrations-Klinik soll Katzenleid mildern

Um die unkontrollierte und übermäßige Vermehrung von Katzen einzudämmen, wurden am Donnerstag in Weifenbach einige Tiere eingefangen und in einer mobilen Tierklinik kastriert.

Weifenbach. Eine Premiere außergewöhnlicher Art fand am Donnerstag in Weifenbach statt. Dort war die neue Mobile Tierklinik des Landestierschutzverbandes Hessen (LTSV) erstmalig im Einsatz. Sinn der Aktion war es, verwilderte Katzen zu kastrieren um eine weitere unkontrollierte Vermehrung der Tiere zu verhindern. Schon am Vorabend waren im Dorf zahlreiche Fangkästen mit Lockfutter aufgestellt worden, in denen dann am Morgen zehn Katzen gefangen waren. Dann wurde Tierärztin Stefanie Bissbort in der „Mobilklinik“ aktiv: Narkose, Untersuchung, Operation. Nach dem Eingriff erhielten die vierbeinigen Patienten noch Antibiotikum und Schmerzmittel. In einer Box konnten die Tiere aufwachen und wurden dann wieder in die Freiheit entlassen.

Die Mobile Klinik hatte der LTSV eigens für die Kastrationseingriffe einrichten lassen. Der Kastenaufbau eines Kleintransporters bildet den Behandlungs- und Operationsraum des „Klinikmobils. Alle erforderlichen Geräte, wie beispielsweise schwenkbarer OP-Tisch, Beleuchtung, Heizung, sind eingebaut. Tierapotheke und Behandlungsmaterial stehen gut sortiert und griffbereit zur Verfügung. Das Fahrzeug selbst wurde vom LTSV gebraucht erworben. Erwerb und Umbau hätten 30000 Euro gekostet. Dies sei durch Mitgliederbeiträge und Spenden finanziert worden, erklärte Ralf Kurtze, Geschäftsführer des Landesverbandes. Angestoßen wurde die gesamte Aktion durch die Weifenbacherin Bettina Künkel. Schon seit Jahren war ihr die Vielzahl verwilderter Katzen in ihrem Heimatort aufgefallen. Weit über zwanzig waren es gewesen. „Das ist gerade im Winter eine Katastrophe, die Tiere hungern und sind krank, das sieht man ihnen an“, beklagte sie.

Künkel hatte sich wegen dieser Zustände an den Tierschutzverein Marburg und Umgebung gewandt und durch dessen Vorsitzende Siegrid Schmeer Unterstützung erhalten. Schmeer organisierte dann den Einsatz des Klinikmobils. Somit trat der Landestierschutzverband auf den Plan, der auch die Kosten für den Einsatz in Weifenbach trägt. Dessen Geschäftsführer Kurtze war mit vor Ort. „Wenn sich eine Hauskatze aus der Versorgung des Menschen gelöst hat, kann sie sich selbst nicht mehr ausreichen ernähren“, erklärte er. Die Gefahr bestehe gerade bei einem höheren Katzenbestand. Katzenjunge würden außerhalb von Siedlungen geboren, hätten keinen Bezug mehr zum Menschen und würden somit verwildern. Es sei ein Elend, weil die Katzen dann teilweise schwer erkrankten und sich selbst überlassen seien. Daher müsse die Vermehrungsrate eingedämmt werden. Das sei der Sinn des Klinikmobils.

Siegrid Schmeer sieht auch die Städte und Gemeinden in der Verantwortung. Das Landeskabinett in Wiesbaden hat im September den Weg geebnet für die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht freilebender Katzen. Nun können Städte und Gemeinden selbst entscheiden, ob und wie sie die im Bundestierschutzgesetz Paragraf 13b verankerte Rechtsverordnung zum Schutz freilebender Katzen umsetzen wollen. Siegrid Schmeer erhofft die Umsetzung der Kastrationspflicht für alle freilaufenden Katzen, die zudem noch mit einem Erkennungschip versehen werden sollten, um deren Herkunft ermitteln zu können. Das willkürliche Aussetzen der Tiere könne damit zumindest stark reduziert werden.

Für den Einsatz des neuen Fahrzeugs bestehen hessenweit bereits weitere Anfragen von kooperativen Tierschutzvereinen.

von Heribert Theis

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