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Mit dem Schulbus zur Trauung

"school bus" Mit dem Schulbus zur Trauung

Parken ist am historischen Rathaus in Köln verboten - eigentlich. Doch nachdem das Brautpaar den amerikanischen "school bus" verließ, stellte Uwe Opitz das Fahrzeug davor ab und wurde zur Attraktion.

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Julian Schmidt ist Besitzer eines „school bus“. Die Sendung „Simpsons“ brachten den Feudinger auf die Idee, das amerikanische Fahrzeug anzuschaffen. Uwe Obitz (kleines Foto, rechts) fuhr damit eine Hochzeitsgesellschaft nach Köln.Fotos: Benedikt Bernshau

Quelle: Benedikt Bernshausen

Holzhausen . Der Holzhäuser Uwe Obitz steuerte keinen gewöhnlichen Reisebus durch die Kölner Innenstadt, sondern einen amerikanischen „school bus“, eine Rarität auf Deutschlands Straßen. In Gummersbach hatte der Hinterländer zuvor ein Brautpaar abgeholt und zur Trauung in die Rhein-Metropole gefahren.

„Dort wurden die Paare wie am Fließband getraut“, erinnert er sich - und damit auch an den Betrieb vor dem Standesamt. Trotz der Bitte eines Mitarbeiters der Stadt wartete Obitz auf die Rückkehr „seiner“ Hochzeitsgesellschaft direkt am Rathaus, wo der Oldtimer für Aufsehen sorgte. Schaulustige knipsten Fotos, interessierte Väter mit ihren Söhnen warfen einen Blick ins Innere. Daran ist Uwe Obitz gewohnt.

„Viele kommen und wollen ein Bild machen oder winken mir zu, wenn ich unterwegs bin“, berichtet der Holzhäuser. Davon kann auch Julian Schmidt berichten, dem Jungunternehmer gehört der Ami-Bus. Uwe Obitz fährt für ihn und arbeitet zudem im Familienbetrieb von Schmidts Vater nebenberuflich als Reisebusfahrer - auch Julian Schmidt fährt im Hauptberuf Touristen durch Europa.

„Doch ich wollte mich verändern“, erinnert er sich. Zwar stand weiterhin die Personenbeförderung im Fokus, doch mit anderen Fahrzeugen. Vor sieben Jahren wuchs der Gedanke, eine Limousine anzuschaffen. Nach anfänglichen Bedenken - die vor allem andere hatten - realisierte er seine Vision und kurvt seitdem mit dem weißen Koloss über die heimischen Straßen. Gebucht wird der Ford Lincoln oft von Menschen aus dem Hinterland, die sich stilecht in die Disco, ins Casino oder zur Trauung fahren lassen. Einmal wurden Julian Schmidt und die Stretch-Limo für eine Fernsehproduktion gebucht und sogar Uwe Ludolf hat schon einmal auf den bequemen Ledersitzen Platz genommen.

„Das Tolle ist, dass die Kunden immer gut gelaunt einsteigen“, weiß Schmidt, der im Linienbus-Verkehr andere Erfahrungen sammelte. Acht Personen darf der Feudinger im Gastraum der Stretch-Limousine befördern. Anfragen größere Gruppen musste er ablehnen. Lange überlegte er deshalb, wie er auch größeren Gesellschaften ein besonderes Fahrerlebnis ermöglichen könne. Als er abends „Die Simpsons“ im Fernsehen sah, kam ihm die Idee mit dem Bus: In Springfield, der Heimatstadt der berühmten Zeichen-Trick-Familie, fährt ein solcher Schulbus. Schmidt wusste: „Das ist es!“

Gefunden hat er das Schmuckstück im vergangenen Frühjahr in Neubrandenburg. Gesucht hatte er seit 2011 in ganz Deutschland. Doch nur ein Händler in Mecklenburg-Vorpommern bot ein Fahrzeug in einwandfreiem Zustand an. Der Motor des importierten Chevrolets war generalüberholt, das Fahrzeug vollständig restauriert und als Kraftomnibus zugelassen. Sogar der Innenraum war an Schmidts Bedürfnisse angepasst. Anstelle von ursprünglich 53 Sitzplätzen, finden nun 24 Personen Platz, im Heck ist eine Theke installiert, davor eine Tanzfläche.

„Das war ein absoluter Glücksgriff“, schwärmt Schmidt. Wo der Bus - Baujahr 1983 - einst fuhr, lässt sich in den Papieren nicht ablesen. Doch eine integrierte Streuvorrichtung an den Hinterrädern weist auf den Einsatz in winterlichen Regionen der USA hin. Als der Feudinger den Bus abholte, hoffte Obitz zunächst, nicht mit ihm fahren zu müssen. Schließlich fahre sich der Schulbus, bei dem sich die Türen nur mechanisch öffnen lassen, schwerer als ein moderner Reisebus. Doch nach der ersten Tour war auch der Holzhäuser Feuer und Flamme für das gelbe Gefährt: „Das macht richtig Spaß.“

Bei den Mitfahrern kommt der Bus gut an, mit ihm fahren ganze Junggesellenabschiede durch die Nacht oder mit einem Brautpaar die Gäste zur Trauung. Auch zu besonderen Anlässen wird der Feudinger Unternehmer gebucht, als Kulisse für den Spatenstich eines Projektes der McDonalds-Kinderhilfe oder als Shuttle für einen Event des Modekonzerns Esprit.

von Benedikt Bernshausen

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