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Mit Volldampf in den Westerwald

Historischer Zug Mit Volldampf in den Westerwald

Der Gladenbacher Autor der OP-Serie „Die Eisenbahn im Hinterland“, Stefan Runzheimer, berichtet von einer Fahrt mit einem historischen Dampfzug von Treysa nach Westerburg im Westerwald.

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Der mit Lok 268 Meter lange und 498 Tonnen schwere Zug verlässt Marburg. Die Lok 52 4867 kommt aus Frankfurt. Das kalte Wetter sorgt für starke Dampfentwicklung. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Weit mehr als 500 Fahrgäste aller Altersgruppen waren dabei, als die Eisenbahnfreunde aus Treysa mit ihrem historischen Dampfzug in den Westerwald zum Erlebnisbahnhof Westerburg fuhren. Doch bis es soweit war, musste sehr viel organisiert werden. „Zunächst braucht man natürlich eine Idee, welches Ziel für potentielle Reisende interessant wäre und welches Programm man ihnen dort bieten kann“, erläutert Andre Heide, der zweite Vorsitzende des Vereins.

Dazu zähle auch, dass man sich alles vor Ort vorher anschaue. Dann stellen die Eisenbahnfreunde den Zug zusammen und rühren kräftig die Werbetrommel. Die eigene Wagen-Garnitur des Vereins, die neben mehreren Personenwagen auch noch einen Wasserwagen und einen Dienstwagen umfasst, ist seit vergangenem Jahr wieder voll einsatzfähig. Anders sieht es mit der eigenen Dampflok aus. Die Lok 52 8106 wird zurzeit aufgearbeitet, da die gesetzlichen Untersuchungsfristen abgelaufen sind. Einen großen Teil dieser Arbeiten erledigt der Verein in der eigenen Werkstatt im Lokschuppen in Treysa, um den Rest kümmern sich Fachwerkstätten.

Deshalb müssen die Eisenbahnfreude derzeit für ihre Fahrten Lokomotiven von anderen Vereinen anmieten. Vier Wochen vor dem geplanten Fahrtbeginn, fällt die Entscheidung, ob es genügend Anmeldungen gibt, nur dann kommt die Fahrt zustande. Die Trasse muss bestellt und bezahlt werden. Bei der Trasse handelt es immer um eine bestimmte Fahrtstrecke, die gegen Gebühr genutzt werden darf. Wenn alle diese Vorarbeiten erledigt erledigt sind, Zug und Lok mehrere Stunden vor Fahrtbeginn aufgerüstet wurden, kann es losgehen.

Auf mehreren Zwischenhalten bis Limburg stiegen die Passagiere zu. Hinter Limburg bog der Zug auf die Oberwesterwaldbahn ein. Die Gleisradien (Kurven) wurden immer enger, die Steigungen stärker und die Arbeitsgeräusche der Dampflok lauter, was trotz der kalten Temperaturen dazu führt, dass immer mehr Reisende die Fenster öffneten, um die Lok bei der Arbeit zu beobachten.

Endbahnhof war Westerburg im Westerwaldkreis. Früher kreuzten sich dort die Oberwesterwaldbahn von Limburg nach Au (Sieg) und die Westerwald-Querbahn von Herborn nach Montabaur, dies waren die wichtigsten Süd-Nord beziehungsweise Ost-West Strecken im Westerwald. Deshalb wurde einst ein Lokschuppen errichtet auf dessen Gelände sich heute der „Erlebnisbahnhof Westerwald“ befindet. Ein besonderer Höhepunkt für Eisenbahnfreunde ist die dortige Sammlung von Bundeswehr-Diesellokomotiven, die größte ihrer Art überhaupt. Auch die Stadt selbst ist sehenswert. Die im Lokschuppen aufgebaute Modellbahnanlage zog neben den Erwachsenen auch die rund 150 mitgereisten Kinder in ihren Bann.

Diese Modellbahn nutzten die Eisenbahnfreunde Treysa, um ihre neue Spendenaktion für die vereinseigene Dampflok zu präsentieren: Wer ein Los für 100 Euro kaufte, erhielt garantiert einen Reisegutschein des Vereins und nahm zudem an der Verlosung eines 71 Zentimeter langen Märklin Dampflokmodells der Baureihe 44 in Spur 1 - also dem Maßstab - 1:32 teil.

Die Fahrgäste in den acht Wagen wurden im Speisewagen und mithilfe von zwei durch den Zug rollenden Minibars von den Vereinsmitgliedern aus Treysa versorgt. Insgesamt waren während der Fahrt etwa 25 ehrenamtliche Helfer im Zug und auf der Lok im Einsatz. Gegen 16 Uhr war die Lok am anderen Ende des Zuges angehängt und der Zug brach zur Rückfahrt auf.

Wer die Eisenbahnfreunde Treysa kennenlernen möchte hat dazu am 14. April Gelegenheit. Dann veranstalten sie auf ihrem Vereinsgelände in Treysa im Ulrichsweg 26 ihr zweites Kesselwurstfest.

von Stefan Runzheimer

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