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Mit Roller und Anhänger auf Holzdiebestour

Aus dem Amtsgericht Mit Roller und Anhänger auf Holzdiebestour

Mit einer Geldstrafe von 3500 Euro und einem einmonatigen Fahrverbot büßt 38-jähriger Hinterländer für mehrere Diebstähle.

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Unter anderem um Holzdiebstahl ging es in einer Verhandlung vor dem Biedenkopfer Amtsgericht.

Quelle: Thorsten Richter

Biedenkopf. Er finde, die Windräder seien an sich eine gute Sache, erklärt der 38-jährige Angeklagte auf die Frage von Richter Mirko Schulte, ob er etwas gegen die Anlagen auf dem Hilsberg habe. Hintergrund der Frage waren vermutlich die in der Vergangenheit aufgetretenen Diebstähle und Sachbeschädigungen auf dem Windparkgelände.

Doch wie sich im Laufe der Verhandlung am Donnerstag vor dem Biedenkopfer Amtsgericht herausstellte, vermochte der Hinterländer sowohl den Vertreter der Staatsanwaltschaft als auch Richter Mirko Schulte zu überzeugen. „Ich weiß auch nicht, was mich geritten hat. Es soll mir eine Lehre sein und nicht wieder vorkommen“, versicherte der arbeitsuchende Mann.

Der Zaun wird sowieso weggeschmissen – denkste

Angeklagt waren der Diebstahl von 400 Meter Rollzaun nebst Stahlstreben zur Fixierung desselben, Schwerlasttransportgurte, Auffahrrampen und 20 Meter Starkstromkabel – Wert 1500 Euro – vom Lagerplatz der Windparkbaustelle bei Bottenhorn, dass Fällen und Abtransportieren von 10 Bäumen – Wert 500 Euro –, das Abtransportieren von 10 Festmeter Buchenholz – Wert 620 Euro – nebst einem „Holztracker“ – Wert 400 Euro – sowie der Besitz von 19 Gramm Amphetamin.

Fast das ganze Diebesgut transportierte der Angeklagte von den Tatorten im Anhänger – ungefähre Maße 60 mal 40 Zentimeter – seines 25-Kubikzentimeter-Rollers ab. Vom Zaun dachte er, er werde nicht mehr benötigt und werde sowieso weggeschmissen, damit wollte er sein Freizeitgelände umgeben. Die restlichen Teile erwiesen sich als zu schwer und blieben bei der Tat am 16. August des Vorjahres im Straßengraben liegen.

Das Holz, die Taten ereigneten sich am 10. August und 18. September des Vorjahres, habe er zum Verbrennen auf seinem Gelände gebraucht, aber die Bäume seien schon gefällt gewesen. Grubenlampe und Motorsäge habe er nur dabeigehabt, um passgerechte Scheite zu sägen.

Ob er denn diesen Holztracker nicht wahrgenommen hätte, fragte Schulte. Ein Holztracker ist ein Peilgerät, mit dem der Standort von Langholz festgestellt werden kann. Doch, er habe diese Plastikschachtel wahrgenommen, als er auf seinem Gelände angekommen sei und habe die dann in den Mülleimer geworfen.

Amtsanwalt will Angeklagten Denkzettel verpassen

Zum Besitz des Amphetamins erklärte der Angeklagte, es für einen Bekannten besorgt zu haben, ohne diesen oder den Lieferanten zu benennen. Im Übrigen hätten die Geschädigten das Diebesgut bereits zurückerhalten beziehungsweise habe er sich mit fast allen Geschädigten über Wiedergutmachungszahlungen geeinigt und auch schon geleistet. Das, die Geständigkeit des Angeklagten sowie die Einsicht wertete der Vertreter der Staatsanwaltschaft zu Gunsten des Angeklagten.

Zu seinen Lasten schlugen zwei Vorstrafen, davon eine gegen das Betäubungsmittelgesetz, die beträchtliche Schadenhöhe sowie die „erhebliche Energie, die über einen erheblichen Zeitraum aufgebracht wurde“ zu Buche. Nach den Ausführungen hielt der Oberamtsanwalt aber statt einer angedachten Freiheitsstrafe eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 35 Euro für angemessen. Als „Denkzettelmaßnahme“ sollte zudem ein einmonatiges Fahrverbot auferlegt werden.

Während die Verteidigerin auf eine Strafe von 90 Tagessätzen zu 10 Euro abzielte, lehnte sich Schulte an der Argumentation des Staatsanwalts an und verurteilte den 38-Jährigen zu 100 Tagessätzen zu 35 Euro und einem Monat Fahrverbot. Die Verteidigerin erklärte, dass das Urteil angenommen werde, aber nicht sogleich, damit der Angeklagte mit dem Roller noch nach Hause fahren könne. „Sonst stünde der Roller einen Monat vor dem Gericht rum, das wollen wir nicht“, bemerkte Schulte.

von Gianfranco Fain

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