Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Missbrauch, Kinderpornos, Munition

Aus dem Landgericht Missbrauch, Kinderpornos, Munition

Der zweite Verhandlungstag war nach weiteren Anträgen der Verteidigung mittags schon beendet. Nächsten Dienstag geht es weiter, wenn der „Hauptverteidiger“ wieder dabei sein kann.

Voriger Artikel
Gemeinde betont ihre Zurückhaltung
Nächster Artikel
Jährlich aber strenger und billiger

Vor dem Marburger Landgericht läuft eine Verhandlung wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Schweren sexuellen Missbrauch seiner zwölfjährigen Tochter, exhibitionistische Handlungen vor seiner Stieftochter, sowie Besitz von Kinderpornografie, lauten die von Staatsanwältin Annemarie Petri verlesenen Vorwürfe gegen einen 56-Jährigen aus einer Südkreisgemeinde. Das geht aus der erst am zweiten Verhandlungstag verlesenen Anklageschrift hervor.

Wie die OP berichtete, zögerten etliche Anträge der beiden Verteidiger am ersten Tag die Verlesung der Anklage hinaus. Auch der Prozesstag am Mittwoch begann mit Anträgen. Einer hatte das Ziel, die Aussetzung mit der Begründung zu erreichen „dass dem Angeklagten ein gesetzlicher Richter willkürlich entzogen wurde“.

Rechtsanwalt Nikolai Odebralski argumentierte mit Rechtsfehlern. Die Verteidigung rügte bereits am Dienstag, dass die Kammer nur mit zwei statt drei Berufsrichtern besetzt sei. Dies wurde außerhalb der Hauptverhandlung mit einer weiteren Richterin letztlich zurückgewiesen.

Die gleiche Juristin war aber auch dabei, als später ein gegen die Kammer gestellter Befangenheitsantrag abgelehnt wurde, was laut Verteidigung dazu führen müsste, dass die Verhandlung abgebrochen und vor einer anderen Kammer wieder von vorne beginnt.

Die Anwältin der Tochter, Elke Edelmann, warf der Verteidigung „Verschleppungsabsicht“ vor, nachdem der Vorsitzende, Richter Thomas Wolf, darauf verwiesen hatte, verantwortlich zu sein, „ein Verfahren schnell durchzuführen“. Staatsanwältin Petri und Rechtsanwalt Thomas Strecker, der die Stieftochter als Nebenklägerin vertritt, sahen durchaus ein mögliches Problem.

Mutmaßliche Taten reichen bis ins Jahr 2004 zurück

Gleichwohl, wurde der Antrag abgelehnt. „Ein Verfahrenshindernis besteht nicht, die Richterin war von dem Befangenheitsantrag nicht betroffen“, begründete Wolf die Ablehnung des Antrags nach längerer Beratungspause. So konnte die Anklageschrift von Petri doch verlesen werden. Gemäß dieser hat der Mann im Frühjahr oder Sommer 2004 bei einem gemeinsamen Bad seine damals zwölfjährige Tochter aufgefordert, sein Geschlechtsteil zu berühren, anschließend hat er laut Petri die Hand des Kindes dafür an sich gezogen und gesagt, „ich kann dir noch etwas anderes zeigen“, bevor er sie durch eine weitere Handlung missbrauchte.

Vor seiner erwachsenen Stieftochter soll er im Jahr 2012 mehrfach onaniert und sie aufgefordert haben, „ihm dabei zu helfen“. Einmal soll er zuvor von ihr Änderungen an einem von ihm getragenen String-Tanga aus Leder verlangt haben, bevor er diesen auszog. Darüber hinaus, so die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, hat der Mann vor zwei Jahren neun Bilddateien mit Kinderpornografie, auf denen zum Teil schwerster Missbrauch dargestellt ist, besessen. Zuletzt ist er noch angeklagt, illegal Munition aus dem Nachlass seines Vaters besessen zu haben.

Richter sperrt Öffentlichkeit nicht aus

Vor Verlesung der Anklage hatte Verteidiger Odebralski noch vergeblich versucht, dafür die Öffentlichkeit auszuschließen. Das Argument: Nach neuer Rechtslage dürfen Plädoyers nicht öffentlich gehalten werden, wenn Zeugen dies bei ihrer Aussage für den Schutz ihrer Intimsphäre beantragt haben. Die Nebenklagevertreter könnten das für die Frauen nicht ausschließen, deshalb müsse der Schutz auch für seinen Mandanten gelten. Das Gericht stellte jedoch fest, dass „das Interesse an der öffentlichen Verhandlung überwiegt“. Anders könne dies bei einer Einlassung des Angeklagten sein, der jedoch keine Angaben zu den Vorwürfen machte.

Die Verhandlung wird nächsten Dienstag mit der Vernehmung der heute 22-jährigen leiblichen Tochter fortgesetzt. Pflichtverteidiger Odebralski hatte letztlich erfolgreich beantragt, dass dies in Anwesenheit des „Hauptverteidigers“ Clemens Louis – wie er aus Essen – geschehen müsse, der am Mittwoch verhindert war.

  • Am Dienstag, 24. März, geht es um 9 Uhr in Raum 101 des Marburger Landgerichts weiter.

von Heiko Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr